Liebesverwirrungen auf dem Baden-Badener Marktplatz

Baden-Baden (co) – Das Theater Baden-Baden zeigt die Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ als Freiluftaufführung auf dem Marktplatz – auch für die Schauspieler ist das aufregend.

Sebastian Mirow, Lilli Lorenz und Barry Goldman (von links) im Bühnenbild der Freiluft-Inszenierung von Shakespeares „Was ihr wollt“ auf dem Marktplatz. Foto: Conny Hecker-Stock

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Sebastian Mirow, Lilli Lorenz und Barry Goldman (von links) im Bühnenbild der Freiluft-Inszenierung von Shakespeares „Was ihr wollt“ auf dem Marktplatz. Foto: Conny Hecker-Stock

William Shakespeares im Jahr 1601 verfasste Komödie „Was Ihr wollt“ bietet genau das richtige Schmankerl für laue Sommerabende auf dem Baden-Badener Marktplatz. Regisseur Barry Goldman geriet bei der Pressekonferenz gestern vor Ort regelrecht ins Schwärmen: Über den Dialog mit dem Publikum, das Spiel im Spiel, die Suche nach Liebe und den Kampf ums Überleben, der dort an zwölf Theaterabenden unter freiem Himmel präsentiert wird – beginnend mit der Premiere am 25. Juni.
Dafür galt es, das Stück ohne Pause in eine Kompaktfassung von knapp 100 Minuten zu bringen. Shakespeares Themen wie Liebe, Hass, Rache oder Eifersucht hätten bis heute nichts an Aktualität eingebüßt, unterstreicht Goldman die Zeitlosigkeit der üppigen, fantasievollen Inszenierung. Schauspieler Sebastian Mirow, der die Hauptrolle des Herzogs Orsino übernimmt, betont die auch einer Komödie zugehörigen Schattenseiten, die jedoch nicht den Spaß der Inszenierung überlagern.

So kreidet der selbst ernannte „Weltmeister der Liebenden“, Orsino, der Damenwelt mangelnde Liebesfähigkeit an. Kann Viola als Cesario verkleidet, deren Rollen Lilli Lorenz übernimmt, die ersehnten Gefühle wecken? Ist Liebe abhängig von sexueller Leidenschaft oder lieben wir statt Mann oder Frau einfach nur den Menschen im anderen? Ambivalente Charaktere und innere Monologe kommen zum Tragen, Sehnsüchte werden gelebt.

Besondere Aufregung vor den Proben

Hier könne man sich auf Shakespeare verlassen, sagt lachend Goldman, „er spricht in Bildern, ohne zu viel zu sagen“. Lilli Lorenz, die bereits bei der Freiluftaufführung von „Don Carlos“ mitwirkte, sieht in der Szenerie auf dem Marktplatz etwas sehr Ursprüngliches und bekennt ihre besondere Aufregung vor den Proben hier. „Man kann sich nicht auf einen geschlossenen Raum verlassen oder sich verstecken, auch sieht man das Publikum ganz real, ohne von künstlichem Licht geblendet zu sein, diese Bühne verzeiht einem nichts“, sagt sie nachdenklich.

Sebastian Mirow, der vor 15 Jahren den Cyrano de Bergerac vor dem Theater spielte, stimmt seiner Kollegin zu. Auf der Marktplatzbühne spüre man den Wind im Gesicht und höre die Vögel zwitschern, auch sei der Kontakt zum Publikum viel enger. „Da kommt mal ein Zuruf von Passanten, auch jetzt schon während der Proben, es ist eine ganz große Vitalität zu spüren“, freut er sich auf die erweiterten Dimensionen. Dramaturgin Sandra Höhne spricht die Musikszenen und Gesangsbeiträge der Protagonisten an, die noch mal das besondere Flair der Freiluftaufführung unterstreichen. Für Barry Goldman ist es eine Herausforderung, in den seit Anfang Mai aufgenommenen Proben coronakonform zu agieren. „Liebesszenen mit der erforderlichen Armeslänge Entfernung erfordern eben Improvisation“, sagt lächelnd der in den USA geborene Regisseur mit viel internationaler Erfahrung, der insbesondere den Zirkus liebt, wie er verrät.

Die idyllische Küste Illyriens symbolisiert ein Streifen Wasser am Bühnenrand unter scheinbar blauem Himmel. Das Bühnenbild von Andrey von Schlippe ist in Schwarzweiß gehalten, aber sehr flexibel und variabel zu nutzen für die verschiedenen Szenen im Palast, in der Stadt oder am Strand. Nach momentanem Inzidenzstand haben 60 Besucher Platz auf der Tribüne, denen die Akteure Abende mit viel Spaß und bester Unterhaltung bei all den sinnlichen Liebesverwirrungen versprechen.

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Erstellt:
16. Juni 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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