Abstand halten – und trotzdem zusammenrücken

Rastatt (dm) – Die Stadt Rastatt stellt auf Notbetrieb um, schickt Kontrollteams raus und appelliert an die Solidarität der Menschen: In Zeiten der Coronakrise gelte, es jeden vermeidbaren Kontakt zu unterlassen und zugleich jene zu unterstützen, die Hilfe brauchen.

Der Betrieb ruht. Rund 80 Spielplätze gibt es in der Stadt Rastatt; auch sie fallen unter die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus’. Künftig wird kontrolliert. Foto: Vetter

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Der Betrieb ruht. Rund 80 Spielplätze gibt es in der Stadt Rastatt; auch sie fallen unter die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus’. Künftig wird kontrolliert. Foto: Vetter

Die Rastatter Stadtverwaltung schaltet in den Notbetrieb um, das heißt, die Bürger müssen sich auf weitere Einschränkungen in den Ämtern einstellen. Unterdessen laufen Kontrollen an, um die Einhaltung der Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus zu überprüfen. Bürgermeister Arne Pfirrmann appelliert an die Menschen: „Nehmen Sie die Lage ernst – sonst haben wir in Kürze eine Ausgangssperre.“
Jeder vermeidbare Kontakt könne verheerende Wirkung haben, betonte er gestern gegenüber der Presse die Dramatik der Situation: Bei der jetzigen Infektionsrate würde die Zahl der an Covid-19 Erkrankten in Deutschland von aktuell rund 13600 in 30 Tagen auf rund 13 Millionen steigen. „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn einzelne meinen, sie stünden über der Sache.“

Nachdem die Umsetzung der Landesverordnung zunächst auch Unsicherheiten hervorgerufen habe, finden nun sukzessive Kontrollen statt, wie Christian Junger erläuterte, Leiter der Ordnungsangelegenheiten. Auch alle Eisdielen und Shisha-Bars müssen unmissverständlich geschlossen bleiben, das stehe jetzt fest, Optiker wie Hörgeräteakustiker dürfen zumindest ihre Dienstleistungen nach Terminabsprache weiterführen. Man werde Diskotheken und Kneipen ansprechen, zusammen mit dem Polizeivollzugsdienst auch die Schließung der Gaststätten ab 18 Uhr kontrollieren. Und die Spiel- und Bolzplätze, die ebenfalls nicht mehr betrieben werden dürfen. Marschroute: Informieren, sensibilisieren, wenn es nicht anders geht, auch sanktionieren. Allein 80 Spielplätze gibt es in der Stadt – um dort nachzuschauen, sollen fünf Teams à zwei Mitarbeiter auf Tour gehen, unterstützt von den Technischen Betrieben. Insbesondere am Wochenende und abends wird zudem die mobile Jugendarbeit im Stadtgebiet eingesetzt.

Bei allem Abstand, den es zu halten gelte, sei die Gesellschaft gefordert, Solidarität durch praktisches Handeln zu zeigen und in der Krise zusammenzurücken. Pfirrmann lobte, dass sich Einkaufsservice-Initiativen und Nachbarschaftshilfe für ältere, gefährdete oder bereits betroffene Mitmenschen gebildet haben, und forderte auf, mitzumachen. „Einen Zettel durch die Tür anzunehmen und später eine Einkaufstüte vor die Tür zu stellen, das muss doch machbar sein.“

Dabei wolle die Stadt ihre Bürger nicht allein lassen. „Spätestens am Montag“ soll eine Telefonnummer geschaltet werden, unter der sich eine Mitarbeiterin um die Koordinierung solcher Hilfen kümmert, zudem sei eine Anlaufstelle geplant für die zunehmenden Bürger-Fragen angesichts der dynamischen Entwicklung der Krise.

Gleichwohl müsse die Stadtverwaltung ihr bereits eingeschränktes Angebot weiter herunterfahren. Von rund 800 Mitarbeitern seien zunächst 86, jetzt noch 52 nach Rückkehr aus Risikogebieten zu Hause geblieben (inklusive OB Hans Jürgen Pütsch, der aber die Fäden weiter in der Hand halte und am Montag aus der Quarantäne zurückkehre). 121 seien dazu jahreszeitbedingt im Krankenstand, das heißt: Bald ein Viertel der Belegschaft fehle. „Da sind wir keine Ausnahme, unter dem Druck steht jeder Betrieb“, weiß Pfirrmann. Zugleich gehe es darum, Mitarbeiter zu schützen (fünf seien bislang getestet, alle negativ). Die gesamte Verwaltung werde daher auf Notbetrieb umgestellt, um die „absolut notwendigen Bereiche“ sicherzustellen, viele Mitarbeiter werden ins Home Office geschickt. Dringende Dinge, für die die persönliche Anwesenheit erforderlich ist (etwa Standesamt oder Ausländerwesen betreffend), sollen aber auch künftig erledigt werden können. Aktuell, so Fachbereichsleiter Achim Schick, zähle man noch etwa täglich fünf bis zehn Termine auf Anfrage im Bürgerbüro. Die Notfallbetreuung in Schulen und Kitas werde nach wie vor verhalten genutzt, hieß es weiter.

Einen großen Dank sprach Pfirrmann denjenigen aus, die im medizinischen, pflegerischen oder auch im Lebensmittelbereich arbeiten und die entsprechende Versorgung in diesen Zeiten aufrecht erhalten. Sein weiterer Appell: Jeder solle überlegen, welche Besorgungen er aufschieben und dann erledigen kann, wenn die Geschäfte vor Ort wieder öffnen, um denen zu helfen, die jetzt schließen müssen.

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Erstellt:
20. März 2020, 11:28 Uhr
Lesedauer:
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