500 Anzeigen gegen Fiat-Chrysler

Baden-Baden/Lahr/Frankfurt (tas) – Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt weiter in Sachen Diesel-Abgasmanipulationen. Vor allem Käufer von Wohnmobilen melden sich bei der Behörde.

Fiat-Logo an der Deutschlandzentrale in Frankfurt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Unternehmen. Foto: Arne Dedert/dpa

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Fiat-Logo an der Deutschlandzentrale in Frankfurt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Unternehmen. Foto: Arne Dedert/dpa

Die Ermittlungen dauern zwar noch an, doch der Verdacht, dass der Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) Dieselmotoren mit manipulierter Abgasreinigung ausgestattet hatte, scheint sich zu erhärten. Davon geht die Lahrer Kanzlei Dr. Stoll & Sauer aus, die sich auf Verfahren im Bereich der Diesel-Affäre spezialisiert hat.
In einem Schreiben der Staatsanwaltschaft Frankfurt an den Besitzer eines mit einem Fiat-Motor ausgestatteten Hymer-Wohnmobils bekam er von der Ermittlungsbehörde die Auskunft, es sei davon auszugehen, dass sein Fahrzeug „von den Abgasmanipulationen betroffen ist“. Das Schreiben liegt dem Badischen Tagblatt vor.

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen FCA. Der Verdacht: Der Konzern habe unzulässige Abschalteinrichtungen in seine Dieselfahrzeuge eingebaut, um die Abgasreinigung zu manipulieren. Im Juli vergangenen Jahres durchsuchten die Ermittler unter anderen die FCA-Deutschlandzentrale in Frankfurt. „Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an“, hieß es am Donnerstag auf Nachfrage des BT bei der Behörde.

Zugleich teilte Oberstaatsanwalt Noah Krüger dieser Zeitung mit, dass die Anklagebehörde mit mehr als 200.000 Fahrzeugen hierzulande rechnet, die potenziell von den Abgasmanipulationen betroffen sind. „Dabei handelt es sich weit überwiegend um Kleinwagen und Mittelklassefahrzeuge, Kleintransporter sowie SUV. In einem geringen Umfang sind auch Kleintransporter mit Sonderaufbauten betroffen, zum Beispiel Wohnmobile.“ Bislang seien rund 500 Anzeigen in der Sache eingegangen. Diese stammten fast ausschließlich von Wohnmobilkäufern, obgleich sie zahlenmäßig nur einen kleinen Teil der mutmaßlich betroffenen Kunden darstellten.

Schadenersatz für ihre Mandanten


Nach wie vor werden betroffene Verbraucher als Zeugen gesucht. Dazu hat das Polizeipräsidium Frankfurt auf seiner Internetseite auch einen Aufruf veröffentlicht, bei dem auch Fragen zu der Sache beantwortet werden. Die Staatsanwaltschaft selbst hält sich mit einer Bewertung des Falls bisher zwar zurück. „Die Frage, ob und welche Abschalteinrichtungen in welchen Fahrzeugen verbaut ist und ob diese Abschalteinrichtungen als unzulässige Abschalteinrichtungen zu qualifizieren sind, ist Gegenstand der Ermittlungen.“ Dr. Stoll & Sauer interpretiert das Schreiben der Staatsanwaltschaft an den Wohnmobilkäufer, der auch Mandant der Kanzlei ist, jedoch so, dass sich der Manipulationsverdacht gegen Fiat-Chrysler „aus Sicht der Ermittlungsbehörde so gut wie bestätigt hat“.

Die Lahrer Kanzlei hat in der Diesel-Affäre laut eigenen Angaben bereits 500 Klagen gegen FCA – das Unternehmen heißt nach der Fusion mit dem französischen Autobauer PSA nun Stellantis – und den Schwesterkonzern Iveco eingereicht. Ziel: Schadenersatz für ihre Mandanten zu erstreiten.

Dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) sind die Vorwürfe gegen den Autobauer nicht neu. Bereits im Frühjahr 2016 stellte die Behörde im Rahmen der „Untersuchungskommission Volkswagen“ fest, dass auch in unterschiedlichen Fiat-Modellen unerlaubte Abschalteinrichtungen verbaut sind. Messungen des KBA hatten ergeben, dass die Abgasreinigung bei den überprüften Dieseln nach 22 Minuten abschaltet. Der Testzyklus dauert in der Regel 20 Minuten. Dieses Wissen teilt die Behörde auch mit dem übergeordneten Bundesverkehrsministerium.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
11. Februar 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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