Abschied im Café Pagodenburg

Rastatt (ema) – Das Ehepaar Hauns gibt zum Jahresende das Café-Restaurant Pagodenburg auf. Die Stadt sucht einen neuen Pächter.

Fast wie in der Geschirrabteilung: Michael und Ingrid Hauns verkaufen in den letzten Wochen das Inventar. Foto: Frank Vetter

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Fast wie in der Geschirrabteilung: Michael und Ingrid Hauns verkaufen in den letzten Wochen das Inventar. Foto: Frank Vetter

Wo noch vor wenigen Wochen der Duft von frischem Kaffee und der Klang von Kuchengabeln auf Porzellantellern in der Luft lag, sieht es aus wie in einem Haushaltswarengeschäft. Das Restaurant-Café Pagodenburg am Fuße des Rastatter Wasserturms schließt zum 31. Dezember seine Pforten. Seit über 60 Jahren betreibt die Familie Hauns das Café. Nun verkaufen die Pächter Michael und Ingrid Hauns das Inventar.
„Wir haben uns das schon anders vorgestellt; es ist jetzt etwas freudlos“, sagt Michael Hauns, während er zwischen aufgestapelten Tellern und überdimensionalen Kochtöpfen sitzt. Der Konditormeister und seine Frau Ingrid wollten das Ende ihres 24-jährigen Engagements in dem beliebten Restaurant-Café an Silvester begehen. „Mit Stammgästen und dem Personal es noch mal richtig krachen lassen“, sei der Plan gewesen. Traurig und bedauerlich nennt Hauns die Tatsache, dass sie sich jetzt nach so vielen Jahren nicht gebührend von den vielen Stammgästen verabschieden können.

„Alles muss raus„

Dass an Silvester Schluss ist, das haben Ingrid und Michael Hauns bereits im vergangenen Jahr beschlossen (wir berichteten). „Die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Wir gehen mit Corona, nicht wegen Corona“, betont Hauns. Die Gastronomie hangele sich wegen der Pandemie und der daraus resultierenden ungewissen Zukunft von Ast zu Ast, beschreibt Hauns, wie er die Situation sieht.

Nun also der Ausverkauf des Inventars. Vom Kaffeelöffel über komplette Service, Kochtöpfe bis hin zu den Kühlhäusern. „Ein Leerverkauf“, scherzt Michael Hauns. „Alles muss raus.“ Tausende Einzelteile, schätzt er. Nun öffnet das Café Pagodenburg jeden Tag um 13 Uhr als Resterampe. Und die Kunden kommen. Stammgäste, aber auch Menschen, die keine engere Bindung zu dem Traditionsbetrieb haben. Oft höre man, dass es eine gute Gelegenheit sei, recht günstig endlich wieder zusammenpassendes Geschirr und Gläser zu kaufen, erzählt Hauns.

Für ihn sei das jetzt eine ganz neue Erfahrung, so nah an den Kunden zu sein. Früher sei er eben immer in der Küche gestanden, Gattin Ingrid sei sozusagen die Außenministerin gewesen, lachen die beiden. Der Verkauf mache Spaß, sind sie sich einig. Besonders, wenn sich die Käufer dann über ihre Schnäppchen freuen. Wie Marion Pfeffinger, die mit ihrer Tochter Angelina am Stöbern ist. „Ich liebe Geschirr und Chichi“, lacht sie und entdeckt viereckige Essteller. Die fehlten ihr noch. „Bin voll glücklich“, versichert sie auf die Frage, wie es ihr denn mit ihrer „Beute“ nun ginge.

Wenn das Inventar verkauft ist, wird im Januar noch aufgeräumt, dann heiße es nur noch: „Strom ablesen und den Schlüssel abgeben“, beschreibt Hauns das endgültige Finale. Er werde dann erst einmal die angenehme Situation genießen, den Tag so vor sich hinplätschern zu lassen, sagt der 62-Jährige. Dann werde man sehen. Gattin Ingrid lacht: „Ich bin ja schon Teilrentnerin.“ Und wenn dann die Türe das letzte Mal abgeschlossen ist, müsse sie das alles erst mal setzen lassen.

Dazu, wie es mit dem Café samt der vielleicht schönsten Terrasse in Rastatts Gastronomie weitergeht, teilt die Stadt Rastatt als Eigentümerin der Immobilie mit, es liefen konkrete Gespräche mit einem potenziellen Pächter. Angestrebt sei eine gastronomische Nutzung. Vor einer Wiedereröffnung müssten jedoch „umfangreiche Sanierungsarbeiten und technische Aufrüstungen umgesetzt werden.“ Daher werde es mit Sicherheit keinen nahtlosen Übergang geben können, so die Pressestelle.


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