Spuhler bleibt Intendant in Karlsruhe

Karlsruhe (sr) – Die Personalräte sind frustriert, der Intendant reumütig, die Verwaltungsräte haben Mühe, ihre Entscheidung zu erklären. Dass Spuhler am Staatstheater weitermacht, ist umstritten.

Mitarbeiterprotest: Rund 300 Angestellte des Badischen Staatstheaters demonstrierten am Freitag für einen Neuanfang in dem renommierten Haus. Uli Deck/dpa

© dpa

Mitarbeiterprotest: Rund 300 Angestellte des Badischen Staatstheaters demonstrierten am Freitag für einen Neuanfang in dem renommierten Haus. Uli Deck/dpa

Peter Spuhler ist „die beste Lösung für das Haus“. Das ist die Botschaft der Verwaltungsräte des Badischen Staatstheaters an dessen Mitarbeiter. Eigentlich wollten sie sich in der gestrigen Sitzung der Sanierung des Theatergebäudes widmen, in den letzten Wochen aber türmte sich eine Protestwelle gegen den Führungsstil des Intendanten auf. Nun gab es zwei Wirklichkeiten: Draußen vor der Nancyhalle rund 300 Theatermitarbeiter, die für eine Ablösung des Intendanten demonstrieren. Drinnen ein Verwaltungsrat, der sich einmütig zu Peter Spuhler bekennt und bereit ist, ein umfangreiches Maßnahmenpaket aufzulegen, damit sich die insgesamt 850 Mitarbeiter am Staatstheater doch noch mit dem Intendanten bis zum Ende seines Vertrags 2026 arrangieren.

Kein Antrag auf Vertragsauflösung

Das ist ein überraschendes Ergebnis, das in der Pressekonferenz am Freitag – sie musste mehrfach verschoben werden, weil der Verwaltungsrat offensichtlich mehr Gesprächsbedarf hatte – nicht überzeugend erklärt werden konnte. Die beiden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) und der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) betonten, dass es aus dem Verwaltungsrat keine Aufforderung zur Vertragsauflösung gegeben habe.

Die zuletzt öffentlich erhobenen Vorwürfe des Personalrats, die offenbar seit Jahren schwelen und Spuhlers angeblich rüden Umgang mit Mitarbeitern betreffen, seien weder ans Ministerium noch an die Stadt herangetragen worden, jedenfalls nicht mehr in der jüngsten Vergangenheit, nachdem es aber 2015 bereits ein Mediationsverfahren gegeben hatte und 2018 Vereinbarungen zum pfleglichen Miteinander unterschrieben worden waren.

Mehr Verantwortung für Spartenleiter

Dagegen habe er, so Mentrup, aus dem Kreis der leitenden Mitarbeiter rund um den Intendanten jetzt viel Anerkennendes über Peter Spuhler und seine „visionäre Kraft“ gehört. Den Spartendirektoren – Oper, Orchester, Chor, Schauspiel und Ballett – soll jetzt mehr Eigenständigkeit zugestanden werden, während Spuhler eher „beratend, anstoßend, nicht mehr im Detail“ arbeiten könne, so Mentrup.

Die Zusammenarbeit des Intendanten – dem Kontrollzwang und cholerische Ausfälle nachgesagt werden – mit seiner Belegschaft will der Verwaltungsrat in Zukunft eng begleiten: Ein Vertrauensanwalt wird ins Boot geholt, regelmäßige Mitarbeiterbefragungen werden eingeführt, jährliche Gespräche angesetzt. An weiteren Vertrauenspositionen wird noch gefeilt.

Peter Spuhler, der vom Verwaltungsrat gehört wurde, aber nicht bei der Pressekonferenz war, will sich offenbar einen persönlichen Coach nehmen, den er auch selbst bezahle, so Mentrup. Ministerin Bauer sieht darin eine Bereitschaft zur Veränderung, die man respektieren solle.

Personalrat: Neuausrichtung verpasst

Der Personalrat und die Vorstände von Chor und Orchester reagierten frustriert. „Es überwiegt die massive Enttäuschung über die politischen Entscheidungsträger.“ Die größtenteils langfristig angelegten Maßnahmen genügten nicht. „Ein klares Signal für eine umgehende Neuausrichtung der Führungskultur wurde heute verpasst“, meinte Raimund Schmitz, Sprecher des Orchestervorstands.

Peter Spuhler äußerte sich in gedämpfter Tonlage: „Ich bedanke mich zuallererst für das einstimmige Vertrauen des Verwaltungsrats. Ich anerkenne den Bedarf, zeitnah und nachhaltig die Maßnahmen und Veränderungen anzugehen. Das Vertrauen innerhalb des Hauses wiederherzustellen hat oberste Priorität. Ich nehme diesen Auftrag an und werde dafür offen, respektvoll und in Demut auf alle Kollegen und Kolleginnen, allen voran den Personalrat, zugehen, auf dass wir verantwortungsvoll gemeinsam in einen Prozess für die Zukunft eintreten.“

Hier finden Sie weitere BT-Berichterstattung zum Thema:

Krise am Staatstheater Karlsruhe: Wer wusste wann Bescheid?

Staatstheater: Führungskrise weitet sich aus

Staatstheater-Intendant entschuldigt sich

Zum Artikel

Erstellt:
18. Juli 2020, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.