16 Spieler infiziert: Corona-Ausbruch beim KSC

Karlsruhe (da) – Omikron hat am Donnerstagabend den Karlsruher SC lahmgelegt: 16 Profis und vier Trainer wurden positiv getestet. Das Spiel am Sonntag gegen Sandhausen steht auf der Kippe.

Ob der KSC am Sonntag gegen Sandhausen spielen kann, ist nach dem Corona-Ausbruch ungewiss. Foto: Helge Prang/GES

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Ob der KSC am Sonntag gegen Sandhausen spielen kann, ist nach dem Corona-Ausbruch ungewiss. Foto: Helge Prang/GES

Omikron hat den Karlsruher SC gewaltig erwischt: 16 Spieler, alle vier Trainer, zwei Physiotherapeuten und zwei Mitglieder der Medienabteilung befinden sich seit Donnerstag wegen bestätigter Infektionen in häuslicher Quarantäne. Dennoch war am Abend noch nicht ausgeschlossen, dass der Fußball-Zweitligist am Sonntag zum Baden-Derby gegen den SV Sandhausen wie geplant im Wildparkstadion antreten muss.

Numerisch standen dem Tabellenzehnten am Donnerstagabend gerade noch so viele Spieler zur Verfügung, wie sie laut maßgeblicher Spielordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL) ausreichen, damit eine Mannschaft zu einem Spiel anzutreten hat. „Wir stellen morgen früh den Antrag auf Absetzung. Wie die DFL damit dann umgeht, ist unklar. Es ist eine knappe Geschichte“, erklärte Sportgeschäftsführer Oliver Kreuzer. Aus den Gesprächen mit dem bei der DFL für den Spielbetrieb zuständigen Andreas Nagel weiß Kreuzer bereits, dass es für die Bewertung der Liga kein Kriterium darstellt, dass wegen der Infektionen von Chefcoach Christian Eichner und von dessen Assistent Zlatan Bajramovic der Trainingsbetrieb eingestellt bleibt und am Sonntag keiner der sportlich Verantwortlichen an der Seitenlinie stehen könnte. Daneben sind auch der Torwarttrainer Markus Miller und Athletikcoach Florian Böckler positiv getestet worden.

Schweizer: „Praktisch alle Infizierten haben Symptome“

Der Donnerstag hatte damit die Befürchtungen beim KSC bestätigt: In der Praxis von Mannschaftsarzt Marcus Schweizer war es zwischen 8.30 und 10 Uhr zugegangen wie an einer Teststation. Jeden der 40 KSC-Angestellten, die in das Trainingslager nach Spanien oder zu den Spielen nach Darmstadt und München mitgereist waren, hatte der „Doc“ mit einem Termin versehen. Am Abend lieferte das Labor Volkmann (Karlsruhe) dem Verein die ernüchternden Auswertungen, die Schweizers Vorahnung bestätigten: In den Reihen des Zweitligisten hatte sich ein Infektionsgeschehen erheblichen Ausmaßes entwickelt. 14 neu infizierte Spieler waren identifiziert. Der Ersatztorwart Markus Kuster und Abwehrspieler Kilian Jakob, Tage zuvor schon positiv getestet, befanden sich da weiterhin in Quarantäne. „Praktisch alle Infizierten haben Symptome“, gab Schweizer am Abend an. „Wahrscheinlich werden noch welche dazukommen, die erst nach den Tests in ein oder zwei Tagen positiv sind“, schätzte er. Die Situation sei mit jener der deutschen Handballer bei der EM vergleichbar.

Ob der Trainingslager-Aufenthalt der komplett geboosterten Mannschaft in Andalusien der Ausgangspunkt der Kette war, sei mit Gewissheit nicht zu bestimmen, beteuerte der KSC-Arzt. Sicher sei nur: „Mit dem Rückflug begann die Uhr zu ticken, Markus Kuster könnte sich aber auch danach hier angesteckt haben.“

Regulärer Übungsbetrieb unmöglich

Das Ergebnis daraus bleibt dasselbe: An einen regulären Übungsbetrieb ist für die kommenden sieben Tage nicht zu denken. Was das Spiel gegen Sandhausen betrifft, an das sich eine Länderspielpause ohne Länderspiele anschließen wird, könnte das Gesundheitsamt Karlsruhe die entscheidende Rolle spielen. Dann nämlich, wenn es auf die Dynamik beim KSC mit einer Anordnung reagiert, dass beim KSC der Trainings- und der Spielbetrieb für die kommenden Tage vorsorglich zu ruhen hat.

Ein Antrag auf Spielabsetzung hat in der Regel dann keine Aussicht auf Erfolg, solange dem Verein mehr als 15 Spieler zur Verfügung stehen. Darunter haben laut DFL-Spielordnung mindestens neun Lizenzspieler und darunter wiederum ein Torwart zu sein. Der 15er-Cut ist nötigenfalls mit Nachwuchsspielern zu erreichen, soweit sie für die Lizenzmannschaft spielberechtigt sind. Das sind sie, so sie der DFL zur Aufnahme auf die „Spielberechtigungsliste“ gemeldet wurden. 27 Lizenzspieler des KSC sowie dessen Nachwuchsakteure Max Weiss (Tor), Efe-Kaan Sihlaroglu, Tim Rossmann, Adrian Freiwald und Stefano Marino stehen auf besagter Liste. Macht 32. Davon sind nun 16 Infizierte wegzurechnen. Praktisch kämen die Verletzten und Rekonvaleszenten Robin Bormuth, Leon Jensen, Sebastian Jung, Kyoung-Rok Choi, Paul Löhr und Malik Batmaz hinzu. Blieben noch zehn, die zum Zeitpunkt der Testreihe am Donnerstag spielfähig und ohne erkannte Infektion waren.

Kurioserweise bewertet die DFL Gesperrte und Verletzte als „zur Verfügung stehend“. So will sie vermeiden, dass Clubs, denen es so ergeht wie dem Karlsruher SC gerade, zur Unterschreitung des Cuts Spieler vorsätzlich als verletzt melden.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur René Dankert

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Erstellt:
20. Januar 2022, 23:13 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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