Abschiedssommer im Forellenhof – und dann geht es weiter

Baden-Baden (hol/vr) – Es gibt Wirbel um den Forellenhof: Die Pächter hören Ende Oktober auf. Die Eigentümer suchen schon nach einem Nachfolger. Im Hintergrund gibt es Streit ums Geld.

Nicht nur bei der Oldtimer-Szene ist der Forellenhof eine gefragte Adresse. Die derzeitigen Pächter werden Ende Oktober aufhören. Foto: Rechel

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Nicht nur bei der Oldtimer-Szene ist der Forellenhof eine gefragte Adresse. Die derzeitigen Pächter werden Ende Oktober aufhören. Foto: Rechel

Nun ist die Katze aus dem Sack: Am 24. Oktober endet im Forellenhof eine Ära. Die Pächter Oliver Vetter und Madeleine Holl hören auf. Der Eigentümer hat den Vertrag gekündigt – bereits im vergangenen Jahr. Grund für die Trennung: ein Streit ums Geld.

Die Nachricht schlug in der Kurstadt ein wie eine Bombe: Schlussstrich am Forellenhof. Vom Ende des mehr als 100 Jahre alten Traditionshotels am Oberlauf der Oos war die Rede, von Verkaufsabsichten der aus Aserbaidschan stammenden Eigentümer. Doch so weit kommt es wohl nicht. Den Forellenhof wird es auch künftig geben. Die Eigentümer wollen das gastronomische Ziel nicht aufgeben, sind auf der Suche nach Nachfolgern. „Das Haus soll auf dem gleichen Niveau weiter geführt werden wie bisher“, sagt der Baden-Badener Rechtsanwalt Alex Dubrowsky, der die Besitzer vertritt. Ein Verkauf sei nicht geplant.

Kaufinteressenten stehen Schlange

Dabei ist das Interesse an der Immobilie groß. Nach dem Bericht im BT über das drohende Ende des Hauses sei bei den Besitzern das Telefon nicht stillgestanden, sagt Dubrowsky. Makler und Kaufinteressenten hätten sich gemeldet. Doch sie bekamen alle dasselbe zu hören. „Mein Mandant will nicht verkaufen“, so der Jurist. Und auch die kürzlich bei einer Brandverhütungsschau entdeckten Mängel – „alles Lappalien“, wie Dubrowsky sagt – werden behoben. „Wir stehen in gutem Kontakt mit der Verwaltung über das Thema“, sagt er. Der jetzige Pächter werde das Problem im Auftrag der Eigentümer regeln. Der Weiterbetrieb des Hauses sei aber zu keiner Zeit gefährdet gewesen.

Weiter wird es wohl auch für Oliver Vetter und Madeleine Holl gehen. Die Zeichen stehen gut, dass die beiden Baden-Baden nicht verlustig gehen. „In den zwölf Jahren, die ich jetzt hier lebe, ist mir die Kurstadt sehr ans Herz gewachsen“, sagt Vetter und lässt durchblicken, dass er auch nach der Trennung vom Forellenhof der Gastro-Szene an der Oos treu bleiben möchte. Und bis dahin? Vetter hofft, den Forellenhof spätestens zu Ostern aus dem Lockdown führen zu können. „Wir möchten mit unseren Gästen zum Abschied noch einen schönen Sommer erleben.“ Am 24. Oktober sind Hotel und Restaurant dann zum letzten Mal unter der derzeitigen Führung geöffnet, damit am 31. Oktober alles reibungslos übergeben werden kann.

Schriftwechsel füllt einen Aktenordner

Alles in Butter? Nicht wirklich, denn im Hintergrund brodelt es zwischen Eigentümer und Pächter – und das führte letztlich zur Trennung. Beide Seiten stellen die Probleme unterschiedlich dar. Vetter spricht von einem enormen Investitionsstau. Öltanks und Aufzugsanlage entsprächen nicht dem Sicherheitsstand. Auflagen von Stadt und Feuerwehr hätten immer mehr Probleme bereitet. „Weder die Inhaber noch wir konnten weiter investieren“, sagt Vetter. Immerhin hätten die Eigentümer nach dem Kauf 2007 rund 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Hauses investiert und ihnen dadurch einen guten Start ermöglicht. Und auch „wir haben viel Herzblut und Energie in das Objekt gesteckt“, sagt er. Das bewiesen viele Anrufe ihrer Stammgäste nach dem BT-Bericht kürzlich – darunter der einer 94-Jährigen, die in den vergangenen fünf Jahren alle Feste im Forellenhof gefeiert habe und bereits ihren 95. Geburtstag hier geplant hatte.

Laut Dubrowsky hingegen gibt es seit Monaten Streit ums Geld. Die Pächter hätten im Auftrag der Eigentümer einen „32-Punkte-Plan“ abarbeiten sollen, um unter anderem Brandschutzauflagen zu erfüllen, sagt er. Die Kosten in Höhe von etwa 50.000 Euro sollten abgerechnet werden. Der Pächter habe das Geld mit der Miete verrechnet. Über die Höhe der Abrechnungen sei man sich nicht einig geworden. Der Schriftwechsel über das Problem fülle mittlerweile einen Aktenordner. Dubrowsky und ein Kollege, der die Pächter vertritt, arbeiten an einer außergerichtlichen Einigung. Dass Pächter und Eigentümer ab Herbst getrennte Wegen gehen, sei wohl aber nicht mehr zu ändern, meint der Anwalt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann und Veruschka Rechel

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Erstellt:
2. Februar 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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