0.07 Uhr: Keine Zeit, um länger zu warten

Baden-Baden (naf) – „Keine Zeit zu sterben“ heißt der neue 007-Film, auf den echte Bond-Fans keine Minute mehr länger warten wollten. Das BT hat sie bei der Nachtvorstellung in Baden-Baden begleitet.

Trotz Uni und Homeoffice am Morgen lassen Tobias (vorne links) und seine Freunde sich die Vorstellung nicht entgehen. Foto: Nadine Fissl

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Trotz Uni und Homeoffice am Morgen lassen Tobias (vorne links) und seine Freunde sich die Vorstellung nicht entgehen. Foto: Nadine Fissl

Sonja Wunsch hat keine Ahnung, was sie am Mittwochabend erwartet. Sie sei fast schon bereit fürs Bett gewesen, erzählt die Seniorin um 23.40 Uhr. Statt Nachthemd trägt Wunsch nun aber Maske – und ein breites Lächeln darunter. Die Überraschung ihres Mannes ist ein voller Erfolg. Erst auf dem Parkplatz des Cineplex Baden-Baden weiht Dieter Wunsch seine Frau ein: Heute Nacht sehen sie auf der Leinwand Bond. James Bond.
Draußen ist es schon lange dunkel, als sich das Foyer des großen, gläsernen Gebäudes langsam füllt. Mit seiner hellen Beleuchtung strahlt das Cineplex in den Nachthimmel über der Kurstadt. Alle, die vorbeifahren, können sehen: Hier ist was los. Und zwar ungewöhnlich viel für eine Nacht unter der Woche, wie Kinobetreiber Mirko Heck betont. Rund 70 Menschen verteilen sich an diesem Abend auf zwei Kinosäle. Sie alle sind da, um Daniel Craig bei seiner letzten Mission für die Regierung Ihrer Majestät zu sehen. „Lange erwartet, lange ersehnt“, weiß Heck. Der ursprünglich geplante Erscheinungstermin lag im November 2019. Ein Verschieben auf April 2020 und eine Corona-Krise später ist es nun endlich so weit.

Wichtig für gesamte Filmbranche

Auch Heck will keine Minute mehr länger warten, darum zeigt er den Film zum frühestmöglichen Zeitpunkt. „Die Lizenz schaltet sich ab Donnerstag frei“, genauer gesagt um Punkt 0.07 Uhr.

„Das hat uns überzeugt“, sagt Tobias, der mit seinen vier Freunden in der Schlange steht. Die Startuhrzeit sei „kitschig, aber eben auch cool“, gesteht er lachend. Da sei man auch bereit, auf etwas Schlaf zu verzichten, selbst wenn Homeoffice und Uni am nächsten Morgen warten. „Wobei ich erst jetzt erfahren habe, wie lange er dauert“, wirft einer seiner Freunde ein. An den 163 Minuten voller Action, Spannung und Emotion kommt er jetzt aber nicht mehr vorbei.

Die Gruppe zeigt Heck ihre vorab gekauften Tickets sowie Impf- und Testnachweise. Durch Markierungen auf dem Boden und Absperrungen werden sie auf einer Einbahnstraße vorbei an der Essenstheke Richtung Kino Nummer vier geleitet. Überall sind QR-Codes angebracht, mit denen sie ihre Kontaktdaten eintragen können.

Im Saal wird später zwischen den verschiedenen Buchungen immer ein Platz frei bleiben. Das müsste Heck nicht machen, rechtlich kann er den Saal voll besetzen. „Ich möchte den Leuten zeigen, dass das Kino sicher ist“, erklärt er. Eine Schließung will er nicht nochmal erleben. „Wir können die Verluste vom letzten Mal nicht aufholen.“ Umso wichtiger ist der neue 007-Film, nicht nur für Heck, sondern für die gesamte Filmbranche.

Um Punkt 0.07 Uhr wurde die Lizenz des Films im Baden-Badener Cineplex freigeschaltet. Foto: Nadine Fissl

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Um Punkt 0.07 Uhr wurde die Lizenz des Films im Baden-Badener Cineplex freigeschaltet. Foto: Nadine Fissl

Ausnahmen gibt es bei der Kontrolle des 3-G-Nachweises keine. Damit endet der Besuch von zwei jungen Männern, bevor er beginnt. Einer von ihnen habe seinen Nachweis vergessen, versucht, sich zu erklären. „Wir sind da konsequent“, sagt Heck.

Die restlichen Kontrollen verlaufen ohne besondere Vorkommnisse. Das Publikum ist recht jung, die meisten sind Männer. Sie kommen zu zweit, in Gruppen oder alleine. Was sie vom Film erwarten? „Spaß!“, sagt ein Mann mit grauer Jacke sofort. „James Bond ist Spaß.“ Er und seine Frau hätten darauf jetzt so lange gewartet, dass eine andere Vorstellung nicht infrage kommt. 007 ist das wert, „ansonsten würden wir jetzt zuhause schlafen“, sagt er schmunzelnd. Auch für Tobias wird das kein normaler Actionfilm. „Das ist die Königsklasse“, sagt er. „Die Schauspieler sind stark und die Qualität der Aufnahmen hoch.“ Seine Begeisterung ist deutlich, die Vorfreude steigt – und das nicht nur bei ihm.

„Ein krönender Abschluss“


„Ich bin Fan seit dem ersten Film“, sagt Sonja Wunsch. Dass ihr Mann sie heute mit dem Kinobesuch überrascht, damit hätte sie nie gerechnet. Daniel Craig ist zwar nicht Sean Connery – Wunschs liebster Bond-Darsteller – passe jedoch auch sehr gut in die Rolle des charmanten Agenten, sagt sie auf dem Weg zum Saal. Mittlerweile ist es 0.07 Uhr, die Letzten schnappen sich noch Getränk und Snacks und setzen sich auf ihre Plätze. Während die Werbung anläuft, bereitet Heck im Hintergrund alles vor. Das System brauche meistens ein paar Minuten, danach kann es losgehen. Sobald der letzte Spot erscheint, sucht er sich einen freien Platz. James Bond lasse auch er sich nicht entgehen. Schließlich gibt es Filme, „die müssen unbedingt im Kino gesehen werden, das ist einer davon“. Um 0.23 Uhr setzt die bekannte Melodie ein und die zweieinhalb Stunden, auf die alle fast zwei Jahre lang gewartet haben, beginnen.

Um 3.06 ist es dann vorbei, der Abspann läuft, das Licht geht an. „Für mich war’s toll“, schwärmt Sonja Wunsch begeistert. „Ein spektakuläres Ende“, ja gar ein „krönender Abschluss“ ergänzt ihr Mann. Ein weiterer Fan verlässt das Kino heute „total konfus“, sagt er. Den Film müsse man erstmal sacken lassen – vor allem zu dieser Uhrzeit.

„Es war ein anderer Bond“, sagt auch Heck, während es schnell leer wird im Haus. Er werde ihn sich auf jeden Fall noch einmal anschauen. Gelegenheit dazu gibt es jedenfalls genug. Mit Filmstart zu fast jeder vollen Stunde wird es in der kommenden Woche insgesamt rund 80 Vorstellungen geben.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nadine Fissl

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Erstellt:
30. September 2021, 18:42 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

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