Abpfiff in Elchesheim spätestens 2022?

Elchesheim-Illingen (as) – Der Konflikt um die Sportstätte schwelt weiter: Die Gemeinde will dem Rot-Weiß die Nutzung des Fußballplatzes kündigen, der Verein lässt juristische Möglichkeiten prüfen.

Instandsetzen und mit Flutlicht ausstatten will die Gemeinde trotz allem den Sportplatz Illingen, wo die RWE-Jugendmannschaften trainieren. Foto: Frank Vetter

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Instandsetzen und mit Flutlicht ausstatten will die Gemeinde trotz allem den Sportplatz Illingen, wo die RWE-Jugendmannschaften trainieren. Foto: Frank Vetter

Die Sportstättenfrage, die Kommunalpolitik und Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim (RWE) seit 2013 beschäftigt, bewegt Elchesheim-Illingen auch 2021. Die Fronten scheinen dabei verhärteter denn je. „Eine Saison noch, dann müssen sie weichen“, kündigt Bürgermeister Rolf Spiegelhalder auf BT-Anfrage an. RWE-Vorsitzender Dieter Link wiederum lässt derzeit „unsere juristischen Möglichkeiten“ ausloten. Und in Stuttgart wird der Petitionsausschuss des Landtags noch im Januar entscheiden, ob das Petitionsverfahren wieder aufgerollt wird, nachdem Link Unterlagen nachgereicht hat (das BT berichtete).

Petitionsausschuss prüft Unterlagen

Das wäre laut Petitionsrecht nur möglich, wenn sich neue, wesentliche Gesichtspunkte ergeben, die bisher noch nicht bekannt waren, erläutert die Landtagspressestelle. Dieter Link ist beispielsweise nicht einverstanden mit der Aussage in der Petitionsentscheidung, dass es für das Gelände in Illingen kurz- und mittelfristig keine Planungen im Zusammenhang mit einer Dammrückverlegung gebe wie im Regionalplan von 2018 vorgesehen. „Das kommt doch trotzdem irgendwann, also kann man es doch bei der Sportstättenfrage nicht einfach außer acht lassen“, findet er. Weitere Knackpunkte sind für ihn das angebliche Druckwasserproblem in Illingen und die Verkehrsproblematik, die nicht gewürdigt worden sei.

Ob das ausreicht, um das Petitionsverfahren wieder aufzunehmen, wird der Petitionsausschuss nun prüfen, heißt es aus Stuttgart weiter. Sollte es dazu kommen, ist allerdings schon klar, dass das Thema nicht so bald behandelt werden kann, denn im März sind Landtagswahlen.

Bürgermeister Rolf Spiegelhalder jedenfalls kann keine neuen Aspekte erkennen. Der Petitionsausschuss habe die Rechtmäßigkeit der Ratsentscheidung im November 2020 bestätigt, dass die künftige einzige Sportstätte im Ort in Illingen sein soll (das BT berichtete). Der Gemeinderat verlange nun von ihm, den rechtmäßigen Ratsbeschluss umzusetzen. Denn man sei die „Blockadehaltung“ des Vereins leid: zwei Gesprächstermine, zu denen der Bürgermeister eingeladen hatte, verstrichen ungenutzt, und zu der Mediation, die der Verein immer gefordert hatte, sei Link nun nicht bereit.

„Wollen alle Punkte nochmal ansprechen“

Nach dem Grund dafür gefragt, erklärt dieser: „Wir wollen dabei alle Punkte nochmal ansprechen.“ Vorgabe der Gegenseite ist aber, dass nur über die Verlegung der Sportstätte nach Illingen gesprochen wird. „Aber es müssen doch alle strittigen Punkte erläutert werden, damit der Mediator dann einen Vorschlag unterbreiten kann, über den man diskutiert“, findet Link, Das habe er auch Michael Nusser in einem Telefonat dargelegt, den die Gemeinde als Mediator vorgeschlagen hat. Der Bürgermeister wiederum sieht keinen Anlass, „die Diskussion wieder bei null anzufangen“, da die Entscheidung zur Sportstättenverlegung für rechtmäßig erachtet worden sei.

