Abschied des Stimmenkönigs „herb“ für die CDU

Loffenau (ham) – Bertram Herb war trotz „Frechheiten, Respektlosigkeiten und anderen Ärgernissen“ fast 23 Jahre lang gerne im Loffenauer Gemeinderat. Am Dienstag wurde er verabschiedet.

Das Loffenauer Gemeinderats-Urgestein Bertram Herb geht, Ramona Oertel rückt dafür bei der CDU nach und soll den Webauftritt ihrer Partei verjüngen. Foto: Stephan Juch

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Das Loffenauer Gemeinderats-Urgestein Bertram Herb geht, Ramona Oertel rückt dafür bei der CDU nach und soll den Webauftritt ihrer Partei verjüngen. Foto: Stephan Juch

„Unser CDU-Stimmenkönig tritt nach fast 23 Jahren ab“, bedauerte gestern Abend Sylvia Westermeyer. Die Fraktionssprecherin der Christdemokraten im Gemeinderat bezeichnete den „Verlust für unsere Fraktion“ als „herb“. Bertram Herb hatte seine Partei gebeten, es bei seiner Verabschiedung bei zwei Sätzen zu belassen – doch angesichts des Engagements ihres langjährigen Vorgängers ignorierte Westermeyer den Wunsch.

Derlei hat der Gepriesene sicher nicht unter den „Frechheiten, Respektlosigkeiten und anderen Ärgernissen“ subsumiert, die Herb in seiner Abschiedsrede kurz monierte. Die Freude an dem Mandat wurde ihm damit nicht vergällt, denn „wer das nicht aushält, der hört spätestens nach fünf Jahren wieder auf oder wird nicht wiedergewählt“, erweist sich der 61-Jährige als hartleibig.

Herb war, wie er gestern unterstrich, „gerne Gemeinderat. Nach meiner ersten Wahl 1999 wurde ich in der Presse als Shootingstar bezeichnet – was mir eher peinlich war“. Obwohl nur „Hinterbänkler“, habe er jedoch „in den Fraktionssitzungen bereits großen Einfluss nehmen“ dürfen und sei so über die Jahre „ins Amt hineingewachsen und war dann irgendwann Fraktionssprecher und Bürgermeister-Stellvertreter“. So lernte Herb „viele interessante Leute kennen und habe auch fürs Leben dazugelernt“, überwogen für das Mitglied des Bau- und Liegenschaftsausschusses die Sonnen- eindeutig die Schattenseiten. Zu Letzteren zählte auch der Sturm „Lothar“, der den beschlossenen Waldwirtschaftsplan 2000 kurz danach über den Haufen warf und „den größten Schaden in der Geschichte des Loffenauer Walds anrichtete“, erinnerte Bürgermeister Markus Burger an eine der ersten Entscheidungen des Newcomers.

Zerrung beim Probekick auf Kunstrasen

Vor allem aber „konnten wir zahlreiche Objekte auf den Weg bringen, von denen die Gemeinde noch heute profitiert“, meinte Herb. Während sich der 61-Jährige bei seiner letzten Rede im Gemeinderat auf Zukunftsprojekte konzentrierte, zählten Burger und Westermeyer ein „paar ganz wesentliche Punkte“ seiner Ära auf: der erste Ausbau der Ortsdurchfahrt anno 2001, der nun in einer Woche laut Burger mit dem vierten Ausbau seinen Abschluss findet, oder den Sportplatz-Neubau 2006 mit Kunstrasenplatz. Der Weg dahin war schmerzvoll für den Gemeinderat aus Leidenschaft. Beim Probeschießen auf einem anderen Kunstrasenplatz, erzählte Westermeyer schmunzelnd, hatte sich das Vorstandsmitglied des TSV Loffenau im Vorfeld des Neubaus eine Zerrung zugezogen ...

Zahlreiche Bauprojekte im Ort waren eine Herzensangelegenheit, um die Einwohnerzahl und die Infrastruktur in dem kleinen Dorf „stabil zu halten“. Den ortsbildprägenden Senioren-Neubau Löwen gestaltete Herb als Architekt sogar mit.

Entsprechend plädierte er bei seinem Blick in die Zukunft für neue Bauplätze, Sanierungsmaßnahmen für die Immobilien der Gemeinde sowie die Instandhaltung und „Schaffung neuer Refugien für unsere Gäste und die eigenen Bürger“, die in einer „traumhaften Landschaft leben“. Angesichts klammer Kassen sei Kreativität gefragt. Bürgermeister Burger, wünscht der altgediente Gemeinderat, der bei seiner fünften erfolgreichen Kandidatur mit 1.009 Stimmen das drittbeste Ergebnis im Gremium erzielt hatte, eine Vervollständigung seines Rathaus-Personals. Danach könne der Schultes sich „wieder voll seinem Amt widmen, das er immer besser und hoffentlich noch lange für unsere Gemeinde ausführt“.

Das Lob gab Burger an den langjährigen Kassierer des TSV Loffenau zurück, den er daher vor seiner Wahl zum Bürgermeister früh kennenlernte. Auch als „äußert engagierten Gemeinderat, der stets die beste Lösung im Blick hatte und auch bei strittigen Themen den Kompromiss gesucht hat“, pries das Ortsoberhaupt Herb: „Deine Wortbeiträge waren immer geprägt von hohem Sachverstand und Sachlichkeit.“

Ramona Oertel rückt nach

Burger hätte den CDU-Lokalpolitiker gerne zum Abschied mit der Ehrennadel in Silber geehrt, doch diese habe Herb bereits zum 20-jährigen Jubiläum als Gemeinderat 2019 ebenso erhalten wie die Ehrenstele des Gemeindetags. Die Ehrennadel in Gold sei noch „2,5 Jahre entfernt. Da stellt sich mir die Frage: Willst du dir es nicht noch einmal überlegen? Nein, Spaß beiseite“, scherzte der Bürgermeister, bevor er Herb im Namen der Gemeinde und der gesamten Gemeindeverwaltung „von Herzen“ dankte.

Die beliebte Frage an scheidende Räte „Wird’s dir dann nicht langweilig?“ stellte sich der engagierte Vereinsmensch selbst und beantwortete sie gestern Abend postwendend: Als Architekt möchte er gerne noch etwa zehn Jahre lang arbeiten und zusätzlich seine Frau Susanne bei der Betreuung ihrer Ferienwohnungen unterstützen. Bei seinem Hobby Fotografieren und Filmen mit Smartphone oder Flugdrohne befinde er sich „noch in der Lernphase. „Für das Wandern habe ich mir extra das Knie operieren lassen, und das Fahrradfahren funktioniert jetzt noch besser. Dies alles lässt sich hervorragend kombinieren mit Ausflügen, Reisen sowie kurzen und längeren Urlauben“, schloss Herb. Nicht zu vergessen die „Opa-Pflichten“, die laut Westermeyer alsbald für ihn anstehen. Sie übergab dem angesehenen Ratsmitglied einen Gutschein von allen Fraktionen, denen der 61-Jährige für den „überwiegend fairen und freundlichen Umgang“ dankte.

Mit Freude nimmt Herb zur Kenntnis, dass die CDU nun wie die anderen Fraktionen im Rat mit Ramona Oertel eine junge Nachrückerin bieten kann. Westermeyer pflichtete bei, zeige sich Oertel doch „seit Längerem sehr engagiert“. Die mit 336 Stimmen auf Platz fünf innerhalb der CDU gelandete Wirtschaftsingenieurin soll unter anderem dafür sorgen, dass die Partei in den sozialen Medien „besser vertreten“ ist.


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