21-Jähriger in Bühl bekommt Jugendarrest

Bühl (bgt) – Ein 21-Jähriger stand wegen gewerbsmäßigen Handelns von Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht in Bühl. Der Richter verhängte zwei Wochen Jugendarrest.

Der Verurteilte war schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Richter und Staatsanwalt sehen auch daher einen Arrest als notwendig an. Foto: Daniel Karmann/dpa

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Der Verurteilte war schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Richter und Staatsanwalt sehen auch daher einen Arrest als notwendig an. Foto: Daniel Karmann/dpa

Das Bild reinster Unschuld, das der Angeklagte von sich zu zeichnen versuchte, mochte Richter Wußler am Amtsgericht Bühl nicht so recht überzeugen. Doch das focht den jungen Iraker nicht an, und er wiederholte gebetsmühlenartig, dass er den genannten Personen keinerlei Drogen verkauft habe.

Der 21 Jahre alte Asylbewerber mit derzeitigem Duldungsstatus hat eine bemerkenswerte Odyssee hinter sich, die leider charakteristisch ist für eine große Anzahl minderjähriger Immigranten. Im Alter von elf Jahren aus dem Irak ohne Begleitung geflohen, war er zunächst in Griechenland gestrandet, wo er sich ein paar Jahre an unterschiedlichen Orten aufgehalten hatte. 2015 war er schließlich unter den zwei Millionen Flüchtlingen, die in Deutschland Schutz gesucht und denen ein vorübergehender Aufenthalt gewährt worden war.

Angeklagter beteuert Unschuld vehement

Nun stand der junge Mann wegen gewerbsmäßigen Handelns von Betäubungsmitteln vor Gericht. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er in vier Fällen Marihuana verkauft haben, wie aus der Auswertung eines Chatverlaufs in einem Handy hervorgegangen war. Obschon ihm die Handynummer, über die SMS-Botschaften ausgetauscht worden waren, zweifelsfrei zugeordnet werden konnte, stritt er rundheraus ab, irgendwelche Verkäufe getätigt zu haben. Er habe das Handy nur kurzfristig besessen und es zusammen mit der SIM-Karte dann weggeworfen. Selbst als der ermittelnde Polizeibeamte im Zeugenstand dem Richter versicherte, dass er auch in einer Sprachnachricht des Handys die Stimme des Angeklagten wiedererkannt habe, wich der von seiner Unschuldslitanei nicht ab.

Eintragungen im Erziehungsregister

Dass er bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, sprach freilich ebenso wenig für seine Glaubwürdigkeit. Mehrfacher Diebstahl, Hausfriedensbruch, versuchter Betrug und unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln lauteten die Eintragungen im Erziehungsregister, und auch der Bericht der Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe klang nicht allzu überschwänglich. Der Angeklagte, der schon im Irak kaum die Schule besucht und in Deutschland mehrere Ausbildungsversuche wegen mangelnder Lese- und Schreibkenntnisse habe abbrechen müssen, sei von keinerlei Ehrgeiz getrieben, sich ins Sozialgefüge einzugliedern, hieß es da.

Und er sei weder zu Gesprächsterminen, noch zu Berufsvorbereitungskursen erschienen. Er habe zwar nach seiner Darstellung jetzt eine Ausbildung als Friseur in Aussicht, einen Ausbildungsvertrag gleichwohl noch nicht unterschrieben. „Es gibt nach meinem Dafürhalten noch immer Reifedefizite, und ich würde empfehlen, noch das Jugendstrafrecht anzuwenden, aber nun wäre es an der Zeit für einen Jugendarrest“, schloss die Mitarbeiterin ihr Gutachten ab.

Der Staatsanwalt musste nicht lange überlegen und mochte ebenfalls keine Einsichtsfähigkeit beim Angeklagten konstatieren: „Mit dieser Nummer kommt er so nicht weiter!“ So forderte er zwei Wochen Jugendarrest, was den jungen Iraker augenscheinlich nicht sonderlich beeindruckte. Mit erstaunlicher Einsichtsresistenz bekräftigte er am Ende noch einmal seine Unschuld. Und das focht wiederum den Richter nicht an.

Er urteilte noch einmal nach dem Jugendstrafrecht, sprach eine Verwarnung aus und verhängte, wie vom Staatsanwalt gefordert, zwei Wochen Dauerarrest.

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Erstellt:
16. Juni 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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