Ob sein Vorgehen mit dem Vereinsvorstand abgesprochen ist, auf diese Frage antwortet Dieter Link nur: „Wir hatten bislang noch keine Sitzung, weil manchen die technischen Voraussetzungen dafür fehlen“, und Präsenzsitzungen seien coronabedingt derzeit nicht möglich. Er informiere immer alle per E-Mail oder Whatsapp, auch seinen Bruder Roland, der stellvertretender Vorsitzender ist. Aber eine richtige Diskussion könne das natürlich nicht ersetzen.

„Sobald es wieder möglich ist“, wolle man sich aber zu einer Vorstandssitzung treffen und auch eine Mitgliederversammlung solle dann stattfinden, betont er. Gemeinderat und Bürgermeister jedenfalls wundern sich schon seit Längerem, dass Link offenbar alleiniges Sprachrohr des RWE ist und sich niemand anders zu Wort melde, sagt Spiegelhalder. Er bedaure, dass kein Gespräch zustande kommt, denn „wenn man nicht miteinander redet, kommt man auch nicht weiter“.

Großer Verdruss im Gemeinderat

Inhalt des Gesprächs sollten auch Planungen für ein Funktionsgebäude in Illingen sein, das die Gemeinde zu bauen bereit gewesen wäre. Diesen Plan hat der Gemeinderat dann infolge der nicht vorhandenen Gesprächsbereitschaft aufseiten des RWE in einer Dezember-Sitzung ad acta gelegt. Spiegelhalder berichtet von großem Verdruss im Gremium und kündigt nun eine härtere Gangart an. Er habe vom Gemeinderat den einstimmigen Auftrag erhalten, dem Verein, der in der Landesliga spielt, die Nutzung des gemeindeeigenen Geländes in Elchesheim zum Ende der nächsten Saison zu kündigen. Das stehe kurz bevor, kündigt Spiegelhalder an. Hintergrund: Die Gemeinde habe keinen einzigen freien Bauplatz mehr, den sie anbieten könne, und benötige das Gelände an der Waldstraße dringend, für das bereits ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet wurde.

Unabhängig davon werde man jedoch den Fußballplatz in Illingen, auf dem schon jetzt die RWE-Jugendmannschaften trainieren, auf Kosten der Gemeinde entsprechend der aktuellen Standards herrichten und mit Flutlicht ausstatten. „Die Jugend soll nicht unter der Sache leiden“, tut Spiegelhalder die „einhellige Meinung des Gemeinderats“ kund.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar „Chance vertan“ von Anja Groß:

Neues Jahr, alter Knatsch in Elchesheim-Illingen. Wirklich überraschend ist das nicht, wenn man das Ringen um die Sportstättenfrage in den vergangenen sieben Jahren verfolgt hat. Auf der einen Seite ist da ein Vereinsvorsitzender, der partout nicht gewillt scheint, den gefassten Gemeinderatsbeschluss zu akzeptieren, auch wenn dessen Rechtmäßigkeit der Petitionsausschuss des Landtags jüngst bestätigt hat. Auf der anderen Seite stehen Bürgermeister und Gemeinderat, die mit massivem Druck nun vom Fußballverein eine Entscheidung erzwingen wollen. Das konnte ja nicht gut gehen.

Dabei hätte sich mit der Einschaltung eines Mediators jetzt endlich eine echte Chance aufgetan, die Kommunikation zwischen Gemeinde und Fußballverein wieder in Gang zu bringen und vielleicht doch noch zu einer für alle Seiten akzeptablen Lösung zu kommen.

Stattdessen zeichnet sich nun eher ab, dass das Ganze auch noch ein Fall für die Gerichte wird – Ausgang ungewiss, Zeitverzögerung gewiss.

Verlierer sind dann am Ende die, die am wenigsten dazu zu sagen haben: Die Sportler. Dabei fragt man sich zunehmend, wie die Mitglieder und auch der restliche RWE-Vorstand eigentlich zu den aktuellen Entwicklungen beim Thema Sportstättenverlegung nach Illingen stehen. Eine Mitgliederversammlung mit einer offenen Diskussion darüber scheint dringend geboten – sobald das coronabedingt wieder möglich ist.

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Erstellt:
16. Januar 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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