Georg Fritzsch leitet erstes Sinfoniekonzert

Karlsruhe (sr) – Eigentlich sollte es ein Auftakt mit großbesetztem Orchester sein, doch Corona zwang den neuen Karlsruher Chefdirigenten zur Programmänderung: Überzeugend war sein Einstand dennoch.

Der neue Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Georg Fritzsch, gestaltet ein farbenreiches Beethoven-Programm. Foto: Felix Grünschloss

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Der neue Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Georg Fritzsch, gestaltet ein farbenreiches Beethoven-Programm. Foto: Felix Grünschloss

Die ursprünglich vorgesehene „Alpensinfonie“ von Richard Strauss ist unter den strengen Corona-Abstandsregeln auf dem Podium nicht zu realisieren. So wählt Georg Fritzsch für sein erstes Sinfoniekonzert, das er als Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe leitet, ein dem Jubilar Ludwig van Beethoven gewidmetes Programm. Das Violinkonzert und die achte Sinfonie erweisen sich dabei nicht als Fehlgriff.

Wobei beide Werke eint, dass sie bei ihrer Uraufführung weder vom Publikum noch der Kritik mit Begeisterung aufgenommen wurden. Im Fall des Violinkonzertes hat sich dies nach einer langen Anlaufstrecke radikal gewandelt, gilt das D-Dur-Konzert doch heute als das klassische Violinkonzert schlechthin. Die F-Dur-Sinfonie hingegen hat es an Popularität nie mit der „Eroica“ oder gar der Neunten aufnehmen können.

Dass dieser Beginn als Generalmusikdirektor in von Einschränkungen geprägten Zeiten zum Ereignis wird, liegt an verschiedenen Faktoren. An der Genauigkeit und dem Musizierwillen von Fritzsch ebenso wie an der in Kammerorchesterbesetzung auftretenden Staatskapelle – ein Mehr an Streicher hätte es aber doch sein dürfen, war die dynamische Balance mit den Bläsern in Fortepassagen doch nicht immer zu halten – aber auch an Antje Weithaas. Die Geigerin kann nicht nur als Solistin begeistern, sie ist auch eine exzellente Kammermusikerin. Und Erfahrung als Orchesterleiterin (vom Konzertmeisterpult) hat sie zudem viele Jahre mit der Camerata Bern sammeln können.

Fritzsch und die Geigerin finden schnell zu bezwingendem gemeinsamen Musizieren, wobei es Weithaas trotz der für den Kopfsatz gewählten breiten Tempi gelingt, einen großen Spannungsbogen zu halten. Manuelle Souveränität paart sich hier mit Uneitelkeit, immer wieder sucht sie den Dialog mit den hervorragenden Bläsern des Orchesters oder dem Konzertmeister. Die Details werden von der Geigerin in die musikalische Linie eingebunden, der Ton ist betörend flexibel, ausdrucksstark, aber nicht süßlich.

Grandiose Geigerin: Antje Weithaas

Eine Kadenz für den Kopfsatz hat Beethoven für sein Violinkonzert nicht geschrieben, dafür aber eine Kadenz unter Einbeziehung der für das Konzert so wichtigen Pauke für die wenig bekannte Klavierfassung Konzertes. Diese spielt Weithaas in einer freien Rückübertragung für die Geige, wobei sich hier ihre Virtuosität lustvoll Bahn bricht. Feinste Farb- und Dynamikabstufungen prägen den Gesang des langsamen Satzes, den sie in Abstimmung mit Fritzsch detailreich gestaltet. Und das wirkungsvoll angegangene Rondofinale gibt ihr und den Orchestermusikern viel Gelegenheit, Feinschliff mit musikalischer Spannung zu verbinden.

Auch bei der Achten zeigen sich Fritzsch und die Mitglieder der Staatskapelle von ihrer musizierfreudigen Seite. Die kleine Besetzung kommt der nötigen Transparenz für die F-Dur-Sinfonie und ihrem hintersinnigen Humor sehr entgegen. Zudem lässt Fritzsch mit erfrischenden Brio musizieren. Ob die Achte als Parodie wie im Programmheft suggeriert zu sehen ist, oder ob nicht das geistvolle Spiel mit der Erwartungshaltung eines gebildeten Publikums im Zentrum steht, bleibt dahingestellt.

Die nötige Leichtigkeit für das Allegretto scherzando fehlt nicht, und das für die Entstehungszeit der Sinfonie ziemlich zopfige Menuett wird augenzwinkernd präsentiert. Auch hier können sich die Bläser dank des farbenreichen Spiels in Bestform zeigen, ebenso wie die Streicher, die von Fritzsch zu einer schwungvollen Detailtreue angehalten werden.

Ihr Autor

Thomas Weiss

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Erstellt:
28. September 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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