1.300 Schüler wollen Lernlücken schließen

Rastatt (for) – Das Staatliche Schulamt Rastatt will jedem Kind mit Defiziten ein Lernbrücken-Angebot machen. Teilweise müssen Schüler für die Kurse aber auf Schulen in Nachbarorten aufgeteilt werden.

Auch für Schüler, die während der Förderkurse von fremden Lehrern unterrichtet werden, soll es ein möglichst passgenaues Lernpaket geben. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Auch für Schüler, die während der Förderkurse von fremden Lehrern unterrichtet werden, soll es ein möglichst passgenaues Lernpaket geben. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

„Mit Lernbrücken gegen Lernlücken“: Unter diesem Motto setzt die baden-württembergische Landesregierung ihr Förderprogramm für Schüler mit Defiziten auch 2021 fort. Das Kultusministerium stellt dafür acht Millionen Euro zur Verfügung. Die Nachhilfe-Kurse finden in den letzten beiden Wochen der Sommerferien statt, sie werden aber nicht an jeder Schule angeboten.

Wissenslücken schließen

Mithilfe der Lernbrücken sollen Schüler Wissenslücken schließen, die unter anderem wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie entstanden sind. Mehr als 1.300 Schüler aus dem Bereich des Staatlichen Schulamts Rastatt (dazu gehören der Landkreis Rastatt, der Landkreis Freudenstadt und der Stadtkreis Baden-Baden) haben sich bis gestern für die sogenannten Lernbrücken angemeldet, wie Schulamtsdirektorin Gabriele Jäger gegenüber dem BT berichtet. Eingeteilt in rund 100 Gruppen sollen die Kinder von insgesamt knapp 130 Lehrkräften betreut werden.

Alleine für die Stadt Rastatt hat das Schulamt vor einigen Wochen noch rund 210 Anmeldungen gezählt, „mittlerweile sind es aber etwas weniger geworden, einige Eltern haben ihre Kinder wieder abgemeldet“, so Jäger. Ein Grund dafür sei etwa, dass bei vielen nun doch eine Urlaubsreise anstehe. Es gebe aber durchaus auch Eltern, die nicht damit einverstanden sind, dass ihr Kind für das Nachhilfe-Programm an eine Schule im Nachbarort gefahren werden muss. Leider könne das aber nicht ganz vermieden werden, meint Jäger. „Unser oberstes Ziel ist es, allen Kindern, die eine zusätzliche Förderung benötigen, auch ein Angebot zu machen“, betont sie. Aber nicht immer sei das an der eigenen Schule möglich.

Aufteilung auf mehrere Standorte

So habe das Kultusministerium eine Gruppengröße mit maximal 16 Schülern als Richtwert festgelegt. „Die einzelnen Schulen haben im Vorfeld Schüler mit Lerndefiziten herausgesucht und sind daraufhin auf die jeweiligen Eltern zugegangen“, erklärt Jäger. „Nun haben wir aber auch Schulen, an denen es nur wenige oder gar keine Schüler mit Lernlücken gibt oder nur wenige Anmeldungen seitens der Eltern kamen.“ Unter diesen Voraussetzungen sei es natürlich nicht sinnvoll, an der jeweiligen Schule eine eigene Lernbrücken-Gruppe mit lediglich ein bis zwei Schülern zu eröffnen, „weshalb die Kinder auf andere Standorte aufgeteilt werden“. Benedikt Reinhard, Pressesprecher beim Kultusministerium, merkt an, dass Personalressourcen nur auf diese Weise „effektiv und zielgerichtet“ eingesetzt werden könnten.

Gleichzeitig gebe es aber auch Schulen, die zwar viele Schüleranmeldungen verzeichnen, aber nicht genügend freiwilliges Lehrpersonal auftreiben konnten. Dieser Fall ist laut Jäger zwar eher selten, komme aber dennoch vor. Generell könnten im Rahmen der Lernbrücken nicht nur Lehrer, sondern auch Referendare, Pensionäre oder Studierende unterrichten, so Reinhard.

Passgenaue Lernpakete

Um auch denjenigen Schülern, die nicht von ihrem eigenen Lehrer unterrichtet werden, einen guten Lernprozess zu ermöglichen, „haben wir deren Klassenlehrer gebeten, ihren Schülern ein möglichst passgenaues Lernpaket mitzugeben“, erklärt Jäger. Somit erhalte jedes Kind einen auf sich abgestimmten Förderplan, der es fremden Lehrern erleichtere, die entsprechenden Defizite schnell zu erkennen. „Dadurch weiß die fremde Lehrkraft genau, wie sie das Kind pädagogisch fördern muss.“

Noch sei die Organisation des Lernbrücken-Programms noch nicht abgeschlossen. „Das ist alles noch im Fluss. Sollten wir jetzt noch Anmeldungen bekommen, versuchen wir, die Kinder noch irgendwo unterzubringen.“ Möglicherweise könnte auch noch eine weitere Schule als Lernbrücken-Standort hinzukommen.


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