25. Europäische Kulturtage vielfältig und digital

Karlsruhe (cl) – Die 25. Europäischen Kulturtage Karlsruhe laufen vom 2. bis 16. Mai digital, bis auf eine Aktion am Europatag auf dem Marktplatz. Das Badische Staatstheater hat drei Stücke verfilmt.

Das Autorinnenstück „Die neuen Todsünden“, die im Herbst 2020 zwischen zwei Lockdowns kurz aufgeführte Premiere (Szenenbild) am Badischen Staatstheater, ist für die Kulturtage im Mai verfilmt worden. Foto: Thorsten Wulff/Staatstheater

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Das Autorinnenstück „Die neuen Todsünden“, die im Herbst 2020 zwischen zwei Lockdowns kurz aufgeführte Premiere (Szenenbild) am Badischen Staatstheater, ist für die Kulturtage im Mai verfilmt worden. Foto: Thorsten Wulff/Staatstheater

Die 25. Europäischen Kulturtage Karlsruhe vom 2. bis zum 16. Mai planen mit einer flexiblen Ausgabe. 2020 mussten die Kulturtage noch kurzfristig abgesagt werden, das soll beim Jubiläumsprogramm jetzt nicht passieren. Es gibt viele digitale Angebote in allen Sparten (von Theater, Musik, Lesungen, Kunst bis zu Vorträgen) – und auch einige hybride Formate, sobald es die Inzidenzzahlen wieder zulassen.

Das vielseitige Programm, an dem auch das Badische Staatstheater mit etlichen, eigens verfilmten Theaterstücken beteiligt ist, dreht sich um den Europagedanken, um die Grenzen, die durch die Pandemie nicht mehr selbstverständlich offen geblieben sind. Das Thema der Kulturtage lautet wie im vergangenen Jahr: „Europa – ein Versprechen“.

„Wir haben alle erlebt, wie die Grenzen in Europa geschlossen wurden, wie es plötzlich nationale Grenzen gab und stattdessen Inzidenzwerte die Grenzen gezogen haben. Wir befanden uns Jahrzehnte zurückversetzt“, sagte der Karlsruher Kulturbürgermeister Albert Käuflein bei der Online-Vorstellung. „Die Corona-Pandemie zeigt uns, dass in Krisenzeiten bisher so selbstverständlich wahrgenommene Versprechen plötzlich infrage gestellt werden. Die Europäischen Kulturtage haben es sich zur Aufgabe gemacht, zu hinterfragen, wie es um das Versprechen Europas steht“, so Käuflein.

Das Erstarken von Radikalismus und Extremismus sei nicht zu unterschätzen: „Europa droht an vielen Stellen auseinanderzubrechen, erosive Kräfte brechen sich Bahn“, warnte der Kulturbürgermeister. Die Kulturtage wollen all diese gesellschaftspolitischen Themen rund um Europa aufgreifen.

Fridays for future“-Bewegung äußert sich im Lesebuch

Unter dem Plakatmotiv „EUtopia“ laden Künstlerinnen und Künstler während des Festivals dazu ein, über Utopien und Fragestellungen nachzudenken, wie das Europa der Zukunft aussehen könnte und wie wir künftig in Europa zusammenleben wollen.

Rund 30 Kulturinstitutionen sind an dem Programm mit über 70 Veranstaltungen beteiligt – momentan findet alles online statt, auch das Festivalcafé mit der digitalen Plattform der Karlsruher Kinemathek, hat den Einsatz von digitalen oder hybriden Formaten natürlich immer im Hinterkopf.

„Seit wenigen Tagen ist es sicher, wir sind aufgelöst in digitale Räume“, sagte die Karlsruher Kulturamtsleiterin Susanne Asche. In der Kinemathek wird die digitale Begegnungsstätte sein, eine Stätte für Diskussionen, kleine Konzerte und Gesprächsreihen. Statt eines Programmbuchs gebe es ein Lesebuch mit Texten rund ums Thema Europa mit Ansichten von Verfassungsrichtern, Historikern, Komponisten und Dichtern, auch Stimmen aus dem außereuropäischen Raum sind dabei, aus Brüssel sowie von Mitgliedern der „Fridays for future“-Bewegung.

Junges Staatstheater zeigt Probeszenen aus Juli Zehs „Corpus Delicti“

„Wir beleuchten Europa in vielfältigen Aspekten, in allen Sprachen der Kunst und Kultur, der Politik und der Wissenschaft“, so Asche. Aktionen im öffentlichen Raum sind geplant wie am 9. Mai, dem Europatag, der trotz Corona auf dem Marktplatz mit einer Parade gefeiert werden soll; ob der Picknick im Schlossgarten klappt, ist noch offen. Es gibt Konzerte, Literatur, Theater und eine kleine Oper.

Das Badische Staatstheater bietet die Jugendoper „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Grigori Frid (3.5.) als filmische Inszenierung, statt Bühnenpremiere an. Auch die Herbstpremiere des Schauspiels vom vergangenen Jahr „Die neuen Todsünden“ in sieben Kurzdramen europäischer Autorinnen wird laut Chefdramaturgin Sonja Walter viermal in einer Filmversion gezeigt (ab 7.5.). Das Junge Staatstheater zeigt Filmszenen über die Endproben des Stücks „Corpus Delicti“ nach dem gleichnamigen Roman von Juli Zeh, über einen Staat, der seine Grundrechte massiv eingeschränkt hat.

Der Badische Kunstverein bewegt sich mit dem europäischen Ausstellungs- und Rechercheprojekt „Dinge, die wir voneinander ahnen“ von acht Kuratorinnen (von Wien bis Bukarest) an den Rändern Europas. Der Holocaust und die Geschichte der Sinti und Roma werden im Prinz-Max-Palais ausgestellt. Die Städtische Galerie widmet sich in „Verborgene Spuren“ den jüdischen Künstlern und Architekten in Karlsruhe ab 1900. „Die Museen werden auch wieder öffnen“, verspricht Asche – „und die Ausstellungen werden auch noch analog zu sehen sein“; vieles läuft bis August.

Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, wird die Kulturtage am 2. Mai als Festredner eröffnen (digital zugeschaltet). Das Europa-Lesebuch ist beim Kulturamt der Stadt Karlsruhe bestellbar, das Programmbuch gibt es auch als Datei auf der Festivalseite.

Alle Angebote der Kulturtage sind auf der Festival-Homepage, die Stücke auch auf der Homepage des Badischen Staatstheaters zugänglich.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
22. April 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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