750 Mitarbeiter im Homeoffice

Von Markus Koch

Rastatt (mak) – Das Landratsamt arbeitet aufgrund der Corona-Pandemie im reduzierten Betrieb. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter sind im Homeoffice, das Gesundheitsamt hat seine Mitarbeiterzahl jedoch verdoppelt, um der zahllosen Anrufe Herr zu werden.

750 Mitarbeiter im Homeoffice

Restaurant des Landratsamtes mit Corona-Sitzordnung.

Die Kreisbehörde mit ihren insgesamt 1273 Mitarbeitern ist aufgrund der Corona-Pandemie seit vergangener Woche für den regulären Publikumsverkehr geschlossen und arbeitet überdies im reduzierten Betrieb: Rund 750 Mitarbeiter sind in Homeoffice, die Anzahl der Mitarbeiter im Gesundheitsamt wurde verdoppelt, wie Pressesprecherin Gisela Merklinger auf BT-Anfrage mitteilt.

„Die oberste Priorität ist der Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden. Wir wollen alles tun, um eine rasche Verbreitung des Coronavirus‘ zu verhindern“, verdeutlicht Gisela Merklinger. Nur in wirklich ganz dringenden Fällen und nach vorheriger Terminvereinbarung finden noch persönliche Kontakte im Landratsamt oder in einer der Außenstellen statt. Sie bewegen sich zwischen 30 und 50 am Tag – bei genauer Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Die meisten Kundenanliegen ließen sich ohnehin gut am Telefon oder über E-Mail bearbeiten, so Merklinger. Sollten Kunden dennoch ohne Termin oder ohne ein besonders dringendes Anliegen ins Landratsamt kommen, dann werden sie an der Eingangstür aufgeklärt, dass dies nicht möglich ist. Die abgewiesenen Personen hätten bislang alle Verständnis gezeigt, berichtet die Pressesprecherin.

Besonders stark gefordert ist aktuell das Gesundheitsamt, das nun im Zwei-Schicht-Betrieb arbeitet. Zu den Hauptaufgaben zählt die Ermittlung der Infektionsketten von Corona-Infizierten, mehr als 2000 Kontaktpersonen wurden bislang ermittelt. Um diesen immens hohen Rechercheaufwand bewerkstelligen zu können, wurden dem Gesundheitsamt 35 zusätzliche Mitarbeiter aus anderen Bereichen zur Verfügung gestellt, so Merklinger. Normalerweise sind dort 34 Mitarbeiter beschäftigt, inklusive der Außenstelle in Baden-Baden.

Gesundheitsamt wird von Anfragen „überrannt“

Neben der Ermittlung von Infektionsketten wird das Gesundheitsamt von Bürger-Anfragen förmlich überrannt. Normalerweise gehen bei der zentralen Telefonnummer 3810 etwa 250 Anrufe ein, in diesen Zeiten sind es mehr als 700, ein Großteil davon für das Gesundheitsamt. Dort sind mittlerweile zehn Hotline-Telefone für Anfragen besetzt.

Das Landratsamt beschäftigt 807 Mitarbeiter in Vollzeit und 466 in Teilzeit. Nach internen Absprachen in den jeweiligen Abteilungen sind nun 750 von ihnen bis zum 3. April in Homeoffice, danach sind die anderen Kollegen an der Reihe: „Wir müssen eine rollierende Reservemannschaft haben, um unsere Leistungsfähigkeit auf Dauer gewährleisten zu können“, verdeutlicht die Pressesprecherin der Kreisbehörde.

Etwa 60 Mitarbeiter befinden sich momentan in Quarantäne, weil sie entweder mit einem Corona-Infizierten Kontakt hatten oder zum Skiurlaub in einem Risikogebiet waren. „Zum Glück gibt es in unserer Mannschaft noch keinen Corona-Fall“, zeigt sich Gisela Merklinger erleichtert.

Deutlich reduziert ist das Kundenaufkommen in der Kfz-Zulassungsstelle in Rastatt, die mit ihren Außenstellen in Bühl und Gaggenau pro Tag rund 240 Kunden bedient. Derzeit sind es noch etwa 15 Kontakte, wobei es sich um Personen handelt, die zur kritischen Infrastruktur zählen.

Jeden Morgen kommt der Verwaltungsstab um 8.30 Uhr unter der Leitung von Sozialdezernent Stefan Biehl und Sébastien Oser vom Amt für öffentliche Ordnung im Kreistagssaal zur Lagebesprechung zusammen. Ein Vertreter des Klinikums Mittelbaden und der Polizei ist mit dabei, teilweise auch per Telefon zugeschaltet. Ein Vertreter des Gesundheitsamts informiert zunächst über die aktuelle Lage im Land und im Kreis, dann werden anstehende Entscheidungen getroffen.

Telefonkonferenzen mit den Bürgermeistern im Kreis

Mehrmals in der Woche finden zudem Telefonkonferenzen statt, an denen alle Bürgermeister im Kreis Rastatt teilnehmen, führt Gisela Merklinger weiter aus. „Die Kommunikation läuft sehr gut. Es ist wohltuend, dass wir hier bei den erforderlichen Maßnahmen gemeinsam vorgehen und uns gegenseitig unterstützen.“

Im Hinblick auf Kommunikation ist auch die Pressestelle während der Corona-Krise deutlich mehr gefordert. Mehr als 250 rechercheaufwendige Auskünfte mussten in diesem Monat erarbeitet werden, doppelt so viele wie in normalen Zeiten. Die veränderten Arbeitsbedingungen seien „ein Stresstest fürs Betriebsklima“, urteilt Merklinger. Doch dieser Test scheint sich in der Kreisbehörde positiv auszuwirken: „Die Arbeitsatmosphäre ist gut und es ist ein starkes Wir-Gefühl spürbar. Und das möchten wir auch unseren Bürgern vermitteln, dass sie sich gut bei uns aufgehoben fühlen.“