„Abschiedskonzert“ für Chefdirigent Baleff

Baden-Baden (cl) – Mit Frohsinn und Hintersinn geht Pavel Baleff in sein „Abschiedskonzert“ am Freitagabend: Der Chefdirigent verlässt nach 15 Jahren die Philharmonie Baden-Baden.

Abschied von der Philharmonie Baden-Baden: Chefdirigent Pavel Baleff zieht es nach Nordhausen in den Harz und nach Limoges in Frankreich.  Foto: Bernhard Margull/Archiv

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Abschied von der Philharmonie Baden-Baden: Chefdirigent Pavel Baleff zieht es nach Nordhausen in den Harz und nach Limoges in Frankreich. Foto: Bernhard Margull/Archiv

Abschied ohne Wehmut: Nach 15 Jahren geht das Engagement des bulgarischen Dirigenten Pavel Baleff als Chef am Pult der Philharmonie Baden-Baden zu Ende. Als fordernder und begeisternder Chefdirigent hat er die Philharmonie zu einem auch international gefragten Klangkörper geformt – und als Begleitorchester von Klassikstars wie Anna Netrebko oder Placido Domingo etabliert. Das letzte Sinfoniekonzert der Saison am Freitagabend im Weinbrennersaal des Kurhauses ist Baleffs „Abschiedskonzert“ als Chefdirigent der Philharmonie, auch wenn er am 30. Juli noch einmal bei der „Philharmonischen Parknacht“ in Aktion tritt.

Für sein „Abschiedskonzert“ hat er sich Haydns 45. Sinfonie in fis-Moll, die „Abschiedssinfonie“ mit Überraschungseffekt, ausgesucht. „Es ist mein Wunschprogramm und soll Spaß machen“, sagt Pavel Baleff im Interview mit dieser Zeitung – „und jeder soll für sich selbst darin eine Botschaft erkennen“, fügt er hinzu. Haydns „Abschiedssinfonie“ beinhaltete bei der Uraufführung eine Protestaktion gegen den Fürsten Esterhazy, wobei die Musiker nach und nach ihre Instrumente niederlegten und gingen. Das spielt offenbar darauf an, dass es hinter den Kulissen in der Baden-Badener Philharmonie zuletzt größere Unmutsbekundungen, was die Zusammenarbeit mit Baleff betraf, gegeben hat, so dass Teile des Orchesters hinter ihm standen und andere nicht.

Der Hintersinn passt zu Baleff. Mit Witz, Musizierlust, einer großen Emotionalität und musikhistorischem Wissen, mit dem er alljährlich Dutzende herausfordernde Programme zusammenstellte, versuchte Baleff auch stets, die Klassik und ein Stückweit zeitgenössische Musik mit Details und Pointen in den Moderationen ans Publikum zu bringen. „Wenn man die Klassik erklärt, dann findet sie auch beim Publikum ihren Anklang“, davon ist Baleff überzeugt – Programmen etwa mit bekannten deutschen Romantikern auch unbekannte Komponisten hinzuzufügen, war ihm wichtig. „Wir können nicht nur Walzer und Polka spielen“, sagte Baleff jüngst – „wir wollen auch beweisen, dass wir in allen Richtungen zu Hause sind.“ Wenngleich er gerne mal eine „Offenbachiade“ zusammenstellt. „Wir sollten nicht vergessen, dass das Publikum kommt, um sich zu amüsieren“, so sein Credo. Mit CD-Produktionen, wie jüngst zur Wiederentdeckung des Strauss-Zeitgenossen Egon Gabler, feilte er an Spieltechnik und Klangkultur der Philharmonie weiter.

„Orchester nach vorne zu bringen, war das Ziel meines Lebens“

„Das Orchester nach vorne zu bringen, war das Ziel meines Lebens“, sagte Baleff bei Bekanntwerden seines Ausscheidens Ende 2019. Das sei ihm gelungen. Er hat das bei seiner Amtsübernahme damals in der D-Klasse spielende Orchester von Baden-Baden nun als B-Klangkörper positioniert – mit der entsprechenden höheren Anzahl von Musikern. Eine Privatstiftung ermöglichte die Höhergruppierung auch finanziell. Neben ihren Aufgaben in ihrem Domizil im Weinbrennersaal und rund ums Kurhaus gab die Philharmonie auch viele Gastspiele unter Baleff oder wurde vom Festspielhaus angefragt. Auch Baleff selbst hat stets Gastengagements an Häusern angenommen, etwa als Dirigent an der Wiener Staatsoper oder bei einer Konzerttournee der Sopranistin Diana Damrau.

Baleff geht die Musik ins Blut; bei den Konzerten geht er temperamentvoll mit durch die Partitur – und seine hell leuchtende Mähne tänzelt dabei im Scheinwerferlicht. Zuletzt trug ihn diese Energie durch die Pandemiezeit: mit Kammerkonzerten und Open-Air-Programmen in der Wandelhalle der Trinkhalle, einschließlich Motorgeheul von provozierenden Posern in der Kaiserallee. Ab Herbst wird der 52-jährige Baleff zwei neue Ämter antreten, als Musikdirektor an der Oper Limoges im französischen Zentralmassiv und als Generalmusikdirektor des Theaters Nordhausen und des Loh-Orchesters Sondershausen im Südharz. Alle drei Sparten zu dirigieren – Konzert, Oper und Ballett – , erwarte man heutzutage von einem Dirigenten, so Baleff. Diese Möglichkeit habe er jetzt.

Doch ganz geht er nicht weg aus Baden-Baden. Bis 2027 wird er als „Gastdirigent in Residence“ für fünf Konzerte pro Jahr am Pult der Philharmonie stehen – und wohnen bleibt er, der zuvor an der Oper in Halle engagiert war, auch hier mit seiner Familie.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
29. April 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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