Abgesang auf den Schwarzacher Männerchor

Rheinmünster (iru) – Zäsur beim MGV „Sängerbund“ Schwarzach: Der Männerchor beendet nach 163 Jahren seine aktive Gesangstätigkeit.

Ewald Seiler, Walter Jägel und Edelbert Frey (von links) werden mit Urkunden ausgezeichnet. Vorsitzende Ulrike Fischer und Bürgermeister Helmut Pautler gratulieren. Foto: Ruschmann

© Ingbert Ruschmann

Ewald Seiler, Walter Jägel und Edelbert Frey (von links) werden mit Urkunden ausgezeichnet. Vorsitzende Ulrike Fischer und Bürgermeister Helmut Pautler gratulieren. Foto: Ruschmann

Zäsur beim Männergesangverein „Sängerbund“ Schwarzach: Der Männerchor beendet nach 163 Jahren seine aktive Gesangstätigkeit. „Mit zehn Leuten lassen sich keine öffentlichen Chorauftritte mehr planen“, begründete Albert Küpferle den Beschluss der verbliebenen Sänger, wegen der geringen Anzahl von Mitstreitern mit dem Singen aufzuhören. Stattdessen sollen das 2015 gegründete gemischte Ensemble „SchwarzLicht“ und der neue Frauenchor „Canta-Bella“ den 1857 gegründeten Traditionsverein am Leben halten.

In seiner selbst als „Abgesang auf den Männerchor“ bezeichneten Erklärung nannte Küpferle mehrere Gründe für den aus Sicht der Sänger nicht abwendbaren Schritt zur Einstellung des geregelten Probenbetriebs. Neben der Ausdünnung des Sängerbestands durch Tod, Krankheiten oder Alter hätten gleich mehrere Leistungsträger dem Chor in den vergangenen fünf Jahren den Rücken gekehrt. Es lag schon ein wenig Verbitterung in den Worten des langjährigen Schriftführers, der eine Mitschuld für das Ende des reinen Männerchorgesangs unter anderem bei denjenigen suchte, die „nicht zum Verein zum Mitsingen gekommen sind“. Seinen letzten öffentlichen Auftritt wird der Chor am 28. März beim Jubiläumskonzert des Männergesangvereins Lichtenau haben. Danach soll es noch regelmäßige Treffen der verbliebenen Mitglieder im 14-tägigen oder monatlichen Rhythmus geben, hieß es.

Bürgermeister Helmut Pautler bezeichnete den Rückzug des Männerensembles als „markanter Einschnitt“ ins Vereinsleben. Noch gut könne er sich an das Ständchen nach seiner Wahl zum Bürgermeister vor mehr als 20 Jahren erinnern, als der Männergesangverein der örtlichen Feuerwehr und den Fußballern nicht nur beim Singen, sondern auch beim Freibiertrinken überlegen gewesen wären, so Pautler schmunzelnd. Dank, Respekt und Hochachtung zollte er denjenigen, die trotz der personellen Misere an Bord geblieben seien.

Mit Blick auf die großen Veränderungen gerieten die Tätigkeitsberichte zu den Vereinsjahren 2018 und 2019 fast zur Nebensache. Selbst das satte Minus von mehr als 2000 Euro in der Vereinskasse nahmen die wackeren Sänger recht emotionslos zur Kenntnis. In beiden Jahren gab es beim Männerchor jeweils 39 Proben. Rainer Nachbauer war mit insgesamt nur einem Versäumnis in den beiden Jahren bester Probenbesucher. Ihm folgten Ewald Seiler mit vier und Manfred Schuh mit fünf Versäumnissen. Die Probenfrequenz lag bei etwa 87 Prozent.

Vorstand fast komplett neu besetzt

Eine nahezu komplette Neubesetzung der Vereinsführung brachten die Neuwahlen. Zur ersten weiblichen Vorsitzenden in der 163-jährigen Historie des MGV „Sängerbund“ bestimmten die Mitglieder Ulrike Fischer, die als zweite Vorsitzende bereits kommissarisch den Verein geführt hatte. Als deren Stellvertreterin wählte die Versammlung Doris Eppinger. Für Albert Küpferle wird künftig Erika Fischer als Schriftführerin tätig sein. Neue Kassenwartin ist Sonja Wiegert. Sie löst Bruno Zeller, der seit Ende 2014 die Vereinsfinanzen führte, ab. Die Beisitzerposten mit jeweils eigenem Aufgabenfeld werden von Harald Fischer, Sabine Oesterwind und Wolfgang Fritz bekleidet. Gudrun Scherer und Liselotte Zink werden vor der nächsten Jahreshauptversammlung die Kasse prüfen.

„Uns lag am Herzen, dass der Verein weiterlebt“, betonte Chorleiterin Almut Grißtede mit Blick auf die Neugründung eines Frauenchors unter dem Dach des MGV „Sängerbund“. Die Werbekampagne im September letzten Jahres sei ein voller Erfolg gewesen, das 17-köpfige Ensemble „Canta-Bella“ bereite sich auf das erste öffentliche Konzert vor, konstatierte sie. Für ihre 40-jährige Mitgliedschaft erhielten Walter Jägel, Ewald Seiler und Edelbert Frey eine Ehrenurkunde. Max Ott, Helmut Friedmann, Roland Fritz und Wolfram Schwab, die nicht anwesend waren, wird die gleiche Ehrung nachgereicht.

Neben dem Konzert anlässlich des 140-jährigen Bestehens des MGV Lichtenau am 28. März plant der „Sängerbund“ Schwarzach am 25. April ein Whisky-Tasting, am 31. Oktober einen schottischen Genießerabend mit Gesang und kulinarischen Genüssen von der Insel und am 8. November einen Theaterabend. Zum Abschluss sang das Ensemble „Canta-Bella“ „Thank you for the Music“.

Ihr Autor

Ingbert Ruschmann

Zum Artikel

Erstellt:
5. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.