Impferlaubnis: Geteiltes Echo bei Tierärzten und Apothekern

Baden-Baden (waa) – Die Tierärzte und Apotheker in Baden-Baden sind startklar für den Piks: Die tatsächliche Bereitschaft, eine Corona-Spritze zu setzen, fällt allerdings ganz unterschiedlich aus.

Impfen mit Einschränkung: Im Fall von Covid-19 dürfen Tierärzte nun auch Menschen impfen – jedoch nur im Impfzentrum oder als mobiles Impfteam. Foto: Nicolas Armer/dpa

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Impfen mit Einschränkung: Im Fall von Covid-19 dürfen Tierärzte nun auch Menschen impfen – jedoch nur im Impfzentrum oder als mobiles Impfteam. Foto: Nicolas Armer/dpa

Mit der Impfspritze durch menschliche Haut statt durch buschiges Fell oder daunenweiche Federn – um die Impfkampagne gegen Covid-19 weiter voranzutreiben, sollen auch Apotheker und Tierärzte gegen das Virus impfen dürfen. Die Bereitschaft, die Corona-Impfspritze zu zücken, fällt bei Apothekern und Tierärzten in der Kurstadt allerdings ganz unterschiedlich aus.

Wer jetzt vermutet, dass er künftig ohne tierischen Begleiter zu einem Termin in eine Tierarztpraxis spaziert, der irrt – zumindest noch. Zwar dürfen Tierärzte nach Teilnahme an einer Schulung nun auch Menschen impfen, das ist jedoch nur im Rahmen von mobilen Impfteams oder in einem Impfzentrum möglich – nicht aber in der eigenen Praxis. Dafür fehlt noch die nötige Verordnung.

„Sehr gut, Tierärzte einzubeziehen„

Seit dem 12. Januar können sich Tierärzte zum Theorieteil der entsprechenden Schulung anmelden, teilt die Landestierärztekammer auf Anfrage unserer Zeitung mit. Zusätzlich müssen sie einen zweistündigen Praxisteil absolvieren, der etwa in einem Impfzentrum abgeleistet werden kann.

Bei Dr. Tim Patrick Kilchling, Tierarztpraxis am Annaberg, liegen jeden Tag Dutzende Vierbeiner wie Hund und Katze auf dem Behandlungstisch, sogar eine Gans musste der Tierarzt bereits versorgen. Einem Menschen jedoch eine Spritze setzen, das kommt in seinem Arbeitsalltag nicht vor – noch nicht. „Ich finde es sehr gut, die Tierärzte bei den Impfungen miteinzubeziehen“, sagt Kilchling. Gerne würde sich der Tierarzt bei den Impfungen beteiligen. „Ich setze jeden Tag unzählige Spritzen, ob ich sie einem Tier oder einem Menschen gebe, ist mir egal“, sagt er. Eine Beteiligung im Impfzentrum könne Kilchling für sich jedoch ausschließen. „Ich kann meine Praxis nicht zusperren, meine primäre Aufgabe ist es, den Tieren zu helfen“, bemerkt er. Wenn Impfungen künftig auch in der eigenen Praxis möglich sein würden, hat der Tierarzt aber schon eine Idee: „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob man nicht etwa an zwei Nachmittagen die Woche die Impfungen anbieten könnte.“ Behandlungsräume dafür habe er, und auch, was einen möglichen Wartebereich betrifft, ist Kilchling kreativ. Hierfür könne etwa der praxiseigene Garten genutzt werden. Im Zentrum für Tiergesundheit Baden-Baden dagegen werde man sich an den Corona-Impfungen nicht beteiligen, hieß es auf Anfrage dieser Zeitung.

Neben Tierärzten sollen auch Apotheker künftig zur Impfspritze greifen dürfen. Die bisher hierfür zur Verfügung gestellten 750 Schulungsplätze seien fast vollständig ausgebucht, teilte Katina Lindmeyer, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landesapothekerkammer, vergangene Woche mit. Die Seminare starteten am Samstag und umfassen einen theoretischen und einen praktischen Teil. Während Art und Umfang der Fortbildungen bereits feststehen, müssten andere Aspekte noch geklärt werden, so etwa „das Meldeverfahren für die Impfungen an das RKI und der Bezug der Impfstoffe“, erklärte Lindmeyer.

Jeder sollte „bei seinen Themen bleiben“

In der Augusta-Apotheke in Baden-Baden ist man jedenfalls startklar. Inhaberin und Apothekerin Sabine Hartje möchte gerne „dazu beitragen, Impfmöglichkeiten zu verbessern“ – zunächst wolle sie aber die Nachfrage beobachten, die inzwischen nicht mehr ganz so groß wie vor den Feiertagen sei. Trotz der „spannenden Herausforderung“ verschließt sich Hartje aber nicht vor den Tücken einer Beteiligung an der Impfkampagne. „Das Ganze ist mit viel Logistik und Terminierung verbunden, und auch das Aufklärungsgespräch kostet Zeit. Das kann nicht jede Apotheke leisten.“ Zudem müsse ein separater Raum für die Impfungen zur Verfügung stehen. „So richtig im laufenden Betrieb ist das alles schwierig“, gesteht sie. Daher würde die Augusta-Apotheke Impfungen in erster Linie im Anschluss an die Öffnungszeiten oder an Samstagen anbieten.

Auch in der Marien Apotheke ist der Termin für die Schulung bereits gebucht. Voraussichtlich Mitte Februar soll es dann mit den Impfungen losgehen, „nicht, um mit den Ärzten in Konkurrenz zu treten, sondern um diese zu entlasten“, betont Apotheker Matthias Kraemer. Ob die Impfungen mit oder ohne Terminvergabe stattfinden, sei momentan noch nicht sicher.

In der Apotheke im Kaiserhof ist man hingegen „altmodisch“, räumt Apotheker Ralph Thomas ein. Seiner Meinung nach solle doch lieber jeder „bei seinen Themen bleiben“. Apotheker seien in erster Stelle für die Herstellung von Medikamenten zuständig und nicht für deren Anwendung. Sorgen bereiten ihm vor allem mögliche allergische Reaktionen auf eine Impfung. „Erleidet jemand einen anaphylaktischen Schock und liegt in Lebensgefahr auf dem Boden, dann wird aus dem Apothekenpersonal ganz schnell ein aufgescheuchter Ameisenhaufen“, sagt Thomas. „In so außergewöhnlichen Notfällen ist die Routine einfach nicht da“, gesteht er sich offen ein.

Ihr Autor

BT-Volontärin Alena Wacker

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Erstellt:
23. Januar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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