In der Trinkhalle Baden-Baden gibt es nun edle Tropfen

Von BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

Baden-Baden (BNN) – Die Trinkhalle in Baden-Baden wird ihrem Namen wieder gerecht – wenn auch auf andere Weise: Dort wird Wein zur Verkostung angeboten.

In der Trinkhalle Baden-Baden gibt es nun edle Tropfen

Zum Wohl: Zwei junge Männer probieren vor der Trinkhalle Wein aus Baden-Baden. Dahinter steht eine Aktion örtliche Winzer und dem Förderverein Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

Eine Trink-Kur wie zu den Glanzzeiten dieser Anwendung im 19. Jahrhundert ist in dem beeindruckenden Bau in der Nachbarschaft des Kurhauses in Baden-Baden aber nicht mehr möglich. Statt Thermalwasser oder Molke von Ziegen-, Kuh- oder Stutenmilch werden jeweils donnerstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr edle Rebensäfte aus der Region angeboten.

Silke und Hans-Peter Wowerath aus der Nachbarkommune Sinzheim genießen gerne badischen Wein. Im Foyer der von Heinrich Hübsch (1795-1863) erbauten Trinkhalle mit der 90 Meter langen und offenen Wandelhalle probiert das Paar einen prickelnden Sekt des Weinguts Kopp. „Das ist eine sehr gute Aktion“, würdigt Hans-Peter Wowerath die Verwandlung des Raums in einen „Saal des Baden-Badener Weins“ – und prostet seiner Frau zu.

Hinter dem Tresen berät derweil Alina Kopp, die Frau von Winzer Johannes Kopp aus dem Sinzheimer Ortsteil Ebenung, die Kundschaft. Mit der Resonanz am Samstag zeigt sie sich zufrieden. „Ich bin positiv überrascht.“ Viel Zeit für Werbung sei im Vorfeld nicht gewesen.

Angebot erfolgt im rotierenden System

„Das Angebot muss sich herumsprechen und etablieren“, sagt der im Baden-Badener Stadtteil Haueneberstein ansässige Bio-Winzer Volker Maier. Er hatte am vergangenen Freitag seine Premiere in der Trinkhalle. Maier und zehn Kollegen haben sich dem Förderverein angeschlossen und sind im rotierenden System jeweils an einem der drei Öffnungstage von Donnerstag bis Samstag im „Saal des Baden-Badener Weines“ mit ausgewählten Produkten präsent.

Maier bearbeitet neun Hektar Rebflächen und vermarktet seine Erzeugnisse selbst. In das Wein-Forum in der Trinkhalle setzt der Winzer, der im Jahr 2015 auf Ökobetrieb umstellte, große Hoffnungen: „Das ist eine wichtige Präsentationsform, um uns als Weinregion bekannter zu machen.“

Das deckt sich mit dem Ziel des Fördervereins Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland. Die Möglichkeit zur Verkostung von Wein und Sekt von Baden-Badener Winzern geht auf eine Initiative des Vereins zurück. Auftakt der Aktion war bereits Mitte November. Die damaligen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie bremsten das Projekt gleich wieder aus. Am vergangenen Donnerstag ist die Vinothek in der Trinkhalle neu gestartet.

Kurstädter Weingeschichte vergleichsweise kurz

„Wir wollen den Wein zum Thema machen“, betont Klaus Blödt-Werner. Da sieht der Vorsitzende des Fördervereins Nachholbedarf. Das Thema regionaler Wein habe in der Bäderstadt keine Tradition, erklärt er. „Baden-Baden ist erst vor 50 Jahren mit der Eingemeindung der Rebland-Gemeinden ein Wein-Ort geworden.“ In anderen touristischen Regionen wie etwa der Pfalz spiele die Vermarktung der heimischen Produkte dagegen schon lange eine zentrale Rolle.

In der Familie von Blödt-Werner ist Wein auch schon lange ein Thema. Sein Vater arbeitete als Kellermeister im Weindorf und heutigen Stadtteil Neuweier. Dass sich wieder vermehrt junge Leute für den Weinbau begeistern lassen, beobachtet der Weinfreund mit Genugtuung.

