39-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch von Kindern

Baden-Baden (naf) – Ein 39-Jähriger gelernter Erzieher, der wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Baden-Baden angeklagt ist, räumte die Vorwürfe zum Prozessauftakt ein.

Der 39-Jährige steht gestern zum zweiten Mal wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Foto: Benedikt Spether/dpa

© dpa

Der 39-Jährige steht gestern zum zweiten Mal wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Foto: Benedikt Spether/dpa

„Ich kann..., nein, ich darf nicht zulassen, dass sowas noch einmal passiert.“ Das ist das Letzte, was der 39-jährige Angeklagte gestern am Ende des ersten Verhandlungstages vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Baden-Baden zu sagen hat. Wenige Stunden zuvor räumt er alle ihm vorgeworfenen Tatbestände ein und gibt damit zu, sexuelle Handlungen an, mit und vor neun- bis 15-jährigen Kindern vorgenommen zu haben.

14 Anklagepunkte

„Alles, was hier vorgelesen wurde, habe ich getan“, sagt der 39-Jährige mit fester Stimme. „Und ich schäme mich komplett dafür.“ Es sind 14 Anklagepunkte, die der Vorsitzende Richter Stefan Schmid vorträgt.

Der eine Zeit lang in Kappelrodeck lebende ausgebildete Erzieher hat Kindern und Jugendlichen aus seiner Nachbarschaft im Laufe des Jahres 2018 mehrfach pornografische Videos gezeigt, in ihrem Beisein sexuelle Handlungen an sich vorgenommen und sie dazu aufgefordert, ebenfalls sexuelle Handlungen an sich selbst durchzuführen. Der Vorwurf der sexuellen Handlung mit einem der Kinder geht auf einen Vorfall zurück, bei dem der Angeklagte einem Neunjährigen mehrere Minuten lang das bekleidete Gesäß massierte. Zum Zeitpunkt der Durchsuchung wurden in seiner Wohnung außerdem rund 45 Gramm Marihuana gefunden, wegen dessen Besitz er ebenfalls angeklagt wurde.

Durch das Geständnis des Mannes mussten die ursprünglich geladenen Sachverständigen und Zeugen nicht mehr erscheinen. Die trotzdem noch gesichteten Videos von Vernehmungen drei der betroffenen Jugendlichen zeichnen alle ein ähnliches Bild. Das Bild vom coolen, sportlichen Nachbarn, der gerne mal auf der Wiese nebenan mit den Kindern aus der Straße Fußball spielt, sie sogar des öfteren zu sich nach Hause einlädt. Er war bei gemeinsamen Treffen, Spielen wie Wahrheit oder Pflicht, ja sogar bei Pyjamapartys dabei. „Wie ein großer Bruder“, beschreibt ein Junge im Video. Mit der Zeit fallen die Hemmungen des 39-Jährigen und die Dinge nehmen ihren Lauf. Der Vorfall mit dem neunjährigen Jungen ist ein Wendepunkt. „Wir fanden nicht richtig, was passiert ist“, erzählt ein Mädchen. Sie teilen sich ihren Eltern mit, ein Vater bringt das Geschehene im Herbst 2018 zur Anzeige.

Strafe annehmen, egal wie sie ausfällt

„Was sollte das?“, fragt Richter Schmid den Angeklagten. Ein beschämtes „Ich weiß es nicht. Nichts Gutes“ folgt. Der Gedanke an eventuelle pädophile Neigungen mache dem Angeklagten Angst. Dem wolle er sich nun aber stellen, sei bereit für eine Therapie. „Ich will ein normales, gesundes und erwachsenes Leben führen und alles dafür tun“, sagt er. Seine Strafe wolle er annehmen, egal wie hoch sie ausfällt.

Eine Freiheitsstrafe von insgesamt drei Jahren und vier Monate fordert die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe nicht nur „die sexuelle Unerfahrenheit der Geschädigten ausgenutzt“, vor allem ein Verfahren aus der Vergangenheit, bei dem der 39-Jährige wegen ähnlicher Vorwürfe bereits verurteilt wurde, falle schwer ins Gewicht. Damals war er als Animateur tätig und darf seither mit keinen Kindern mehr arbeiten.

Die Verteidigung ist dagegen der Überzeugung, dass mit einer bewährungsfähigen Strafe sowie einer Therapie mehr geholfen wäre als mit einer Haft. Der mittlerweile umgezogene Angeklagte habe „seine Ängste und innersten Gedanken“ mitgeteilt, das sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ein zweiter Verhandlungstag ist für den kommenden Mittwoch angesetzt.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.