Rustikaler Zuwachs im Schloss Neuweier

Baden-Baden (fvo) – Kulinarischer Zuwachs für Schloss Neuweier: Neben dem bisherigen Restaurant, das am Samstag unter neuem Namen „Goldenes Loch“ öffnet, gibt es künftig noch eine rustikale Schänke.

In diesen Gebäudetrakt kommt künftig ein zweites Restaurant und ein Regionalmarkt.  Foto: Franz Vollmer

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In diesen Gebäudetrakt kommt künftig ein zweites Restaurant und ein Regionalmarkt. Foto: Franz Vollmer

Selbst die Wespen sind höchst interessiert, was sich denn so getan hat im Schloss Neuweier. Zumindest im Outdoorbereich wie im Wintergarten ist das derzeit unvermeidlich. Und die Öffnung nach außen hat sich das Schloss ja auf die Fahnen geschrieben: Bodenständig, ohne die gediegene Note zu vergessen – ein Spagat wie er auch im „Goldenen Loch“ enthalten ist, dem neuen Namen des bisherigen Restaurantbereichs.

„Grundidee war, wie wir Schloss und Rebland aufleben lassen können“, erklärt der neue Betriebsleiter des Restaurant-, Hotel- und Eventbereichs, Joachim Altvater (Foto) mit Blick auf das Gastronomie-Sterben in der Region. Seit dem Wochenende sind bereits erste Gäste da. Der offizielle Startschuss fällt diesen Samstag. „Das ist für uns quasi ein Testlauf“, erklärt der 39-jährige Heilbronner. Herausgekommen ist ein kulinarisches wie eventtechnisches Breitbandspektrum mit dem Ziel, das Schloss als Kulturgut erlebbar zu machen und im Kontrast zum mondänen Baden-Baden mit Natur und Einfachheit zu punkten. „Wir wollen eine 360-Grad-Erlebniswelt“, umreißt Altvater den ganzheitlichen Ansatz, der nebst gehobener Kulinarik eine ganze Latte an interaktiven Workshops umfasst: Pädagogischer Weinlehrpfad, Brennereikurs, Kräuterwanderung oder Kochkurs. Auch historische Schlossführungen sind angedacht, um zur identifikationsstiftenden Adresse für Tagestouristen wie Ortsansässige zu werden. „Wir wollen kein isolierter Leuchtturm sein oder wie ein Fremdkörper hier in der Landschaft rumstehen, sondern mit dem Ort und der Region verbunden sein“, gibt auch Inhaber Robert Schätzle zu verstehen. Um diesen Akzent zu unterstreichen, gibt am Samstag, 29. August, der Musikverein Neuweier gleich ein Auftaktkonzert.

Regionalmarkt geplant

Die größte bauliche Veränderung betrifft das einstige Stallungsgebäude rechterhand des Eingangs, das bis dato als Lagerraum für Gerätschaften der Vinothek diente. Hier soll in Bälde ein zweites Restaurant entstehen, eine Hofschänke (45 Plätze) namens „Winzerhof“ mit rustikaler Vespernote. „Wir hoffen, im Spätjahr zu öffnen“, sagt Altvater. Hinzu kommt ein Großraum für Veranstaltungen bis 120 Gäste sowie Außenbestuhlung im künftig autofreien Innenhof, sodass sich hier auch der verschwitzte, einkehrbedürftige Radfahrer oder Wanderer stärken kann.

Geplant ist zudem ein Regionalmarkt, in dem sich Anbieter aus der näheren Gegend präsentieren können – von Brot bis Forelle. Der Parkplatz linkerhand des Eingangs wird erweitert. Auch auf der festplatztauglichen Grünfläche östlich des Schlosses gibt es künftig Parkmöglichkeiten. Ein E-Bike-Verleih und eine Ladestation sind im Aufbau.

Als weitere Neuerung sind künftig Hochzeiten oder Taufen in der schlosseigenen gesegneten Kapelle möglich, wo mutmaßlich die Gebeine des letzten Katzenellenbogen-Vertreters liegen. Sie war bisher Privatraum. Wobei die fünf Bänkchen allenfalls Platz für den engsten Familienkreis hergeben. Im Hotelbereich sind weitere fünf Suiten im Schloss geplant.

Frühstück im Burggraben

Kulinarisch wird derweil weiter die große Klammer bedient. „Wir haben zwar keine Sterneküche, aber wollen die Location sehr hochwertig bespielen“, so Altvater, der corona-bedingt aktuell im Schloss nur 70 von 110 Sitzplätzen anbieten kann. Hochwertige Produkte von regionalen Anbietern kreativ verarbeitet lautet die Losung. Die Karte selbst ist betont klein gehalten und wechselt regelmäßig. Nebst Exklusiv-Essig Marke Eigenkreation finden sich auch Spielereien wie Trestermayonnaise wieder, dazu sollen die hauseigenen Weine ihren Auftritt haben, nicht nur in den Saucen. Ansonsten stand nebst der Instandsetzung der Küchentechnik vor allem Auffrischung auf dem Programm. Neuer Anstrich, neue Tischdecken, neues Gedeck – und die Realisierung neuer Angebote. Im Burggraben kann man künftig mit Picknickkorb ausgestattet das Frühstück einnehmen – bei Teich- und Schilfrohridylle. Auch Weinwanderung und Ausflug zur Rebhütte mit rustikalem Vesper sind Option.

„Das läuft jetzt alles an. Wir müssen sehen, wie das angenommen wird“, so der Küchenmeister, und fügt an: „Natürlich ist es ein Wagnis, aber die Leute wollen in der Region bleiben“. Altvater war nach Stationen auf der Bühlerhöhe und beim Roomers (als Küchendirektor) zuletzt zwei Jahre im „The Grill“ (Casino) Betriebsleiter. „Es war schon geplant, länger zu bleiben. Aber wenn man so eine Möglichkeit bekommt“, betont er. Ein Teil der Belegschaft wurde von Vorgänger Armin Röttele übernommen, das Team wird allerdings erweitert. Altvater rechnet perspektivisch mit rund 50 Kräften. Öffnungszeiten des „Goldenen Lochs“ (der Name bezieht sich auf die gleichnamige Rieslingsorte, dem edelsten Stück im eigenen Weinsortiment) sind Montag und Donnerstag bis Samstag (ab 17.30 Uhr) und Sonntag von 11.30 bis 16 Uhr. Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage.

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Erstellt:
10. August 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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