19-Jähriger leidet unter Corona-Folgen

Baden-Baden/Bühl (kkö) – Tim Ell hatte im Oktober 2020 Corona – aber die Probleme blieben. Beim Treppensteigen kämpft er mit Atemnot. Wie lebt der 19-Jährige mit den Folgen heute?

Bleibt positiv: Trotz seiner Post-Covid-Symptome bleibt Tim Ell auf vielen Ebenen engagiert. Foto: Katrin König-Derki

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Bleibt positiv: Trotz seiner Post-Covid-Symptome bleibt Tim Ell auf vielen Ebenen engagiert. Foto: Katrin König-Derki

Für Tim Ell ist Corona seit Herbst 2020 nicht mehr nur ein Virus, das seine Großeltern oder seinen herzkranken Vater treffen könnte. Der 19-Jährige erkrankte damals an Covid-19 – und das trotz seines umsichtigen Verhaltens. Die Folgen begleiten ihn bis heute.

Er erzählt, wie er Krankheit und Quarantäne durchlebte, wie bitter er die Aussagen von Corona-Leugnern empfand. An die ernüchternde Diagnose eines Lungenfacharztes erinnert er sich genau. Es ist Oktober 2020: Ell ist zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt. An einem Samstag bekommt er hohes Fieber. Er habe gespürt, wie die Kälte in seinen Körper kriecht, sagt er. Kurz vorher hat er noch seine Freundin besucht, als ihn die Symptome ins Bett zwingen.

„Meine Sauerstoffsättigung lag unter 80“

Nachts klettert das Fieber auf 41,8 Grad und lässt sich medikamentös nicht senken. Sein älterer Bruder, ein angehender Kinder- und Jugendkrankenpfleger, bemüht sich am Sonntag um seine Aufnahme ins örtliche Krankenhaus – ohne Erfolg. Die Klinik ist überlastet und nimmt nur positiv Getestete auf. Ell macht erst am Montag einen Test. Der Verdacht bestätigt sich: Es ist eine Corona-Infektion. „Meine ganze Familie ist nach Hause gekommen und hat sich testen lassen, zunächst waren alle negativ. Zum Glück haben wir Platz im Haus, ich hatte ein eigenes Zimmer und Bad“, sagt Ell. Es geht ihm von Minute zu Minute schlechter. Seine Atmung wird flach. Als Asthmatiker sei er besonders gefährdet gewesen, sagt er.

Schließlich ruft seine Mutter den Rettungsdienst. Die Sanitäter fahren ihn von Bühl in eine Klinik nach Baden-Baden. „Meine Sauerstoffsättigung lag unter 80. Die Rettungshelfer haben mich deshalb an EKG und Sauerstoff angeschlossen“, berichtet Ell. Das habe Erleichterung gebracht. Im Krankenhaus kommt der Jugendliche für vier Tage auf die Kinderstation. Sein Zustand scheint sich zu verbessern.

„Als ich heimkam, hat es meine ganze Familie erwischt. Bei meinem Vater war es ganz schlimm“, sagt der 19-Jährige. Sein Vater muss ebenfalls mehrere Tage ins Krankenhaus. Er selbst fühlt sich besser. Eine befreundete Ärztin empfiehlt ihm, regelmäßig Vitamin D einzunehmen. Das habe geholfen, sagt Ell. Es folgen mehrere Wochen Quarantäne. Dennoch bleibt für Ell ungewiss, wann eine Rückkehr in die Normalität möglich ist.

Ungebrochener Kampfgeist

Der junge Mann besucht ein Gymnasium in Achern. Die Gesundheitsämter Rastatt und Offenburg äußern sich seiner Aussage nach widersprüchlich. Die Kommunikation mit den Behörden sei zäh gewesen.

In dieser Zeit kaufen Verwandte und Freunde für die Ells ein. Seine Großmutter geht mit seinem Hund Gassi. Die Familie bemüht sich, die noch verbleibenden Symptome mit Humor zu nehmen: Als alle ihren Geruchs- und Geschmackssinn verlieren, beißen sie in Zwiebeln – ohne etwas zu spüren.

Was Tim Ell noch nicht ahnt: Das Virus hat einen Teil seines Lungengewebes „gefressen“, wie er das formuliert. Schon Treppensteigen bereitet ihm enorme Anstrengung. Laut der jüngsten Diagnose ist seine Lungenkapazität auf 65 Prozent reduziert. Er nimmt nun dauerhaft Medikamente und hat ein Spray erhalten, das ihm bei Atemnot hilft. Für ihn, der sich schon lange politisch, sozial und sportlich engagiert, ist das ein herber Schlag.

„Ich bin nicht paranoid, aber sehr vorsichtig geworden, und trage auch an der Schule immer FFP2-Maske. Die Angst, ich könnte erneut erkranken, sitzt tief“, sagt Ell. Warum es ausgerechnet ihn so heftig traf, darüber kann er nur spekulieren. Viele corona-positive Gleichaltrige, die er kennt, durchlebten einen milden bis grippalen Verlauf. Möglicherweise wegen seines Asthmas. Das Einzige, das Tim Ell sicher weiß, ist: Er will auf jeden Fall in die Bundespolitik, den Post-Covid-Symptomen zum Trotz. Sein Kampfgeist sei ungebrochen.

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Erstellt:
28. April 2022, 06:30 Uhr
Lesedauer:
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