Karlsruhe: Mitmachausstellung „Räuber Hotzenplotz“

Karlsruhe (dk) – Verschwinden wie der Zauberer Petrosilius Zwackelmann, an Großmutters Kaffeemühle drehen und die Fee Amaryllis retten dürfen Kinder in der Mitmachausstellung „Räuber Hotzenplotz“.

Wenn man an Großmutters Kaffeemühle dreht, erklingt ein bekanntes Kinderlied. Foto Daniela Körner

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Wenn man an Großmutters Kaffeemühle dreht, erklingt ein bekanntes Kinderlied. Foto Daniela Körner

Als ein „Kasperltheater zwischen zwei Buchdeckeln“ bezeichnete Otfried Preußler seinen „Räuber Hotzenplotz“. Für den ersten Band, der im Jahr 1962 erschienen ist, benötigte er gerade einmal drei Monate. Im Karlsruher Schloss hat die Geschichte eine Dimension hinzugewonnen: Kinder und Erwachsene können in sie „hineinspazieren“, erklärt Bärbel Dorweiler vom Thienemann-Verlag. Aufgebaut wie eine überdimensionierte Puppentheater-Bühne, lädt der 500 Quadratmeter große Ausstellungsraum im Badischen Landesmuseum zum Eintreten ein.

Wie gemalt sieht diese Küche aus, die zum Spielen einlädt. Die Wände sind tapeziert mit Buchillustrationen. Foto: Daniela Körner

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Wie gemalt sieht diese Küche aus, die zum Spielen einlädt. Die Wände sind tapeziert mit Buchillustrationen. Foto: Daniela Körner

Im Eingangsbereich dürften die Eltern kurz verharren: Dort sind unter anderem die alten „Hotzenplotz“-Ausgaben zu sehen, die sie an ihre eigenen Leseerlebnisse in ihrer Kindheit erinnern – und Zitate aus Briefen von Kindern: „Mich würde es noch interessieren, wie so ein Buch entsteht“, hat ein Kind in den 70er Jahren an Hotzenplotz-Schöpfer Preußler geschrieben. Ein anderes bat um eine Fortsetzung, weil es einfach so lustig zugeht beim Hotzenplotz. Eine Fortsetzung hatte Preußler nicht geplant – mit dem posthum veröffentlichten Bändchen über die Mondrakete sind es schließlich sogar vier geworden.

Otfried Preußler beantwortete viele Hundert Briefe, noch in den 80er Jahren forderte der Thienemann-Verlag die jungen Leser auf, dem Autor zu schreiben. „Inzwischen hat sich die Kommunikation verlagert“, erklärt Dorweiler, die nach eigener Aussage selbst zu den ersten Generationen gehört, die mit Räuber Hotzenplotz aufgewachsen sind. „Wir sind jetzt eher in den sozialen Medien vertreten.“

„Hotzenplotz ist Vorlesestoff geworden“

Die Geschichten um den dicken Mann mit dem breitkrempigen Schlapphut und den sieben Messern im Gürtel sind laut Dorweiler heute ein beliebter Vorlesestoff – weil Eltern etwas an ihre Kinder weitergeben, das ihre eigene Kindheit ein stückweit geprägt hat. Ein Diktiergerät mit besprochenen Kassetten des Schriftstellers, der in diesen Tagen 97 Jahre alt geworden wäre, lässt ahnen, wie er gearbeitet hat. Ein Original-Typoskript, aber auch Texte, die den Schöpfer des Kleinen Wassermanns, der Kleinen Hexe und Krabats zu Wort kommen lassen, lassen andächtig innehalten. Die Kinder allerdings werden drängeln: Die Kasperle-Theater-Bühne lockt, denn die Schau ist keine Vitrinen-Ausstellung, sondern erfordert Interaktion. Es ist, als beträte man durch den roten Theatervorhang direkt ein Buch. Da liegt die Großmutter – ohnmächtig, nachdem der Räuber Hotzenplotz ihr die Kaffeemühle geraubt hat. Das Geschenk von Kasperl und Seppel, ihren beiden Enkeln, kann doch so schön Musik machen. Die Illustration der ohnmächtigen Großmutter ist vielen Kindern aus den neueren Ausgaben bekannt: Mathias Weber hat die bekannten Schwarzweiß-Zeichnungen von Franz Josef Tripp koloriert – zu Hotzenplotz’ 50. Geburtstag im Jahr 2012. Genau diese Illustrationen finden sich überall in der Ausstellung. Zwar ist die Schau wirklich dreidimensional – aber sie wirkt stellenweise dennoch wie gemalt. Großmutters Küche etwa ist ganz in Rosa und Lindgrün gehalten: Dort sind die jungen Besucher eingeladen, den Kaffeetisch zu decken. Der Pflaumenkuchen steht bereits auf dem Tisch, nebst nostalgischem Kaffee-Geschirr aus Emaille und Blechtöpfen auf dem altertümlichen Holzofen. Tapeziert ist die heimelige Küche mit den Illustrationen aus den ersten Ausgaben.

