16 Tonnen Hilfsgüter aus Bühl für die Ukraine

Bühl (sp) – Die Hilfsbereitschaft für die Ukraine ist auch in der Region Bühl immens: Mit 16 Tonnen Hilfsgütern starteten am Wochenende Lkw der Firma Karaca in Richtung ungarische Grenze.

Viele Menschen wollen helfen: Die Organisatoren sind von der Menge der Spenden überwältigt.  Foto: Roland Spether

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Viele Menschen wollen helfen: Die Organisatoren sind von der Menge der Spenden überwältigt. Foto: Roland Spether

„Meine Eltern sind noch in der Ukraine, sie lieben ihr Land und möchten dort bleiben.“ Liebend gerne würde Katalin Mitro ihre Eltern zu sich und ihrem Lebensgefährten Mehmet Karaca, Inhaber der Firma Karaca, nach Bühl holen, um sie vor dem Krieg in ihrem Heimatland in Sicherheit zu bringen. Aber bislang lehnten dies die Eltern ab. Doch untätig sind Mitro und Karaca dennoch nicht: Sie haben eine Spendenaktion für die Menschen in der Ukraine organisiert.

Die ersten Lkw mit 16 Tonnen Hilfsgütern starteten am Sonntag von der Firma Karaca aus in Richtung Ungarn. Der nächste folgt ebenfalls voll beladen am Donnerstag, 10. März, um Lebensmittel, Wasser, Kleidung, Verbandsmaterial, Konserven, Hygiene-, Pflege- und Babyartikel in die Ukraine zu fahren, die aus einer einmaligen Spendenaktion resultierten. Denn wie ein Lauffeuer breitete sich der spontane Hilferuf ausschließlich über die Sozialen Medien aus, Mehmet Karaca und seine Mitarbeiter wurden regelrecht überrannt und die anfahrenden Autos von Privatpersonen und Firmen wollten kein Ende nehmen. „Ich kann nur eine Million Mal Danke sagen“, so Mehmet Karaca, der wie Katalin Mitro und alle Helfer von der großen Hilfsbereitschaft der Menschen aus der Region überwältigt war. „Wir haben so viele Spenden bekommen, dass es für einige Lkw-Ladungen reicht.“ Die Hilfsgüter werden nun sukzessive in die Ukraine transportiert, es ist geplant, die Spendenaktion fortzusetzen.

Beim ersten Transport sind Mehmet Karaca und die 19-jährige Tochter als Dolmetscherin mit dabei. Die Fahrt geht in die 1.300 Kilometer entfernte Stadt Záhony an der ungarisch-ukrainischen Grenze, hier werden die Lkw nach vorheriger Absprache ein paar wenige Kilometer in die Ukraine hineinfahren und die Spenden an einem Sammelplatz an Verantwortliche des Roten Kreuzes und christlicher und orthodoxer Kirchen übergeben.

16 Tonnen Hilfsgüter gesammelt: Bei der Firma Karaca in Bühl werden die Spenden sortiert und auf Lkw verladen. Foto: Roland Spether

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16 Tonnen Hilfsgüter gesammelt: Bei der Firma Karaca in Bühl werden die Spenden sortiert und auf Lkw verladen. Foto: Roland Spether

Ob Mehmet Karaca noch etwa 30 Kilometer weiter in die Heimatstadt seiner Partnerin fahren und deren Eltern besuchen kann oder ob es irgendwo ein Wiedersehen gibt, konnte er nicht sagen. In der Gegend um die Stadt Uzhorod, in der die Eltern leben, soll es aktuell noch ruhig und sicher sein. Deshalb sei die Stadt mit 100.000 Einwohnern um das Dreifache mit Flüchtlingen angewachsen. „Frauen, Kinder und alte Leute sind geblieben, 90 Prozent der Männer sind an der Front“, berichtet Katalin Mitro. Wer nicht floh, versuche, irgendwie zu helfen und Widerstand zu leisten. „Die Ukraine ist so ein schönes Land und es leben dort gute, gastfreundliche und starke Menschen, die alle Widerstand gegen die russische Armee leisten“, betont Mitro. „Meine Mama knüpft wie alle Frauen Tarnnetze für das Militär.“

Angst um Angehörige im Kriegsgebiet

Dass die Hilfsbereitschaft auch in der Region um Bühl riesengroß ist, bestätigte die enorme Resonanz an Spendern für die Karaca-Transporte. „Wir wollten die Aktion zuerst nur unter den Mitarbeitern machen, dann hat sich das aber ganz anders entwickelt“, so Mehmet Karaca. Der durfte wie seine Mitarbeiter von den Spendern viel Lob und Dank entgegennehmen. „Ich bin fassungslos, was in der Ukraine geschieht, deshalb wollte ich helfen“, so eine junge Frau aus Sinzheim, die von ihrer Freundin mit einem Screenshot auf die Aktion aufmerksam gemacht wurde. Bei anderen wurde der Aufruf in einer Whatsapp-Gruppe geteilt oder sie erhielten eine Information in ihrer Firma, wieder andere entdeckten die Aktion in Facebook.

Unter den Spendern waren auch Oksana Börsig, Tatjana Göhrig und Ludmilla Vollmer, die alle aus der Ukraine stammen, seit zehn und mehr Jahren in Oberkirch und Rheinau leben und Hilfsmittel brachten. Jede der Frauen hat Angehörige und Bekannte in Städten wie Kiew und Charkiw, alle machen sich große Sorgen und aktuell sind Verwandte zur Familie einer der Frauen unterwegs.

„Die Russen bombardieren Schulen, Krankenhäuser, Wohngebiete, einfach alles, und viele Menschen wurden schon getötet.“ Für die Ukrainer sei dies der Dritte Weltkrieg, schlimmer als alles, was bisher war. Eine Frau wurde deutlich: „Putin ist ein besessener Idiot, er erzählt nur Lügen und dass wir Drogendealer und Nazi sind. Aber wir sind Ukrainer und wir kämpfen.“

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Erstellt:
8. März 2022, 07:00 Uhr
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