„100 Jahre Mozartfest“ startet am Freitag

Würzburg (veit) – Das Mozartfest in Würzburg feiert in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen. Eine glanzvolle Kunstausstellung soll das Jubiläumsprogramm begleiten.

Blick in die Ausstellung „Imagine Mozart“ mit Bühnenbildentwürfen und Modellen. Foto: Dita Vollmond/Mozartfest

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Blick in die Ausstellung „Imagine Mozart“ mit Bühnenbildentwürfen und Modellen. Foto: Dita Vollmond/Mozartfest

Vor 100 Jahren fand in Würzburg eine Musik- und Theaterwoche statt. Ihr Höhepunkt war Wolfgang Amadé Mozarts Komposition „Exultate, jubilate“, von einem Orchester im prunkvollen Kaisersaal der Residenz dargeboten. Dieses Ereignis gilt rückblickend als Geburtsstunde des Mozartfests, das mit einer Unterbrechung von 1945 bis 1950 alljährlich mit zahlreichen musikalischen Aufführungen in den Sälen der Residenz und an vielen weiteren Aufführungsorten gefeiert wird.

Bildkunst bereichert Tonkunst

Zum 100. Jubiläum bereichert die Bildkunst die Tonkunst. Das Museum im Kulturspeicher stellt nämlich unter dem Titel „Imagine Mozart / Mozart Bilder“ rund 70 Kunstwerke der letzten 250 Jahre aus. Kuratorin Andrea Gottdang erklärt: „Kein anderer Komponist übte eine vergleichbare, anhaltende Wirkung auf die bildende Kunst aus.“

Den Auftakt der am Freitag startenden, gelungenen Schau bilden Kompositionsskizzen zur Ouvertüre der „Zauberflöte“ und zur „Amen“-Fuge des „Requiems“, die Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791) in seiner letzten Lebenszeit ausführte. Über das „Amadé“ stolpert man zunächst, denn üblicherweise wird er ja „Amadeus“ genannt. Da er seine Briefe und Musikmanuskripte mit „Wolfgang Amadé Mozart“ signierte und nur im Totenprotokoll der Name „Amadeus“ auftritt, halten sich Ausstellung und Katalog an die vom Meister bevorzugte Namensform.

Zahlreiche Mozart-Porträts

Zahllose Künstler haben Mozart „porträtiert“, ohne ihn je gesehen zu haben. Ein authentisches Bild seines Aussehens vermittelt uns in der Schau jedoch das auf 1789 datierte Porträt, das Joseph Lange von Wolfgang Amadé Mozart malte. Der in Würzburg geborene Lange war Mozarts Schwager. Das Brustbildnis im Dreiviertelprofil zeigt ihn mit geneigtem Haupt in einem Moment der Konzentration. Zu einem unbekannten Zeitpunkt hat jemand das Brustbild aus einem Gemälde herausgeschnitten und die jetzigen weiteren, geheimnisvollerweise unbemalt gebliebenen Bildbereiche angestückt. Mozarts Witwe Constanze stellte dieses Porträt und weitere Bildnisse ihres Mannes dem Bildhauer Ludwig Schwanthaler als Studienmaterial zur Verfügung. Ausgestellt ist Schwanthalers Entwurf (1840) seines 1842 enthüllten Salzburger Mozart-Denkmals. Der Bildhauer zeigt den Musiker und Komponisten als Jüngling, der mit stolz erhobenem Haupt einer Eingebung zu lauschen scheint.

Die früheste Darstellung Mozarts als musikalisches „Wunderkind“ entstand auf der 1763 mit seinem Vater Leopold und seiner älteren Schwester Maria Anna begonnenen Konzertreise. Ein von Louis Carrogis Carmontelle angefertigtes Aquarell gibt den kleinen Mozart am Klavier, den Vater an der Geige und die Schwester als Sängerin bei einem Auftritt in Paris wieder. Auf ihm basiert der in Würzburg ausgestellte Kupferstich (1764), den Leopold Mozart von Jean-Baptiste Joseph Delafosse ausführen ließ und zu Werbezwecken verbreitete.

