Bühler Gastronomen: Zweiter Lockdown der Todestoß

Bühl/Bühlertal (efi) – Gastronomen aus Bühl und Umgebung kritisieren die jüngst für die Branche verordneten Corona-Maßnahmen. Ein zweiter Lockdown, so der Tenor, wäre der Todesstoß.

Der Bühler Dehoga-Vorsitzende Jürgen Kohler fürchtet um die Existenz vieler Betriebe. Foto: Bernhard Margull

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Der Bühler Dehoga-Vorsitzende Jürgen Kohler fürchtet um die Existenz vieler Betriebe. Foto: Bernhard Margull

Die verschärften Corona-Maßnahmen machen der von Umsatzeinbußen und Jobverlust schon jetzt heftig geplagten Gastronomie zu schaffen. Im Landkreis gilt nach den rasant steigenden Infektionszahlen seit Dienstag eine Sperrstunde für Gastronomiebetriebe von 23 bis 6 Uhr. Insbesondere Bars und Kneipen trifft die Allgemeinverfügung des Gesundheitsamtes hart. Und ab Montag, 2. November, kommt es noch schlimmer: Jürgen Kohler, Vorsitzender der Kreisstelle Bühl des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und Inhaber des Hotel-Restaurants „Engel“ in Vimbuch, und seine Kollegen betrachten es mit Unverständnis, dass ihre ohnehin gebeutelte Branche nach der wochenlangen Schließung im Frühjahr nun erneut im November schließen muss. Das Gastgewerbe, so argumentieren sie, sei weder Infektionsherd noch Treiber der Pandemie. „Es ist schlimm, dass alles auf dem Rücken der Gastronomie ausgetragen wird“, moniert der Bühler Dehoga-Chef. Ihm sei kein Fall im Landkreis bekannt, der auf eine Ansteckung in einem Gastronomiebetrieb zurückzuführen sei, sagt Kohler und verweist auf die Anstrengungen für den Gesundheitsschutz von Gästen und Mitarbeitern. Abstandsregeln und Hygienevorschriften würden verantwortungsbewusst und vorbildlich umgesetzt.

„Die Gastronomie ist definitiv kein Hotspot“, sagt Andreas Schäuble vom „Bergfriedel“. Foto: Bernhard Margull

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„Die Gastronomie ist definitiv kein Hotspot“, sagt Andreas Schäuble vom „Bergfriedel“. Foto: Bernhard Margull

Das Beherbergungsverbot des Landes sei zwar gekippt, die nun angekündigten schärferen Einschränkungen betrachtet der Bühler Dehoga-Vorsitzende aber als existenzgefährdend. „Die kleineren Betriebe werden auf lange Sicht umgehen“, mutmaßt er. Sein Kollege Andreas Schäuble vom Hotel-Restaurant „Bergfriedel“ in Bühlertal findet ebenfalls klare Worte. Er befürchtet einen „Lockdown über die Hintertür“. Es sei eine steigende Verunsicherung der Gäste spürbar, die Betriebe seien täglich mit Stornierungen und Absagen konfrontiert. Den Wareneinkauf zu planen, werde immer schwieriger.

Bei Thomas Strotz von der „Quetsch“ geht das Licht derzeit um 23 Uhr aus. Foto: Bernhard Margull

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Bei Thomas Strotz von der „Quetsch“ geht das Licht derzeit um 23 Uhr aus. Foto: Bernhard Margull

„Die Gastronomie ist definitiv kein Hotspot“, ärgert sich der Naturpark-Wirt aus Bühlertal. Der erneute Lockdown werde die Branche mit voller Wucht treffen. Nicht nur Existenzen würden zerstört, ein wichtiger Wirtschaftszweig sei bedroht. „Man steckt sich auch um 16 Uhr an“, stellt Philippe Schutzenbach die Sinnhaftigkeit der Sperrstunde um 23 Uhr infrage. Der Wirt des „Schwanen“ in der Bühler Fußgängerzone befürchtet eine Verlagerung des Problems und einen eher gegenteiligen Effekt. Die Gäste stünden nach Schließung der Lokale und Kneipen schlagartig auf der Straße und feierten dann privat weiter, mitunter ohne Abstands- und Hygieneregeln, die in den Lokalitäten beachtet und eingehalten werden müssten. Schlauer wäre es, mehr zu kontrollieren, meint Schutzenbach. Für die Zukunft des Gastgewerbes sieht er schwarz: „Ein zweiter Lockdown wäre der Todesstoß.“

50 Prozent des Umsatzes bricht weg

„Extremes Unverständnis“ über den grundsätzlichen Umgang von Politik und Behörden mit dem Hotel- und Gaststättengewerbe in Zeiten der Pandemie äußert Martin Foshag. Das Risiko, sich im privaten Umfeld anzustecken, sei wesentlich höher. „Im Familienkreis passiert deutlich mehr“, meint der Geschäftsführer der „Heimat“ im „Badischen Hof“ in Bühl. Thomas Strotz von der Gaststätte „Zur Quetsch“ in der Bühler Hauptstraße würde sich klarere Informationen wünschen. Einen zweiten Lockdown halte die Gastronomie, die sich streng an alle Vorgaben halte, nur sehr schwer aus, ist er überzeugt. Sein Lokal sei mehrfach kontrolliert worden. Insbesondere freitags und samstags seien die Plätze auch bis in die Morgenstunden gut ausgelastet. Für viele seiner Gäste beginne das Kneipenerlebnis an den Wochenenden aber erst nach 22 Uhr. 50 Prozent des Umsatzes breche mit der Einführung der Sperrstunde um 23 Uhr nun weg, schätzt er. Schon am Eingang weist der Wirt nun seine Gäste schriftlich auf die Regelung hin und bittet um Verständnis. Und solange der zweite Lockdown nicht beginnt, heißt es bei ihm und seinen Kollegen: „Die letzte Runde wird um 22.30 Uhr eingeläutet, um 23 Uhr geht das Licht aus“.

Martin Foshag. Foto: Bernhard Margull

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Martin Foshag. Foto: Bernhard Margull

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Erstellt:
29. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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