Ab Montag Wechselunterricht erwünscht

Stuttgart (bjhw) – Das Staatsministerium regelt die Pandemiepläne für Schulen neu. Kretschmann verweist auf eine Gefahr durch die Mutante.

Bildungsverbände und Elternvertreter fordern schon seit Monaten Wechselunterricht in den Klassen fünf und sechs. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Bildungsverbände und Elternvertreter fordern schon seit Monaten Wechselunterricht in den Klassen fünf und sechs. Foto: Patrick Pleul/dpa

Nicht mehr das Kultus-, sondern das Staatsministerium stellt die Weichen der Pandemiebekämpfung an Schulen neu. Ab Montag wird der über Monate von Bildungsverbänden und Elternvertretern geforderte Wechselunterricht in den Klassen fünf und sechs „zugelassen“, wie es heißt.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) argumentiert damit, wie sich Mutanten auch in Kitas und Schulen verbreiten. Er will nicht ausschließen, dass Lockerungen insgesamt wieder zurückgenommen werden müssen. Das Kultusministerium beharrt noch einmal darauf, dass die Schulöffnung am 15. März kein Fehler war, will sich aber zur Umsetzung des Wechselunterrichts nicht mehr äußern.

Wieso kann das Staatsministerium diese Entscheidungen treffen?
Nach Artikel 49 der Landesverfassung „bestimmt der Ministerpräsident die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung“. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist bis zum Ende der Legislaturperiode noch sechs Wochen im Amt. Vor der Landtagswahl hatte sie Wechselunterricht in den fünften und sechsten Klassen nicht ermöglicht. Die Bildungspolitiker der Grünen machten aus ihrem Ärger keinen Hehl, der Ministerpräsident ging einem offenen Streit aber aus dem Weg. Schon im Laufe dieser Woche und nach den ersten Rückmeldungen aus Schulen zeichnete sich ab, dass das Staatsministerium die heikle Frage der Unterrichtsorganisation in Pandemiezeiten an sich ziehen würde.

Wie sind die Reaktionen?
Bildungsverbände und Elternvertreter sind zufrieden mit dem Strategiewechsel. „Wir haben von vielen weiterführenden Schulen die Rückmeldung erhalten, dass Hygienekonzepte unter den Bedingungen vor Ort im vollen Präsenzunterricht kaum eingehalten werden können“, so Gerhard Brand, Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Wechselunterricht ist ja unser Thema seit Anfang November“, sagt die neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, „deshalb begrüßen wir es natürlich, wenn jetzt eine klare Regelung kommt.“

Für den Verein der Gemeinschaftsschulen verlangt Matthias Wagner-Uhl, der selber Rektor ist, mehr Freiheiten: „Wir halten die Option auf Wechselunterricht für sinnvoll und richtig, die Entscheidung dazu muss bei der einzelnen Schule und deren individuellen Rahmenbedingungen liegen.“

Welche Probleme sind durch den Präsenzunterricht für alle Fünft- und Sechstklässler aufgetaucht?
In vielen Schulen gibt es Raumengpässe, weil die ersten vier Klassen und neuerdings auch die fünften und sechsten sowie die vor einem Abschluss stehenden Jugendlichen in der Schule physisch anwesend sind, aber Abstand halten müssen. Pädagogen vermissen den Spielraum für die Fortsetzung des Fernunterrichts für solche Schüler und Schülerinnen, die gut mit ihm zurecht kommen. Außerdem war Ministerin Eisenmann schon in ihrem Wahlkampf mehrfach mit der Frage konfrontiert worden, wie Abschlussklassen vor Ansteckungen oder einer möglichen Quarantäne geschützt werden könnten. Konzepte gibt es bisher nicht.

Wie ist das weitere Vorgehen?
Das Staatsministerium muss eine veränderte Verordnung vorlegen, die Wechselunterricht ermöglicht. Zudem werden die Erfahrungen bis zum Beginn der Osterferien zusammengetragen. Für die Zeit danach wird entsprechend den Infektionszahlen über weitere Lockerungen nachgedacht. Wenn die Tests an allen weiterführenden Schulen funktionieren und möglichst viele Lehrkräfte geimpft sind, könnten auch die älteren Jahrgänge zumindest tageweise und geteilt wieder in den Präsenzunterricht.

Zum Thema: Maskenpflicht an Grundschulen

„Ich muss ganz offen sagen, wir haben vom Ministerium noch keine Informationen bekommen“, sagte der leitende Schulamtsdirektor Wolfgang Held gestern Nachmittag. Er habe zu dieser Zeit lediglich vom Regierungspräsidium gehört, dass eine geänderte Verordnung zu der am Donnerstag bekannt gegebenen Maskenpflicht an Grundschulen gestern noch folgen sollte, sagte Held. Auch wenn er die Verordnung selbst noch nicht gelesen hatte, war sich Held sicher: „Das Ministerium erwartet keine Umsetzung direkt ab Montag“, das wäre zu unrealistisch. Da weder das Schulamt noch die einzelnen Schulen in dessen Zuständigkeitsgebiet die Verordnung zum Unterrichtsende gestern zur Hand hatten, konnten die Lehrkräfte bisher keine Eltern informieren. „Die Kinder haben noch kein Schreiben für ihre Eltern mitbekommen“, sagte Held, schließlich habe auch er und somit alle Lehrkräfte bisher nur aus der Presse von der neuen Maßnahme gehört. „Offiziell“ werde die Ankündigung erst mit der Verordnung. Darum werde am Montag auch kein Grundschüler abgewiesen, der noch keine Maske trägt. Wie lange man da kulant bleibt, konnte Held allerdings noch nicht sagen.

Der Schulamtsdirektor machte außerdem auch auf Schüler aufmerksam, die aus medizinischen Gründen von der Maskenpflicht befreit werden müssen. In diesen Fällen müssten Eltern auch die nötige Zeit haben, um einen Nachweis beim Facharzt anzufordern.

Aufgrund der massiv angestiegenen Inzidenzwerte glaubt Held, dass die neue Regelung „von einer großen Anzahl der Eltern und Lehrer positiv aufgenommen wird“. Er vermutete außerdem, dass sie sich nicht stark von der für den Sekundarbereich geltenden Regelung unterscheidet.


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