Musikalische Kostproben per App

Ein Rührstück beschließt die Abteilung mit den Darstellungen des Musikers und Komponisten. Das von Henry Nelson O’Neil geschaffene Ölgemälde „Die letzten Stunden Mozarts“ (um 1849) zeigt ihn bei der Arbeit an seinem letzten, unvollendet gebliebenen Werk: dem „Requiem in d-Moll.“ Diese Seelenmesse vertonte er für einen anonymen Auftraggeber. Frühe Biografen behaupten, Mozart habe geglaubt, er arbeite das Requiem für seine eigene Totenfeier aus. Auf dem Gemälde hat sich der von seiner Gattin und Schwägerin gestützte Komponist aufgerichtet, um mit den das Krankenbett umstehenden Sängern die bereits vollendeten Partien der Komposition zu proben. Rechts sitzt Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr mit Stift und Notenblatt. Im Auftrag Constanzes wird er das Requiem vollenden.

Aber nicht nur die Person, sondern auch die Musik ist Bild geworden. Das zeigt die Schau am Beispiel der Oper „Don Giovanni“ (1787). Alexandre-Èvariste Fragonards Gemälde „Don Giovanni und die Statue des Komturs“ (um 1830/35) beschwört eine gespenstische Friedhofsszene herauf. Die Grabfigur des von Don Giovanni erstochenen Komturs erwacht zum Leben und hindert ihn mit steinerner Hand an der Flucht. Heitere Stimmung verbreitet hingegen Max Slevogts Gemälde „Das Champagnerlied“ (1902). Es zeigt in impressionistisch beschwingter Malweise Francesco d’Andrade in der Rolle Don Giovannis. Hier und bei vielen anderen Kunstwerken kann man das Sehvergnügen um die per App abrufbaren musikalischen Kostproben bereichern.

Entwürfe für Bühnenbilder und Kostüme

Entwürfe für Bühnenbilder und Kostüme beschließen den Rundgang. Im Blickpunkt steht nun „Die Zauberflöte“ (1791). Die duftig farbenfrohen Kostümentwürfe (1965) Oskar Kokoschkas zeigen „Papageno“, „Die Tiere“ sowie „Sarastro und die Königin der Nacht“. Eine farbige Druckgrafik von 1819, die Carl Friedrich Thiele nach Karl Friedrich Schinkels 1815 geschaffenem Bühnenbildentwurf anfertigte, stellt die Sternenhalle der Königin der Nacht dar. Die dunkelblaue Kuppel mit den in Bahnen angeordneten weißen Sternchen und der unten auf der Mondsichel stehenden Königin der Nacht ist nach Einschätzung der Kuratorin Gottdang „das vielleicht berühmteste Bild der Operngeschichte“. Die Ausstellung „Imagine Mozart“ läuft bis 11. Juli im Museum im Kulturspeicher.

Zum Thema: Eröffnungskonzert mit Videostream

Das 100. Mozartfest läuft von 28. Mai bis 27. Juni. Eröffnet wird es parallel zur Ausstellung am Freitagabend (20.05 Uhr) mit einem Konzert der Camerata Salzburg unter der Leitung von Jörg Widmann sowie Renaud Capuçon (Violine) und Gérard Caussé (Viola) im Kaisersaal der Residenz. Auf dem Programm des Eröffnungskonzerts, das auch live auf BR Klassik und im Video-Livestream übertragen wird, stehen unter anderem Mozarts Fantasie für eine Orgelwalze f-Moll KV 608 (Bearbeitung von Hermann Zilcher), Widmanns „Con brio“ sowie Mozarts „Jupiter-Sinfonie“ Nr. 41 C-Dur. Auf dem Programm des Festivals stehen auch eine Nachtmusik im Hofgarten am 18. Juni mit dem Hochschulsinfonieorchester Würzburg sowie ein Konzert des Freiburger Barockorchesters unter der Leitung des Geigers Gottfried von der Goltz am 26. Juni in der Residenz. Über die Sicherheitsauflagen für die Konzerte informiert das Mozartfest nach eigenen Angaben jeweils aktuell auf seiner Homepage, sobald die Verordnungslage dies zulässt.


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