Acht Migranten erzählen von ihren „Lebenslinien“

Rastatt (naf) – LWG-Schüler interviewen acht Migranten, die in Rastatt Fuß gefasst haben. Herausgekommen ist ein Film unter dem Titel „Lebenslinien“.

Shakila und Ali Bahrami sind aus Syrien geflüchtet. Während des Interviews haben sie über Emanzipation, Religion und Rassismus gesprochen. Foto: Ninety Degree Studio

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Shakila und Ali Bahrami sind aus Syrien geflüchtet. Während des Interviews haben sie über Emanzipation, Religion und Rassismus gesprochen. Foto: Ninety Degree Studio

Was ist eine Lebenslinie? Laut Duden eine Furche der Innenhand, deren Länge die Lebensdauer einer Person anzeigen soll. Etwas weniger abergläubisch könnte man den Begriff auch als roten Faden verstehen, der sich durch das Leben eines Menschen zieht. Niemand weiß, wohin er letztendlich führen wird. Die Lebenslinien von acht Rastattern haben sie im Laufe ihres Lebens jedenfalls in ein fremdes Land geführt – nach Deutschland. Das Filmstudio Ninety Degree Studio erzählt im Auftrag der Stadt Rastatt nun ihre Geschichten.
Der Dokumentarfilm mit dem Titel „Lebenslinien“ ist Teil des neuen Integrationskonzepts der Stadt Rastatt. Sie können ihn hier anschauen. Die Idee dahinter: Jeweils zwei Schüler der Oberstufe des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums haben insgesamt acht verschiedenen Rastattern mit Migrationshintergrund, unter anderem aus Kroatien, Frankreich, Italien und Syrien, Fragen zu ihrem Leben gestellt. Das Ganze wurde von den beiden eng befreundeten Jungfilmern Till Siebler und Paul Wacker festgehalten. Herausgekommen ist ein Film mit „echten Konversationen – so ehrlich und ungefiltert wie möglich“, wie Siebler ausführt. Die Produktion sei eine Herausforderung gewesen. Eine der schwierigsten Fragen für ihn: Wie schafft man eine übergreifende Atmosphäre, ohne etwas zu inszenieren? „Ich hoffe, es ist uns gelungen“, sagt der 21-Jährige.

„Während des Drehs gab es einige Momente, in denen ich kurz schlucken musste“

In bisherigen Eigenproduktionen wie „Dead Drunk“ und „Die rote Linie“ haben Schauspieler für nötige Emotionen gesorgt. Auftragsproduktionen, wie „Lebenslinie“ eine war, nehme das Team zwar eher ungern an, doch „das war etwas Besonderes“, sagt Siebler. „Während des Drehs gab es einige Momente, in denen ich kurz schlucken musste.“

Bereits im Frühjahr geplant, war durch Corona zeitweise unklar, ob das Projekt überhaupt stattfinden könne. Mit vielen Sicherheitsvorkehrungen seien die Interviews möglich gemacht worden. Letztendlich ist in dem Film von der Pandemie keine Spur. „Wir wollten nicht, dass die Botschaft überschattet wird und der Produktion außerdem auch keinen Zeitstempel aufdrücken“, sagt Siebler.

Gülsün Akcakoca stammt aus der Türkei. Als Fraktionsmitglied der Grünen ist sie im Rastatter Gemeinderat tätig. Foto: Ninety Degree Studio

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Gülsün Akcakoca stammt aus der Türkei. Als Fraktionsmitglied der Grünen ist sie im Rastatter Gemeinderat tätig. Foto: Ninety Degree Studio

Gedreht wurde an fünf Tagen – „mal nur fünf Stunden und mal einen ganzen Tag lang“ – an verschiedenen Orten in Rastatt: vor dem Rossi-Haus, neben dem LWG aber auch in einer Bäckerei, einem Weltladen oder im Zuhause der Protagonisten. Einige beantworteten einfach die Fragen, andere erzählten ihre Geschichten frei heraus, unter anderem zum Leben in ihrem Heimatland, zur Auswanderung, zu ihren Erfahrungen in Deutschland bis hin zu ihrer Lebensphilosophie. „Es kamen Themen auf, die ich so nicht erwartet hätte“, sagt Siebler. Am meisten sei ihm das Interview mit einem Ehepaar aus Syrien im Kopf geblieben: „Ich war extrem überrascht, wie offen über Emanzipation, Religion und Rassismus gesprochen wurde, teilweise auch noch nachdem die Kamera aus war.“

Mit einer großen Menge Filmmaterial sei es für Siebler nach dem Dreh erst richtig losgegangen: Er schneidet die Filme – und das „am liebsten nachts“. Seine Inspiration erhalte er manchmal schon aus einem einzigen Lied. Wie auch bei dem Trailer von „Lebenslinien“, dessen Melodie der Grundstein für den Schnitt gewesen sei. Für den kompletten Schnitt hat Siebler 20 bis 30 Stunden Arbeitszeit investiert. Nun hofft er „einfach nur, dass sich die verschiedenen Storys in den Bildern reflektieren“. Also, was ist eine Lebenslinie? Für mindestens acht Menschen in Rastatt sind ihre Lebenslinien der Weg zu einem neuen Zuhause gewesen.

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Erstellt:
28. September 2020, 11:30 Uhr
Aktualisiert:
29. September 2020, 16:01 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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