Abschied aus Sinzheim mit großen Zielen

Sinzheim (nie) – Pastoralreferentin Hannah Gniot verlässt die Seelsorgeeinheit Sinzheim/Hügelsheim. Ihre Stelle ist noch nicht nachbesetzt.

Bald schließt Pastoralreferentin Hannah Gniot die Tür zum Sinzheimer Pfarramt zum letzten Mal. Foto: Nina Ernst

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Bald schließt Pastoralreferentin Hannah Gniot die Tür zum Sinzheimer Pfarramt zum letzten Mal. Foto: Nina Ernst

Eine Ära geht im Sinzheimer Pfarrhaus zu Ende. Auch wenn es eine kurze war, war sie dennoch prägend für so manche Menschen, denen Pastoralreferentin Hannah Gniot begegnet ist. Denn sicher können sich auch noch viele an die „Frau von der Kirche“ erinnern, die einen selbst durch die Kindergarten- und Schulzeit begleitet hat.

Die Bezeichnung „Frau von der Kirche“ nimmt die sympathische 32-Jährige selbst in den Mund, und sie ist diese Frau gern, das merkt man ihr an. So hat sie doch der Kirche in der Stabsgemeinde und an sich ein Gesicht gegeben.

Und daher rührt auch ihre Intention, die Seelsorgeeinheit Sinzheim/Hügelsheim nach vier Jahren wieder zu verlassen. Kirche müsse auch in den Leitungsfunktionen so dargestellt werden, wie sie an der Basis aussieht, findet Gniot. Also nicht so sehr männerlastig, sondern: bunt und weiblich und männlich zugleich. „Wo stünden wir ohne Frauen in der Kirche?“, fragt sie, ohne jedoch die Rolle der Männer kleinreden zu wollen. Aber: „Kirche wird falsch repräsentiert.“ Und so fängt die gebürtige Karlsruherin am 1. September im Dekanat Heidelberg/Weinheim als Dekanatsreferentin an. Ihre Hauptaufgabe wird es sein, den Prozess „Kirchenentwicklung 2030“ als lokale Projektkoordinatorin zu begleiten. Hintergrund dieses Prozesses ist, so erläutert Hannah Gniot, „dass sich Kirche verändern muss“.

Viele schöne Erinnerungen

Es gebe immer weniger Hauptamtliche und daher immer größere Pfarreien. Durch die „Kirchenentwicklung 2030“ sollen Lösungen gefunden werden, wie man beispielsweise ganz praktisch die Firmvorbereitung dann regelt, wie man Ehrenamtliche einsetzt, was mit vorhandenen Pfarrhäusern passiert und ganz generell, welche neuen Strukturen geschaffen werden können.

Als sie 2017 in Sinzheim ihre erste selbstständige Stelle nach dem Studium antrat, habe sie nicht daran gedacht, nach vier Jahren wieder zu gehen. „Ich dachte, ich bleibe hier jetzt erst einmal die nächsten zehn Jahre“, schmunzelt sie. Und so ganz ist sie auch noch nicht auf den Abschied vorbereitet, sie „leugnet“ ihn noch, das merke sie. Denn es seien vor allem die Menschen vor Ort, die sie im Herzen behalten werde. Sie sei auf großes Verständnis für ihren Antrieb zur Kirchen-Weiterentwicklung gestoßen, gleichzeitig sei der Abschiedsschmerz sehr groß. Und auch an so mach einen Höhepunkt denkt sie gern zurück: Diverse Ferienlager, eine Romwallfahrt gleich in ihrem ersten Jahr, Firmvorbereitungen unter Corona-Bedingungen, Open-Air-Gottesdienste oder auch Kino-Gottesdienste. Denn manches Mal eigne sich ein Hollywood-Blockbuster einfach gut, um die Botschaft Gottes zu vermitteln. So ist Hannah Gniot nämlich überzeugt, dass man die Menschen dort abholen müsse, wo sie stehen, und „nicht immer ist Kirche gut verständlich“. Sie sei unheimlich gern in die Kindergärten und die Realschule gegangen, und auch die Residenzpflicht – sie wohnte in Winden – hat sie als wohltuend wahrgenommen, da man den Menschen im Ort auch außerhalb beruflicher Kontexte begegnen konnte. Nun verlässt die studierte Theologin eine, wie sie findet, „unglaublich lebendige Gemeinde“ – mit großen Zielen: Kirche so weiterzuentwickeln, dass irgendwann keine Regenbogenfahnen mehr aufgehängt werden müssen, denn Vielfalt „sollte selbstverständlich sein“.

Suche nach kreativen Lösungen

Vielfältig kreativ geht man auch gerade in der Pfarrgemeinde die Frage an, wie die Aufgaben der Pastoralreferentin aufgeteilt werden können. „Das Seelsorge-Team ist gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat und den Verantwortlichen aus Freiburg dabei Lösungen für die offenen Aufgaben zu finden“, erläutert Hannah Gniot vor ihrem Abschied. Ihre Stelle direkt konnte nämlich noch nicht nachbesetzt werden.

Beim Laurentiusfest in Hügelsheim wurde Hannah Gniot bereits offiziell verabschiedet.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
30. Juli 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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