1.000 Stimmen für die HLA Gernsbach

Gernsbach (ham) – Die Schüler und Lehrer der Handelslehranstalt Gernsbach kämpfen um den Erhalt ihrer Einrichtung. Am Freitag sammelten sie auf dem Wochenmarkt Unterstützerstimmen.

Ein Unterstützer unterschreibt auf dem Wochenmarkt die Petition zum Erhalt der gefährdeten Handelslehranstalt am Stand von Sandra Riedinger-Huck (links). Foto: Hartmut Metz

© ham

Ein Unterstützer unterschreibt auf dem Wochenmarkt die Petition zum Erhalt der gefährdeten Handelslehranstalt am Stand von Sandra Riedinger-Huck (links). Foto: Hartmut Metz

„Es ist ein Zeichen, dass die HLA in Gernsbach eine lebendige Schule ist!“, findet Hansjörg Hoffrichter auf dem Wochenmarkt, wo die Schüler und einige Helfer Unterschriften sammeln für den Erhalt der Handelslehranstalt (HLA). Nachdem im Web bereits rund 700 Stimmen zusammenkamen, schrauben die Schüler am Freitag mit ihrem Aktionsstand zwischen Obst, Gemüse und Blumen die Zahl auf über 1.000.

Mancher Altvordere der HLA passiert den Stand, an dem knallrote Buttons ausliegen, die auf den Hashtag „#Save HLA Gernsbach“ hinweisen. Sie alle unterschreiben so gerne wie manche Mutter aus dem Murgtal. „Ich unterrichtete früher dort die Industriekaufleute“, erzählt der vor sechs Jahren pensionierte stellvertretende Schulleiter Hoffrichter und freut sich, „es gibt heute immer noch ein großes Hallo, wenn mich die einstigen Schützlinge sehen. Sie fühlten sich an der HLA stets gut aufgehoben. Dieser gute Geist befördert doch das Lernen.“

Ein Satz, den die Schülerinnen aus dem Berufskolleg 2, die gerade unterrichtsfrei haben, gerne unterschreiben. Mit ihren kleinen DIN-A4-Plakaten recken sie den Passanten die Vorzüge ihrer Schule eifrig entgegen. „Die Atmosphäre an der HLA ist besonders, die netten Lehrer sind engagiert und mit den Schülerfirmen lernen wir sehr viel“, unterstreicht Amelie Schoch zusammen mit ihren Klassenkameradinnen Anastasia Blinov und Jessica Weiss die Ausführungen von Hoffrichter.

All das soll aufgegeben und nach Rastatt oder sonst wohin verlegt werden? „Von Forbach aus wäre es dann weit zu fahren“, findet Schoch und wird von der Muggensturmerin Anna-Lena Huck bestätigt, während ihre Mutter Sandra Riedinger-Huck fleißig daneben Unterschriften sammelt: „Die HLA in Gernsbach muss bleiben, weil sie Angebote wie die Wirtschaftsoberschule hat. Andere solche Schulen liegen eine Fahrstunde entfernt, nimmt man die private Schule in Karlsruhe aus, bei der man Geld zahlen muss.“ Huck fürchtet daher um ihren Abschluss an der HLA. „Ich möchte hierbleiben, denn wir haben so viele kompetente und nette Lehrer“, findet sie und hat damit wohl auch ihren Bruder Collin angesteckt, der gerne ebenso auf die weiterführende Schule im Murgtal wechseln möchte.

Das Quartett aus dem Berufskolleg 2 begeistert sich vor allem für die preisgekrönten HLA-Juniorenfirmen und Projekte mit „Chat der Welten“. Dank Bildungsreferentin Divine Umulisa, die ebenfalls drei Stunden lang emsig Unterschriften auf dem Wochenmarkt sammelt, hat die HLA zuletzt sogar in Ruanda für Aufsehen gesorgt. Der Umbau von alten Skateboards zu Bücherregalen samt Verkauf und Spende für eine Skateboard-Einrichtung in Kigali war einer dortigen Hauptstadt-Zeitung einen großen Artikel wert (das BT berichtete).

Dieter Knittel schlendert mit Gattin über den Wochenmarkt. Als noch amtierender Kreisrat hat der Altbürgermeister „natürlich unterschrieben für die strukturpolitisch wichtige Versorgung im ländlichen Raum“. Knittel ereifert sich über das Politikum im Murgtal und nimmt kein Blatt vor den durch eine Maske geschützten Mund: „Es gibt Schularten, die hätte man in Gernsbach aufbauen können – stattdessen wurden Schüler nach Rastatt umgelenkt. Das sehen die anderen Gemeinden im Murgtal genauso“, lässt der Sozialdemokrat schwindende Schülerzahlen wegen des demografischen Wandels nicht als Argument für ein Aus gelten, zumal es nun wieder damit „aufwärts geht“.

Dass die HLA in Gernsbach zu einer „Dependance von Rastatt“ degradiert wird, lehnt Knittel ebenso rundweg ab: „Das ist nur ein langsames Sterben.“ In seinem „Fokus steht deshalb der Erhalt“ der Einrichtung, um die will das einstige Stadtoberhaupt „mit vernünftigen Fakten kämpfen“. Auch finanzielle Gründe für die Konzentration auf einen Standort hält Knittel nur für eine Vernebelungstaktik hinter seiner permanent beschlagenen Brille über der Maske. „Finanziell ist die HLA für den Landkreis doch nur ein Nasenwasser!“ Weil er ebenso weiß, dass viele „Schüler und Ehemaligen begeistert sind von der HLA“, will Knittel im Kreisrat nicht klein beigeben. Die Position seiner SPD ist so klar wie die der HLA-Schüler.

Dass der Ausschuss für Schulen und Kultur das Thema von der Tagesordnung am nächsten Dienstag nahm, lässt die Beteiligten hoffen. Zudem: „Nächstes Jahr machen doch an der Gemeinschaftsschule in Gernsbach und die Ottenauer ihre ersten Abschlüsse und finden dann an der HLA weitere Möglichkeiten“, weiß Hoffrichter aus dem alten Kollegenkreis, dass sich die Schülerzahl 2021 wieder erhöhen dürfte. Er bricht noch einmal eine Lanze für seine alte HLA: „Die Juniorenfirmen, der Austausch mit anderen Ländern und all die Preise bei Wettbewerben: Das ist doch einzigartig und muss eine andere Schule erst einmal hinkriegen!“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.