60 Tattoos und kein Ende in Sicht

Gernsbach (stn) – Der Gernsbacher Künstler Mario Grau trägt seine verstorbene Mutter nicht nur im Herzen, sondern auch auf der Haut. Außerdem hat er viele Tattoos, die mit seinem Beruf zu tun haben.

Der rechte Arm von Mario Grau ist seiner Familie gewidmet, die linke Seite symbolisiert seine Leidenschaft für die Kunst. Foto: Mario Grau

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Der rechte Arm von Mario Grau ist seiner Familie gewidmet, die linke Seite symbolisiert seine Leidenschaft für die Kunst. Foto: Mario Grau

Die Tattoos, die sich Mario Grau (30) im Laufe seines Lebens hat stechen lassen, sind vor allem eins: symbolträchtig. Jedes Bild auf seiner Haut zeigt bedeutende Momente seines Lebens, sind Sinnbild seiner Charaktereigenschaften und verdeutlichen, was ihm besonders am Herzen liegt: seine Familie und sein Beruf als freischaffender Künstler.

„Die rechte Seite ist meiner Familie gewidmet, die linke Seite ist an die Kunst gerichtet“, fasst Grau die zahlreichen Bilder auf seinen Armen zusammen. Mit schwarzer Tinte festgehalten hat er dies in Form der Buchstaben „L-O-V-E“ auf seinen rechten Fingern und mit „A-R-T“ auf den linken.

Sein erstes Tattoo hat er sich mit 18 Jahren stechen lassen. „Und zwar den Namen meiner Mutter: Bianca. Da sie kurz nach meiner Geburt an Bindegewebs- und Blutkrebs gestorben ist, ist dies für mich eine kleine Erinnerung an sie“, erzählt Grau.

Gernsbacher Maler mit sizilianischen Wurzeln

Diesem Tattoo folgten im Laufe der Jahre viele weitere. Auf seiner Brust prangt zum Beispiel das englische Wort „Dreamer“. „Dieses Tattoo ist auf mein Sternzeichen bezogen. Ich bin Fisch, und Menschen in diesem Sternzeichen sind häufig Tagträumer“, erläutert der Gernsbacher Maler. Direkt darüber, rund um den Hals, ist ein Lorbeerkranz zu sehen – als Symbol für Cäsar. „Er war italienisch – und ein Anführer.“ Hier sieht Grau laut eigenen Angaben Parallelen zu sich selbst: „Ich mache mein Ding alleine. Ich habe niemanden, der mir sagt: ,Mach das so und so.‘ Ich bin mein eigener Anführer.“

Auch all die anderen Tattoos symbolisieren das, wofür er steht und was ihn ausmacht: Ein Tattoo, das Italien als Stiefel abbildet, zeugt von seinen Wurzeln: „Meine Mutter kommt aus Sizilien.“

Das Kleeblatt wiederum, das er sich hat stechen lassen, stehe für Glück. „Wenn einem etwas Schlimmes passiert, widerfährt einem danach auch wieder irgendetwas Gutes“, ist er überzeugt. „Ich habe auch eine Rose tätowiert – das war die Lieblingsblume meiner Mama. Die Taube steht für Frieden und der Diamant dafür, dass Familie ein sehr wertvoller Schatz ist.“

Auch sein Lieblingstier hat Grau auf seiner Haut verewigt. „Fledermäuse faszinieren mich. Sie haben was Düsteres und jeder hat Angst vor ihnen, dabei sind sie liebe Tiere. Damit kann ich mich identifizieren.“

Da Grau zudem ein leidenschaftlicher Volkswagen-Fan ist, hat er sich das Logo der Automarke und darunter einen VW-Käfer tätowieren lassen. Zugleich ist dies aber auch ein Andenken an seine Mutter. „Bevor meine Mama im Alter von 22 Jahren starb, hat sie noch ihren Führerschein gemacht – sie hätte jedes Auto haben können, aber sie wollte unbedingt einen Oldtimer. Das fand ich schön.“

Da er großer VW-Fan ist, darf das Logo der Automarke natürlich nicht fehlen. Foto: Mario Grau

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Da er großer VW-Fan ist, darf das Logo der Automarke natürlich nicht fehlen. Foto: Mario Grau

Geburt von Neffe und Nichte ist „glücklichster Moment“

Eine Feder mit dem Schriftzug „Mama“ erinnert ebenfalls an einen besonderen Moment in Graus Leben. „Kurz vor ihrem Tod hat meine Mutter einen Brief veröffentlicht. Sie hat sich Sorgen gemacht, was aus mir und meiner Schwester einmal werden wird.“ Auf diesen Brief seiner verstorbenen Mutter hat er 2019 geantwortet.

Neben seiner Mama haben aber noch zwei weitere Familienmitglieder einen Platz auf seiner Haut erhalten. Seinen Neffen Noah etwa trägt Grau in Form eines Hufeisens immer bei sich. „Als meine Schwester mir damals erzählt hat, dass sie schwanger ist, war das der glücklichste Moment, den ich je erlebt habe. Ich selbst habe keine Kinder, deshalb war ich unheimlich stolz, Onkel zu werden.“ Eine Krone ist das Zeichen für seine Nichte Lina. „Sie ist meine Prinzessin“, sagt er.

Doch genauso wichtig wie seine Familie ist Grau auch seine Tätigkeit als Maler. „Ich habe auch viele Tattoos, die mit meinem Beruf als Künstler zu tun haben. Für mich ein Zeichen meiner Liebe zu etwas, was ich sehr gerne mache.“ Dass alles, was damit zu tun hat, auf der linken Körperhälfte zu finden ist, kommt nicht von ungefähr: Da er Linkshänder ist und dementsprechend seine Bilder mit der linken Hand malt, ist auch alles, was mit Kunst zu tun hat, auf der linken Seite. Was das Leben als Künstler für ihn ausmacht, steht mit dem Schriftzug „Art Life“ auf seinem Unterarm geschrieben. „Dieses Tattoo steht für das Kreativ-Sein, dafür, wie ein Künstler lebt. Künstler gehen auf Reisen, um sich Inspirationen zu holen, gehen raus, um die Welt zu beobachten.“

Idee für nächstes Tattoo bereits anvisiert

An Hand, Schulter und Hals ist darüber hinaus jeweils ein Vogel abgebildet. „Dieser steht für Freiheit, für das Hochfliegen, also das erfolgreich sein.“

Mindestens 60 Tattoos zieren laut Graus Aussage seinen Körper – „Tendenz steigend“, fügt er lachend hinzu. Als Nächstes möchte er sich auf die Brust eine Krone mit einem Diamanten, seinem Geburtsjahr und dem Schriftzug „Artist“ darunter stechen lassen. „Das Tattoo soll ausdrücken, dass 1990 ein großer Künstler geboren wurde. Das wirkt vielleicht arrogant, aber das soll es gar nicht sein. Alles, was ich mache, tue ich, um meine Mutter stolz zu machen.“

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
11. März 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 33sec

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