60 Stunden gültig – auch außerhalb der Schule

Gaggenau (naf) – Kinder, die zuhause getestet werden, erhalten eine Bescheinigung der Grundschule. Schulamtsleiter Wolfgang Held nennt das einen „Vertrauensvorschuss“.

Je nach Grundschule müssen sich die Schüler entweder zuhause oder vor Ort testen lassen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

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Je nach Grundschule müssen sich die Schüler entweder zuhause oder vor Ort testen lassen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Schüler an Grundschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, die nicht in der Schule sondern zuhause durch ihre Eltern getestet werden, erhalten seit vergangener Woche eine von der Schule bestätigte Bescheinigung, die bis zu 60 Stunden lang gültig ist und auch im außerschulischen Kontext genutzt werden kann.

Mit dieser Entscheidung haben Sozial- und Kultusministerium „eine Regelungslücke geschlossen und eine pragmatische Lösung entwickelt“, wie die Stadt Gaggenau gestern in einer Pressemitteilung schreibt.

Sowohl im Murgtal als auch an anderen Schulen in Mittelbaden war im Vorfeld darüber diskutiert worden, wie Grundschüler ihre negativen Testergebnisse nachweisen können. Denn im Gegensatz zu den weiterführenden Schulen steht den Entscheidungsträgern der Grundschulen frei, ob sie die Kinder vor Ort testen oder das den Eltern zuhause überlassen. Im letzten Fall konnten diese ein negatives Ergebnis bisher „nicht offiziell bescheinigen lassen, um es beispielsweise als Nachweis für Aktivitäten in der Freizeit nutzen zu können“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wenn ein Kind morgens bereits getestet wurde, wieso sollte man es dann nachmittags noch einmal testen müssen, bevor es zum Beispiel ins Training geht“, fragt auch Schulamtsleiter Wolfgang Held.

Aufhebung der Lernrückstände an erster Stelle

Gleichwohl betont er, dass die Bescheinigungen auch eine Mehrbelastung für Lehrer bedeuten und „eigentlich keine pädagogische Aufgabe“ sind. Lernrückstände aufzuarbeiten stehe aktuell an erster Stelle. Die Begeisterung der Lehrkräfte halte sich dementsprechend in Grenzen.

Zu dieser Kritik reiht sich die Befürchtung, Eltern könnten die Bescheinigung ausfüllen, ohne ihre Kinder zuhause getestet zu haben. Mit der Bestätigung durch die Schule hätten sie einen Freifahrtsschein, der unberechtigterweise 60 Stunden lang gilt. „Wir müssen den Eltern diesen Vertrauensvorschuss entgegenbringen“, sagt Held auf BT-Anfrage. Schließlich gelte dasselbe auch für Lehrkräfte, die sich ebenfalls auf Vertrauensbasis zuhause selbst testen. „Wir können ja nicht sagen, dass wir den Lehrern mehr vertrauen als den Eltern.“

Die Bescheinigungen werden ausgegeben, um den Kindern und Jugendlichen „ohne die zusätzliche Belastung weiterer Testungen nach einer langen Zeit der Entbehrungen wieder die Teilnahme am kulturellen Leben und am Vereinsleben zu ermöglichen“, wie die Stadt Gaggenau schreibt.

Verschiedene Bescheinigungen

Einen Unterschied zu den im Schulhaus Getesteten gibt es dennoch: „Die Schulen bestätigen zwar, dass die Eltern eine Eigenbescheinigung vorgelegt haben“, so Held. „Sie bescheinigen aber weder, dass vor Ort getestet wurde, noch, dass das Ergebnis negativ war.“ Diese Bestätigung kann die Schule nur für Kinder ausgeben, die sie selbst getestet hat. Ob die Eigenbescheinigung der zuhause Getesteten für Dritte – also Sportverein, Musikschule und Co. – ausreicht, das sei wiederum nicht mehr Sache der Schulen und müssten die einzelnen Institutionen selbst entscheiden, ergänzt Held.

Das benötigte Formular ist in den Schulen erhältlich oder kann als ausfüllbares PDF-Dokument auf der Homepage des Kultusministeriums unter www.km-bw.de/corona heruntergeladen werden.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nadine Fissl

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Erstellt:
15. Juni 2021, 08:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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