Abenteuerliche Jagd nach Impfterminen

Durmersheim (HH) – Ein ehrenamtlicher Senioren-Helfer aus Durmersheimer berichtet von seiner schwierigen Jagd im Internet nach Impfterminen und dem Rollator-ungeeigneten Parkplatz in Rheinstetten.

Kahle Wiese: Auf dem Parkplatz des Impfzentrums in Rheinstetten kann es mit Rollatoren beschwerlich werden. Foto: Helmut Heck

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Kahle Wiese: Auf dem Parkplatz des Impfzentrums in Rheinstetten kann es mit Rollatoren beschwerlich werden. Foto: Helmut Heck

Schmutz an den Schuhen und Dreck am Auto waren Nichtigkeiten im Vergleich zu den anderen Ärgernissen, die Joachim Fischer bei unzähligen Versuchen Impftermine zu bekommen erlebt hat. Der Durmersheimer ist einer der Initiatoren und Leiter des Zirkels „Senioren im Netz 60+“, der ältere Menschen mit Computertechnik, Smartphones und Internet vertraut macht. Durch diese seit vielen Jahren betriebene ehrenamtliche Arbeit, die dem Familien- und Seniorenbüro der Gemeinde angegliedert ist, wurde Fischer zum viel gefragten Experten, wenn es um elektronische Kommunikationswege geht. So kam es, dass Corona-Impfungen zum Thema wurden, das ihn nun tagtäglich beschäftigt.
Die Anmeldesysteme seien für ältere Leute viel zu kompliziert, allein schon die schlechte Erreichbarkeit über Telefon oder Internet verursache viel Frust, kritisiert Fischer. Die Landesregierung lasse die Senioren im Regen stehen: „Die Leute fühlen sich allein gelassen“. Er merke das daran, dass bei ihm fast jeden Tag mindestens fünf bis sechs Anrufe ratloser, manchmal verzweifelter Menschen landen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Er und weitere Mitstreiter aus dem Computerkreis und die Mitarbeiterinnen des Seniorenbüros helfen, wo sie können. Die Unterstützung beginnt den Schilderungen zufolge bei der Jagd nach einem Impftermin. Am besten sei es, wenn für ein und dieselbe Person mehrere Helfer immer und immer wieder eine Buchung per Internet probierten.

Null Verständnis für Internet-Service


Nicht locker lassen, lautet die Devise. Bekomme man auf der Seite „www.impfterminservice.de“ endlich einen Termin angezeigt, solle man sich beim erwartungsvollen Eintippen der erforderlichen Angaben nicht zu früh freuen, hat Fischer gelernt: „Ist man mit den Fingern nicht schnell genug, kann es sein, dass man wieder rausfliegt“. Es sei vorgekommen, dass man nach dem Ausfüllen des Online-Formulars anstatt einer Bestätigung die Nachricht erhalten habe, der Termin sei anderweitig vergeben. Für diese Art von Service hat der Helfer null Verständnis. Dass ein am Beginn des Meldevorgangs offerierter Termin nicht blockiert werde, bis alle Daten eingegeben sind, sei „eindeutig ein Programmierfehler“, stellt Fischer fest, der in seinem Berufsleben mit eben diesem Arbeitsfeld befasst war.

Immerhin gelang es ihm bisher, für vier Personen einen Impftermin zu besorgen. Das jüngste Erfolgserlebnis liegt wenige Tage zurück. Es zeigt, dass sich beharrliches Probieren schneller lohnen kann, als man zu hoffen wagt. Vergangenen Sonntag, abends um 21.30 Uhr, spuckte die Impfservice-Homepage für eine 94-jährige Dame auf Fischers Warteliste einen Termin aus, und zwar gleich für den darauffolgenden Morgen, 9.30 Uhr, im Impfzentrum in den Messehallen in Rheinstetten.

Seniorenbüro organisiert Fahrservice

Für die Hochbetagte war dann alles klar. Fischer setzte sie umgehend in Kenntnis, fuhr sie am nächsten Tag hin und wieder nach Hause. Um die Beförderung müssen sich Impfkandidaten in Durmersheim dank der Kommune kein Kopfzerbrechen machen. Wie Monika Franzen vom Seniorenbüro auf Anfrage mitteilte, haben sich auf einen entsprechenden Aufruf unter dem Motto „Füreinander – Miteinander“ binnen weniger Tage 20 Hilfswillige und eine ganze Handball-Damenmannschaft bereit erklärt, ältere Mitbürger ehrenamtlich zur Impfung zu begleiten.

„Auf die Durmersheimer ist Verlass“, freute sich Franzen und berichtete von einer grundsätzlich großen Hilfsbereitschaft, die das Seniorenbüro in unterschiedlichen Anliegen immer wieder registrieren dürfe. Erwidert wird die Unterstützung mit Dankbarkeit, wie Fischer bei seinen Impfbetreuungen gespürt hat. Wenn es endlich geklappt habe mit dem Pieksen seien die Klienten dankbar und „absolut zufrieden“. Zur guten Stimmung trug den Eindrücken zufolge das Personal des Impfzentrums viel bei. Man werde „superfreundlich“ betreut, die Abwicklung gestalte sich angenehm und den Termin für die zweite Impfung werde an Ort und Stelle mitgegeben, lobt Fischer.

Nur der Parkplatz gefiel ihm gar nicht. Der Eingang zum Impfzentrum ist auf der Rückseite der Messehallen. Parken muss man gegenüber auf einer unbefestigten Fläche, die stellenweise matschig geworden ist. Mit Rollstuhl oder Rollator ist das Gelände nicht einfach zu begehen. Wenigstens wird keine Gebühr für das Autoabstellen verlangt. Derweil ist der große, asphaltiere Parkplatz vor dem Haupteingang der Messe nicht „belegt“, wie das Leitsystem anzeigt, sondern bei gähnender Leere gesperrt. Da auf dem Parkplatz-Provisorium hinten noch wenig Betrieb herrscht, halten sich die Beschwernisse bislang in Grenzen. Es bleibt halt Dreck an den Schuhen hängen, tags darauf ist es Schnee von gestern.

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Erstellt:
29. Januar 2021, 14:00 Uhr
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