„2022 kann alles passieren“

Freiburg/Baden-Baden (tas) – Der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (WVIB), Christoph Münzer, gibt seine Konjunktureinschätzung ab.

Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (WVIB): Christoph Münzer. Foto: WVIB

© WVIB Schwarzwald AG

Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (WVIB): Christoph Münzer. Foto: WVIB

Die badische Industrie ist im vergangenen Jahr wieder auf Touren gekommen. „2021 war deutlich besser als befürchtet“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (WVIB), Christoph Münzer (Foto: WVIB), zur jüngsten Mitgliederbefragung seiner Organisation. Doch ungetrübter Optimismus ist das noch nicht. „2022 kann alles passieren“, sagt Münzer und meint damit auch die weiterhin bestehenden Probleme beim Bezug von Rohstoffen und Vorprodukten.

„Sonst fliegt uns die Energiewende um die Ohren“

Laut der Umfrage verbuchten die WVIB-Mitgliedsunternehmen für 2021 ein Umsatzplus von durchschnittlich 15,6 Prozent. 2020 musste der Verband ein Minus von 8,4 Prozent vermelden. Damit sei die Lage im vergangenen Jahr besser gewesen als noch 2020 erwartet. Münzer schränkt jedoch ein: „Wenn alle nur schwer an ihr Material kommen, für das verfügbare mehr bezahlen müssen und diese Kosten dann weitergeben, dann treibt das die Preise nach oben – und alle bekommen weniger für ihr Geld.“ Von den nominal 15,6 Prozent müsste rund die Hälfte abgezogen werden, wenn man die realen Gütermengen ohne inflationären Preiseffekt erfassen wollte, sagt Münzer. Er warnt: „Alle politischen Akteure, EZB und Bundesregierung müssen jetzt dem Inflationsdruck entschlossen aber behutsam entgegengehen, sonst fliegt uns die Energiewende um die Ohren.“

Wie die Konjunkturumfrage weiter ergab, meldeten knapp 82 Prozent der WVIB-Unternehmen im vergangenen Jahr gestiegene Umsätze – was 2020 nur bei 23 Prozent der Fall gewesen sei. Damals hätten knapp 73 Prozent ein Minus hinnehmen müssen.

Probleme im Bereich Materialversorgung

Beim Blick in die Zukunft seien die Unternehmen der Schwarzwald AG – so nennt sich der WVIB selbst – eher optimistisch. 55 Prozent erwarten der Verbandsumfrage zufolge in den nächsten sechs Monaten steigende Umsätze, während 40 Prozent keine Veränderung sehen. Mit sinkenden Umsätzen rechnen dagegen nur fünf Prozent der Unternehmen.

Die Probleme der Industrie liegen derzeit vor allem im Bereich Materialversorgung. Auf die Frage „Was ist 2022 für Sie das drängendste Problem?“ haben 46 Prozent der Unternehmen Sorgen bezüglich Unterbrechungen in den Lieferketten. Auch der Personalmangel ist für 22 Prozent der Befragten das größte aktuelle Problem, 6,7 plagt zunehmende Bürokratie. „In der Schwarzwald AG haben die Unternehmen gelernt, mit Corona zu leben. Im hektischen Tagesgeschäft sucht man Material, Hände & Köpfe, in der längeren Perspektive wird es weiterhin steigende Energiekosten, mehr Inflation, höhere Zinsen und Steuern geben“, bewertet Münzer.

Der WVIB in Freiburg steht mit seinen 1.040 Mitgliedern entlang des Oberrheins für zusammen rund 384.000 Beschäftigte weltweit und etwa 75 Milliarden Euro Jahresumsatz. Einige der Betriebe sitzen auch im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Rastatt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
4. Februar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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