Abschied beim Musikverein Sinzheim

Sinzheim (vsa) – Beim Musikverein Sinzheim gibt Patrick Pirih den Dirigentenstock ab. Mit viel Hingabe und stets auf Augenhöhe war er 24 Jahre für die Musik aktiv.

„Mein Lieblingsinstrument bis heute“, sagt Patrick Pirih über die Tuba. Foto: Alois Huck

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„Mein Lieblingsinstrument bis heute“, sagt Patrick Pirih über die Tuba. Foto: Alois Huck

Beim Musikverein Sinzheim (MVS) geht dieser Tage eine 24-jährige Ära zu Ende. Patrick Pirih, der 1997 die Leitung der Jugendkapelle übernommen hat, sagt mit einem weinenden und einem lachenden Auge dem MVS „Adieu“. An diesem Sonntag, 19. September, um 17 Uhr verabschiedet er sich im Hof der Sinzheimer Grundschule mit einem Konzert vom MV Sinzheim, seiner Jugendkapelle und Freunden der Blasmusik. „Mit Mitte 50 will ich nun etwas kürzer treten“, sagt Patrick Pirih, der seit über 17 Jahren mit einem Spenderherz lebt. Als Dirigent von zwei Blasorchestern und bisher drei Jugendkapellen sei er ordentlich beansprucht, denn jede Kapelle sei eine Herausforderung für sich.

Die Liebe zur Blasmusik entdeckte der 1965 in Baden-Baden Geborene mit elf Jahren und trat als einziger von sechs Enkeln in die „Blasmusiker-Fußstapfen“ seines Opas. Beim MV Lichtental lernte der Realschüler Trompete spielen und blies als 16-Jähriger die Tuba. „Mein Lieblingsinstrument bis heute“, strahlt er. Nach dem Realschulabschluss wurde Pirih von der Deutschen Bundespost für den Mittleren Dienst als Postbeamter eingestellt. Seinen Wehrdienst absolvierte er nach einer Aufnahmeprüfung beim Luftwaffenmusikkorps II in Karlsruhe. Dann führte ihn seine musikalische Laufbahn als Tubist zum MVGeroldsau, bei dem er viele Jugendliche an verschiedenen Instrumenten ausbildete. „Als Autodidakt habe ich mich ständig weitergebildet“, erinnert er sich und gibt zu, dass er viel Lehrgeld bezahlte.

Neue Ideen und Überzeugungskunst

Als Pirih in der Sinzheimer Poststelle Dienst tat, wurde er eines Tages vom MVS-Musiker und Jugendausbilder Fridolin Boos angesprochen, ob er beim MVS als Ausbilder tätig werden wolle. Auch durch seine Freundschaft zum damaligen MVS-Dirigenten Herbert Beyer bildete nun Patrick Pirih nicht nur Jugendliche aus, sondern übernahm auch als Dirigent der Jugendkapelle. Mit neuen Ideen und seiner sprichwörtlichen Überzeugungskunst sowie seinem Einfühlungsvermögen begeisterte er schnell die jungen Leute. Darunter auch Simon Huck, den jetzigen Dirigenten des MVS. „Ohne meine Ausbildung bei Patrick wäre ich kein Blasmusiker geworden“, denkt Huck mit Dankbarkeit 20 Jahre zurück.

Als das Herz des Vollblutmusikers ihm förmlich „das Leben schwer machte“, durchschritt er mit seiner Familie und dem MVS gemeinsam eine schwierige Zeit. „Ich rechne es dem Verein mit dem damaligen Vorsitzenden Uwe Schnurr hoch an, dass er mich nicht fallen ließ“, erinnert er sich dankbar. Als er die Monate nach der Herztransplantation glücklich überstanden hatte, konnte er zwar seinen Beruf nicht mehr ausüben, aber bald wieder seine Aufgaben im Bereich Blasmusik wahrnehmen.

Besonders stolz aufs Muttertagskonzert

„Den Kindern und Jugendlichen begegnete ich immer auf Augenhöhe“, das sei eines seiner Erfolgsgeheimnisse gewesen. „Viel loben und immer wieder motivieren, auch wenn es mal nicht so gut lief.“ Dabei dürfe der Spaß nicht zu kurz kommen. Die Ausbildung in der Jugendkapelle mit Auftritten bei Konzerten oder den „Heckefeschde“ sei auch die Vorbereitung für den Eintritt in das Stammorchester des Vereins.

Derzeit gehören 45 Kinder und Jugendliche der Jugendkapelle an. Der „Zuwachs“ erfolge seit einigen Jahren durch die Kinder, welche zwei Jahre lang bei Cindy Huck in der Bläserklasse das Ensemblespiel gelernt und geübt haben.

In den 24 Jahren beim MV Sinzheim habe Patrick Pirih immer offene Ohren gefunden. So auch als er vor 20 Jahren das Muttertagskonzert auf dem Rathausplatz einführte, auf das er besonders stolz ist. Dankbar sei er vor allem seiner Frau und seinen beiden Kindern, die ihn immer getragen hätten.

Die fruchtbare Zusammenarbeit bestätigen auch der MVS-Vorsitzender Ralf Schmidt und sein Vorgänger Alois Huck: „Patrick hat die Jugendarbeit des Vereins perfekt mitgestaltet und vorangebracht. Die Zusammenarbeit war gegenseitig immer fordernd und fördernd. Und so kann er mit stolz auf seine jahrzehntelange Arbeit den Taktstock an Lilia Jones González weiterreichen. Natürlich respektieren wir seine Entscheidung und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin Gesundheit und viel Freude an der Blasmusik“, so Schmidt.

Auf das Abschiedskonzert dürfen sich die Besucher besonders freuen. Das MVS-Team hält Erfrischungsgetränke bereit, es gilt die 3G-Regel. Bei sehr schlechtem Wetter kann das Abschiedskonzert leider nicht stattfinden. Neben populären Melodien, in denen auch verschiedene Solisten ihr Können zeigen, wird Pirihs Tochter Jasmin bei „Weinende Trompeten“ das Trompetensolo spielen. Vermutlich wird dabei ihr Vater und auch Konzertbesucher so manche Träne verdrücken.

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Erstellt:
16. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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