Ursprünglich war geplant, den „Wein-Saal“ in einem Geschäft der Kurhaus-Kolonnaden oder am Augustaplatz zu etablieren. Das ließ sich nicht realisieren. Die Alternative in der Trinkhalle ist für Blödt-Werner aber keine zweite Wahl.

Der imposante Bau mit den 16 korinthischen Säulen und den 14 Wandbildern zu Mythen und Sagen der Region zählt zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Bäderstadt. Im vergangenen Jahr Sommer wurde sie mit dem begehrten Welterbe-Titel ausgezeichnet.

Organisatoren hoffen auf langfristige Perspektive

Wie lange die Vinothek in der Trinkhalle Bestand haben wird, ist noch ungewiss. Es gibt Überlegungen, das geplante Besucherzentrum mit Informationen zum Welterbe in Baden-Baden in der historischen Immobilie einzurichten. Blödt-Werner hofft darauf, den „Saal des Weines“ in diese Planungen integrieren zu können. Seine Marschroute steht jedenfalls fest: „Wir planen mal einfach weiter!“ Dabei sind auch finanzielle Angelegenheiten zu regeln. Zum Teil über Spenden und mit Unterstützung der Stadt wurde die Erstausstattung der Vinothek mit Theken, Gläsern und mehr finanziert. „Jetzt geht es um die laufenden Kosten“, erläutert Blödt-Werner.

Die Raummiete an die Bäder- und Kurverwaltung wird seit September überwiesen. Aktuell seien zudem noch einige Rechnungen offen. Das Konzept sieht vor, dass die Kosten für das Wein-Forum je zur Hälfte vom Verein und den beteiligten Betrieben getragen werden.

Der Förderverein leidet derzeit unter einem Problem, das viele Vereine in der Bäderstadt kennen. Weil der Gemeinderat den Doppelhaushalt für 2022/23 noch nicht verabschiedet hat, sind erhöhte Zuschüsse derzeit für eine Auszahlung gesperrt.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) hatte die Abstimmung über das Zahlenwerk im Dezember abgesetzt. Sie musste befürchten, keine Mehrheit zu bekommen. Der Hintergrund ist schnell erklärt: Wegen des OB-Wahlkampfes verfolgten die Ratsfraktionen ganz unterschiedliche Einzelinteressen.

Das Ende dieses Zustandes naht aber: Am Sonntag, 20. März, fällt beim zweiten Wahlgang die Entscheidung, wer künftig auf dem Chefsessel im Baden-Badener Rathaus sitzen wird.

Zum Thema:

Sonnenverwöhnte Aussichtsterrasse: So wird das Baden-Badener Rebland oft charakterisiert. Es umfasst die Stadtteile Varnhalt, Steinbach mit Umweg und Neuweier. Reben wachsen auf einer Fläche von etwa 325 Hektar.

Weinbau-Tradition: Im Baden-Badener Rebland hat Weinbau eine jahrhundertealte Tradition. Herausragende Lagen wie „Neuweierer Mauerberg“ und der Umweger „Stich den Buben“ zählen zu den ältesten in Deutschland. Das Rebland ist bekannt für Riesling, Spät-, Weiß- und Grauburgunder sowie Winzersekte und Obstbrände.

Typisch: der Bocksbeutel. Schon seit dem Mittelalter wird in Franken Wein in Bocksbeutel abgefüllt. Im Baden-Badener Rebland darf Rebensaft auch in den markanten Flaschen mit kugeliger Form und flachem Stehboden abgefüllt werden. Das hat gegenüber herkömmlichen Weinflaschen einen Vorteil: Der Bocksbeutel kann nicht wegrollen. Die Flaschenform brachte Freiherr Franz-Philipp von Knebel-Katzenellenogen, damals Schlossherr von Neuweier, im Jahr 1785 mit der Riesling-Rebe aus seiner fränkischen Heimat mit.

Aussicht genießen: Das ermöglicht eine 7,3 Kilometer lange Strecke rund um das Weindorf Neuweier. Die Route hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord in seine „AugenBlicke“-Runden aufgenommen. Eine Besonderheit der Wanderung: Es geht an den markanten Trockenmauern der Weinbergsteillage vorbei. Ausgangspunkt ist am Weinhaus am Mauerberg. Infos: https://www.naturpark-augenblicke.de/augenblicke/badenbaden.html

Kommentar: Zum Wohl!

Von Bernd Kamleitner

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