Acht Interessenten für Neusatzeck

Bühl (BNN) – Das Mutterhaus Neusatzeck und das Josef-Bäder-Haus in unmittelbarer Nähe stehen weiter zum Verkauf. Die zuständige Immobilienfirma spricht von acht Kauf-Interessenten.

Die Idylle trügt: Das Mutterhaus (rechts) und das denkmalgeschützte Josef-Bäder-Haus (links) in Neusatzeck werden nach gescheiterten Verkaufsverhandlungen fürs Mutterhaus jetzt im Paket zum Kauf angeboten. Foto: Ulrich Coenen

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Die Idylle trügt: Das Mutterhaus (rechts) und das denkmalgeschützte Josef-Bäder-Haus (links) in Neusatzeck werden nach gescheiterten Verkaufsverhandlungen fürs Mutterhaus jetzt im Paket zum Kauf angeboten. Foto: Ulrich Coenen

Auf Neusatzeck beginnt ein neues Spiel. Die Baden-Badener Immobilienfirma Aurelia Concept hat die Zahlungsfrist für das Mutterhaus Neusatzeck verstreichen lassen. Wie berichtet, sollte der Kaufpreis von einer Million Euro bis zum 23. Dezember auf das Konto der Dominikanerinnen eingegangen sein. Auf dieses Datum hatten sich die Parteien am 5. Oktober vor dem Landgericht Baden-Baden geeinigt.

Eigentlich ging es beim Gerichtstermin vor dem Landgericht Baden-Baden um die Löschung einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch vom Juni 2018, als der notarielle Kaufvertrag geschlossen wurde. Die Löschung verlangten damals die Neusatzecker Dominikanerinnen, die vor Gericht von Rechtsanwalt Christoph Heinen (Köln) vertreten wurden.

Ralf Olbrück ist Geschäftsführer der Kölner Immobilienfirma Prosecur, die das Gebäude im Auftrag der Dominikanerinnen seit 2010 verkaufen soll. „Die Löschungsbewilligung für das im Grundbuch eingetragene Darlehen ist inzwischen bei uns eingegangen“, erklärt er auf Anfrage dieser Redaktion. „Wir haben die Löschung jetzt beim Grundbuchamt beantragt.“ Der Baden-Badener Projektentwickler Aurelia Concept spiele in den Überlegungen des Ordens keine Rolle mehr. „Er ist raus“, sagt Olbrück.

Absprache mit Denkmalschutzbehörde nötig

Weil sich der Umbau des Mutterhauses zum Seniorenzentrum durch die Aurelia Concept durch artengeschützte Fledermäuse und Widerstände im Neusatzer Ortschaftsrat immer wieder verzögerte, räumte Olbrück dem Projektentwickler gleich viermal eine Verlängerung der Zahlungsfrist ein. Im März 2021 traten die auf nur noch 17 Schwestern geschrumpften Dominikanerinnen, die im Sommer ins Kloster Lioba nach Freiburg umgezogen sind, schließlich vom Kaufvertrag zurück.

Durch den Umzug der Schwestern ist nun auch das denkmalgeschützte Josef-Bäder-Haus auf der gegenüberliegenden Seite der Schwarzwaldstraße frei. Für dieses Gebäude sucht Prosecur bereits seit Ende 2020 ebenfalls einen Käufer.

Olbrück berichtet, dass es aktuell acht Interessenten gibt, die sowohl das Mutterhaus als auch das denkmalgeschützte Josef-Bäder-Haus in Neusatzeck erwerben wollen. Weitere fünf Interessenten interessieren sich ausschließlich für das Mutterhaus. Prosecur konzentriert sich zurzeit auf die gemeinsame Vermarktung beider Immobilien.

Den Interessenten wurde bis zum 31. März Zeit gegeben, mit der Stadt Bühl als untere Denkmalschutzbehörde denkmalschutzrechtliche Fragen im Hinblick auf das neuromanische Josef-Bäder-Haus zu klären. „Wir haben berechtigte Hoffnung, dass ein Investor beide Gebäude kauft“, sagt Olbrück. Dabei geht er von einem Gesamtkaufpreis von 4,85 Millionen Euro aus. „Uns ist aber klar, dass der nicht erreichbar sein wird“, schränkt er ein.

Olbrück betont ausdrücklich, dass unter den Interessenten keine Ordensgemeinschaft ist. Ende 2021 war darüber spekuliert worden, dass die Niederbronner Schwestern die Betriebsträgerschaft des von der Aurelia Concept geplanten Seniorenzentrums im Mutterhaus übernehmen sollen. Daraus wurde bekanntlich nichts.

Flüchtlingsunterkunft denkbar

Sollten sich beide Objekte nicht gemeinsam verkaufen lassen, will Olbrück ab April mit den Kaufinteressenten für das Mutterhaus verhandeln. Er verweist darauf, dass das Landratsamt Rastatt wie bereits 2015 an einer Erstunterbringung von Flüchtlingen im Mutterhaus interessiert ist. „Das wird aber nicht mehr unter der Ägide der Schwestern stattfinden“, sagt er. „Die Schwestern pendeln aktuell zwischen ihrer neuen Heimat in Freiburg und Neusatz. Die Häuser werden in der Zwischenzeit nicht besser.“

Bernd Matthias von der Baden-Badener Immobilienfirma Aurelia Concept kündigt an, dass er nicht aufgeben will. „Wir wollen das Mutterhaus zurück, wie es im Vertrag steht“, erklärt er. „Wir möchten das Seniorenzentrum in Neusatzeck realisieren und lassen uns nicht um unseren Ertrag bringen.“

Im Bühler Rathaus wartet man ab. „Wir sind mit Herrn Olbrück in Kontakt“, berichtet Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) auf Nachfrage dieser Redaktion. „Neusatzeck liegt wegen der laufenden Verkaufsverhandlungen bei uns in der Wiedervorlage für April.“ Keinen Kontakt mehr habe die Kommune hingen zu Bernd Matthias.

Geschichte des Klosters reicht weit zurück

Baudenkmal: Das neuromanische Josef-Bäder-Haus hat der Werkmeister Ludwig Laumont ab 1859 erbaut. Der Bühler Architekt schuf zunächst die Klosterkirche St. Agnes im Auftrag von Pfarrer Josef Bäder, der als Gründer des Klosters dessen Bau finanzierte. Laumont erweiterte die Kirche 1864/65 durch zwei Seitenflügel. Die ursprüngliche Dreiflügelanlage wurde um 1900 durch den Neubau des Kur- und Exerzitienhauses zum Rechteck geschlossen.

Landschaftsprägend: Das denkmalgeschützte Josef-Bäder-Haus fügt sich im Gegensatz zum jüngeren Mutterhaus auf der anderen Seite der Schwarzwaldstraße hervorragend in das Schwarzwaldtal. Die anspruchsvolle Architektur des Historismus prägt die Landschaft. Die späteren baulichen Zutaten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind allerdings weniger gelungen.

Mutterhaus: Das zwischen 1928 und 1981 in drei Bauabschnitten entstandene Mutterhaus wurde ab 2010 zunächst für 2,5 Millionen Euro zum Kauf angeboten. Auf dem Grundstück steht neben dem Mutterhaus mit seinen 89 Zimmern ein Ökonomiegebäude. Das Mutterhaus hat eine Wohnfläche von 6.370 Quadratmetern. Das Pförtnergebäude aus dem Jahr 1965 schließt an der Bergseite an den Ursprungsbau von 1928 an. Der jüngste Bauabschnitt von 1981 entstand an der Talseite.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
28. Februar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 34sec

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