Gefragt: Was ist Kindern wichtig?

Oh weh – Großmutters Kaffeemühle ist weg: Nur noch als Schatten ist sie in Großmutters Vitrine zu sehen. Daneben aber stehen einige Lieblingsstücke von Karlsruher Kindern, die diese für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben: unter anderem ein nachgebildeter Dino-Kopf, ein Schatzkästchen, eine Ninjago-Karte. „Ein Gegenstand war dem Jungen so wichtig, dass er ihn doch nicht für sechs Monate hergeben wollte“, erzählt Katrin Lorbeer vom Badischen Landesmuseum. „Es war ein Dinosaurier. Dafür hat er uns dann den Dino-Kopf überlassen“, verrät sie im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt.

Nach jeder Aufgabe gibt es einen Stempel. Foto: Daniela Körner

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Nach jeder Aufgabe gibt es einen Stempel. Foto: Daniela Körner

„Es ist unglaublich, wie viel die Kinder kennen“, staunt Stephanie Heck, Volontärin im Landesmuseum. „Sie wissen genau, was passiert.“ Die Kinder kennen die Geschichten vom Vorlesen, aber sicher auch aus den Verfilmungen mit den Hauptdarstellern Gert Fröbe (1974) und Armin Rohde (2006). Rohdes Stimme ist übrigens im Schloss des Zauberers Petrosilius Zwackelmann zu hören – als Vorleser des Hörbuchs. Die Kinder dürfen es sich neben einem Grammofon gemütlich machen und der Geschichte lauschen. Angst brauchen sie dabei nicht zu haben, dem bösen Zauberer Zwackelmann über den Weg zu laufen: Der ist nämlich Richtung Buxtehude verschwunden. Zwischendurch wird das Bild des fliegenden Zauberers auf die Wand projiziert.

Spannend dürfte der Zauberspiegel sein, mit dem die jungen Besucher ausprobieren können, selbst einmal von der Bildfläche zu verschwinden.

Aber nicht nur Kinder staunen: Selbst die erwachsenen Besucher geraten in Entzücken, wenn sie sich mit einer Laterne auf den Weg machen, um das Feenkraut zu suchen. Denn dieses ist notwendig, um die jämmerlich heulende Kröte (das hört sich wirklich schaurig an) im dunklen Keller des Zauberers mit den Aufschriften „Eintritt streng verboten“ und „Eintritt strengstens verboten“ in die Fee Amaryllis zurückzuverwandeln. Wem das gelingt, der sieht die Fee wirklich.

Manchmal braucht es etwas Mut

Manchmal brauchen die Kinder, besonders die jüngeren, etwas Mut, um weiterzugehen und der Sandspur, die Kasper und Seppel gelegt haben, zu folgen. In der Räuberhöhle ist es ganz schön finster. Vermutlich sind sie aber mindestens genauso mutig wie Kaspar und Seppel – auch wenn auf der Räuberjagd ganz und gar nicht alles glatt läuft: Kasper zum Beispiel fällt in die Räubergrube: Den Prozess des Fallens visualisiert eine Trommel, an der die Jungen und Mädchen drehen können. Sie funktioniert ähnlich wie ein Daumenkino.

Bei der Ausstellung wird viel mit optischen Täuschungen gespielt – so erscheint abwechselnd der Kopf des Räubers oder der Gimpel, in den Hotzenplotz verwandelt wurde, in einem Vogelkäfig. Überall gibt es überraschende Details – die auch die Erwachsenen staunen lassen. Diese werden übrigens auch im Begleitprogramm angesprochen – etwa in dem Vortrag „Wie der Räuber Hotzenplotz zu seinem grünen Hemd kam“ mit dem Illustrator Mathias Weber. Angeboten werden zudem Vorlesenachmittage, Zauber-, Schreib- und Kreativworkshops für verschiedene Altersgruppen.

Das Kindermuseum Junges Schloss im Landesmuseum Württemberg entwickelte die Schau, die in Kooperation mit dem Thienemann-Esslinger Verlag entstand. Für das Badische Landesmuseum in Karlsruhe wurden die Räume neu konzipiert. Auch auf die derzeitige Corona-Situation sind die Mitarbeiter des Schlosses eingestellt: Die Museumsbesucher sollten sich vorab online anmelden und bekommen jeweils 90 Minuten Zeit, um die Schau zu durchwandern. Die Besucher werden dabei nicht allein gelassen: Scouts geben, wo es nötig ist, Hilfestellungen oder beantworten Fragen.

Zu sehen ist die Mitmachausstellung „Räuber Hotzenplotz“ bis zum 25. April 2021. Eröffnet wird sie am Samstag mit einem Familientag von 13 bis 18 Uhr.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen 10 bis 18 Uhr.

Eintritt: Erwachsene acht Euro, ermäßigt sechs Euro, Kinder vier Euro.

www.landesmuseum.de

Ihr Autor

Daniela Körner

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Erstellt:
24. Oktober 2020, 09:08 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 24sec

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