Ottersweier baut Trinkwasserversorgung aus

Ottersweier (jo) – Der Gemeinderat Ottersweier hat in seiner jüngsten Sitzung dem Ausbau der Trinkwasserversorgung im Verbund mit den Nachbargemeinden zugestimmt. Der Beschluss fiel einhellig.

Hier wird das im Hägenich zwischen Bühl und Ottersweier geförderte Trinkwasser aufbereitet: Rohre der Entkalkungsanlage im Pumpwerk Landmatt. Foto: Joachim Eiermann

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Hier wird das im Hägenich zwischen Bühl und Ottersweier geförderte Trinkwasser aufbereitet: Rohre der Entkalkungsanlage im Pumpwerk Landmatt. Foto: Joachim Eiermann

Die gemeinsame Trinkwasserversorgung von Bühl, Bühlertal und Ottersweier ist nicht gegen mögliche Ausfälle gefeit. Nachdem der Bühler Gemeinderat bereits vergangene Woche grünes Licht gab, um in eine leistungsfähigere Infrastruktur zu investieren, öffneten am Montagabend auch die Ratskollegen aus Ottersweier den Geldhahn für eine nachhaltigere Vorsorge in puncto Wasserqualität und Förderkapazitäten.

Die Rede ist von einer Investition des Zweckverbandes Wasserversorgung Bühl und Umgebung in der Größenordnung von sieben Millionen Euro. Bereits für 2023 peilt Rüdiger Höche, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Bühl, eine Verbundlösung mit dem Zweckverband „Alter Brunnen“ an (der Wasserversorgung von Rheinmünster und Lichtenau). Damit ließe sich bei einer etwaigen Havarie eines Wasserwerks die Versorgung in vollem Umfang gegenseitig absichern. Er warnte am konkreten Beispiel: Ein Störfall im Wasserwerk Balzhofen könnte derzeit noch durch eigene Kraft aufgefangen werden, doch ein Ausfall des größten Bühler Pumpwerks Landmatt im Hägenich „ist durch keine Redundanz zu ersetzen“.

Intensive Gespräche in den nächsten Wochen angekündigt

Die Sicherungskomponenten seien: der Bau einer Verbindungsleitung zwischen den Wasserwerken Balzhofen und „Am Alten Brunnen“ sowie ein zusätzlicher Tiefbrunnen mit einer jährlichen Förderkapazität von fast 800.000 Kubikmetern auf halber Strecke. Die Vorsitzenden beider Zweckverbände befürworteten das Projekt, berichtete Höche und kündigte nach Vorliegen positiver Ratsbeschlüsse „intensive Gespräche in den nächsten Wochen“ an.

Als Leitfaden für die technische Umsetzung dient ein 150 Seiten dickes Strukturgutachten, erstellt von der Schwarzwaldwasser GmbH aus Bühl. Landesweit werden derzeit Strukturuntersuchungen angestellt, erläuterte Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Sollte es zur Zusammenarbeit beider Zweckverbände kommen (die alle fünf Kommunen im Süden des Landkreises abdecken würde), werde dies wahrscheinlich „nicht das Ende der Fahnenstange“ sein, blickte das Ortsoberhaupt weit voraus. Für ihn sind größere Verbünde mit weiteren Partnern im Norden oder südlich der Kreisgrenze denkbar. Die Ratsmitglieder aller vier Fraktionen, die sich im Oktober erstmals mit dem Strukturgutachten befasst hatten, trugen die Planungen ohne Vorbehalte mit und ermächtigten den Bürgermeister in seiner Funktion als Verbandsvertreter Verhandlungen zu führen.

„Wasser ist mit das höchste Gut, das eine Gemeinde an die Bevölkerung weitergibt“, sagte Linus Maier (CDU) und unterstrich: Hier werde „in die Zukunftsfähigkeit für die nächsten 30 Jahre“ investiert. Dieter Kohler begründete die Zustimmung der FWG auch mit der erforderlichen Sicherung der Grundwasserpegel. Diese sind nach extrem trockenen Sommern und durch den steigenden Wasserbedarf besorgniserregend gefallen. Kohler betonte außerdem, wie froh er sei, dass das Allgemeingut Wasser in kommunaler Hand sei und nicht etwa in der von profitorientierten Konzernen der freien Wirtschaft. Anreize zur Wassereinsparung zu schaffen und zusätzlich auf Speichersysteme wie Zisternen zu setzen, war ein Anliegen von Nico Paulus (Grüne).

Wohl keine Zukunft für Hard und Eckgraben

„Die Versorgung mit Trinkwasser von guter Qualität muss uns das Geld wert sein“, unterstrich Herta Finkbeiner-Schilling (SPD). Die Investition soll über die Gebühren finanziert werden. Rüdiger Höche, der gemeinsam mit dem kaufmännischen Stadtwerke-Geschäftsführer Reiner Liebich an der Sitzung teilnahm, geht von einer Anhebung des Wasserzinses für die Haushalte um 22 bis 25 Cent pro Kubikmeter aus. Dies entspräche etwa der Verteuerung nach der Einführung der Kalkfiltration.

Keine Zukunft werden die Hochbehälter Hard und Eckgraben haben, die Ottersweier vor elf Jahren als „Mitgift“ einbrachte, als man die eigene Versorgung aufgab und sich dem Bühler Zweckverband anschloss. Die alten Wasserspeicher, mit erheblichen Mängeln behaftet, entsprechen der Darstellung Höches zufolge nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Der Gutachter gab zu überlegen, beide Behälter mittelfristig durch einen Neubau an anderer Stelle zu ersetzen. Der Bürgermeister geht indes davon aus, dass der Standort Hard künftig ganz aufgegeben werde.

Kein PFC in Ottersweier

Glückliche Kommune: Auf Gemarkung Ottersweier wurde bislang keine PFC-Belastung des Grundwassers festgestellt. Im Zusammenhang mit der Vorstellung des Strukturgutachtens zur Wasserversorgung berichtete Bürgermeister Jürgen Pfetzer, dass die Gemeinde jährlich ihre Löschwasserbrunnen untersuchen lasse: vier in Unzhurst, einer in Breithurst. Des Weiteren würden auch den Brunnen der Sportplätze in Ottersweier und Unzhurst Proben entnommen. Ergebnis: Bislang seien keine Spuren von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) festgestellt worden. Auch das aus dem Leitungsnetz der Gemeindewerke getestete Trinkwasser sei inzwischen unbelastet: „Unser Wasser entspricht allen Vorgaben der Trinkwasserverordnung“, so Bürgermeister Pfetzer. Dem war nicht immer so. In früheren Jahren musste wegen erhöhter Nitratwerte von einer Verwendung zur Zubereitung von Babynahrung abgeraten werden. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse des eigenen Leitungsnetzes sowie der Stadtwerke Bühl veröffentlicht die Gemeinde auf ihrer Homepage.

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Erstellt:
10. Februar 2021, 14:00 Uhr
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