„Äffle und Pferdle“: Ausstellung im Schloss Neuenbürg

Neuenbürg (ela) – Die tierischen TV-Stars von einst sind unvergessen. Zwischen Werbespots schwäbelten das Äffle und Pferdle. Den Kultfiguren ist eine Ausstellung im Schloss Neuenbürg gewidmet.

Der Hafer- und Bananenblues wurde ein Hit. Foto: Daniela Jörger

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Der Hafer- und Bananenblues wurde ein Hit. Foto: Daniela Jörger

Du, warom hoißt dr Schwarzwald eigentlich Schwarzwald?“, fragt das Äffle. Das Pferdle antwortet: „Ha, weil da romdippla kannsch, bis da schwarz wirschd!“ Klar, oder? Mit ihren humorvollen Dialogen, tiefsinnigen Sprüchen und bodenständigen Lebensweisheiten haben die schwäbischen TV-Kultfiguren „Äffle und Pferdle“ einst im Fernsehprogramm des Süddeutschen Rundfunks (SDR) die Herzen der Zuschauer erobert – und bis heute eine große Fangemeinde.

„Viecher sind au bloß Menscha“, „Lieber gschwätzt wie gar nix gsagt“ und viele andere Aussprüche: Manche ihrer Dialoge und lockeren Sprüche sind unvergessen. Dem tierischen Duo, das bis ins Jahr 2001 im SWR allzu menschlich zwischen den Werbeeinblendungen über die Mattscheibe flimmerte, ist jetzt im Schloss Neuenbürg eine große Ausstellung gewidmet. Anhand von mehr als 200 Exponaten leben die beiden Freunde wieder auf. Anlass, das lustige Gespann einmal einzuladen, war das 20-jährige Bestehen des Museums im Schloss Neuenbürg in diesem Jahr, wie Museumsleiterin Jacqueline Maltzahn-Redling erklärt.

Pferdle war zunächst alleine

Erfunden hat die beiden Fernsehstars der Filmemacher Armin Lang (1928-1996). Ihm ist in der Ausstellung der erste Raum gewidmet. Unter anderem ist dort seine Original-Schreibmaschine zu sehen. Zunächst unterhielt das Pferdle ab 1960 die Zuschauer alleine – einfach in Schwarz-Weiß mit dünnen Beinen gemalt und stumm. Sein Vorbild war das Stuttgarter Wappentier – das „Rössle“. „Eigentlich war das damals noch ein bisschen langweilig“, meint Armin Lang jr., der sich über die Würdigung der Kultstars im Schloss Neuenbürg freut. Doch das sollte sich ändern.

Die Aktions-Möglichkeiten für das stumme Pferdle waren begrenzt. So gesellte sich 1963 das Äffle dazu. „Ein Tier, das Disney noch nicht in Beschlag genommen hatte. Außerdem ließ sich mit einer Affenfigur gut arbeiten“, erklärt der Sohn des Erfinders der Kultfiguren. Und als Ende der 60er Jahre das Fernsehen farbig wurde, kam das auch den schwäbischen Protagonisten zugute. Es dauerte nicht mehr lange, bis das Pferdle auf zwei Beinen über den Bildschirm galoppierte. In den 70er Jahren begannen die zwei schließlich zu sprechen – in breitestem Schwäbisch, was nicht nur für manchen Badener eine echte Herausforderung war. Die beiden „Vieh-losophen“ wurden sehr menschlich und erklärten ihren Zuschauern das Leben und die Welt. Wer sollte das auch besser können? Schließlich sind „Viecher auch nur Menscha“. Wer es noch nicht wusste: Sagt das Äffle: „Warum könnet bloß Menscha denka und mir Viecher net?“ Antwortet das Pferdle: „Weil mir des net nötig hend.“

Hundedame Schlabbinchen

Für ihre Weisheiten lieh ihnen ihr Produzent Armin Lang, ein gebürtiger Oberbayer, seine Stimme. 1987 wuchs die tierische Familie noch einmal: Die kurpfälzische Hundedame Schlabbinchen erklärte den beiden Herren ab da schon mal, wo es lang geht.

Zwischen Werbespots für Waschmittel, Hundefutter, Putzmitteln und Sonnenmilch liefen die tierischen Einspieler täglich. „In der Regel waren sie sechs Sekunden lang. Pro Spot mussten rund 150 Trickfilm-Bilder produziert werden. Etwa 30 Spots wurden täglich gezeigt. In den besten Zeiten wurden bis zu 200 Spots im Jahr hergestellt – eine Heidenarbeit“, erzählt Armin Lang jr. So habe sein Vater rund zehn Stunden täglich gezeichnet.

In der Ausstellung können Besucher auch allerlei über die Produktion der kurzen Trickfilme erfahren und sich in einem Raum mit Fernseher und Mobiliar aus den 50er bis 70er Jahren niederlassen, um sich in Büchern und anhand von zahlreichen Zeichnungen in aller Ruhe den Kultfiguren zu widmen. Der letzte Themenraum ist mit Selfie-Stationen ausgestattet, an denen vor allem Kinder ihren Spaß mit den unvergessenen TV-Stars haben können. Zu sehen sind dort wie auch auf dem anschließenden Flur, allerlei Merchandising-Produkte – und eine Tafel von „Ritter Sport“ mit der Geschmacksnote „Hafer und Banane“. Was auch sonst?

Das Äffle und das Pferdle necken sich, sind lustig, machen Scherze und erklären sich gegenseitig die Welt aus urschwäbischer Sicht. Verletzend werden die beiden tierischen Freunde aber nie, was für Armin Lang jr. einen guten Teil ihres Reizes ausmacht. „Sie sind am Ende immer positiv, das finde ich sehr schön“, erklärt er beim Rundgang durch die Ausstellung.

Hafer- und Bananenblues

Doch die beiden haben nicht nur locker und lustig miteinander „gschwätzt“, sondern avancierten sogar zu Gesangsstars. Ihr „Hafer- und Bananenblues“ ist nicht nur ihren Fans unvergessen und brachte ihnen nach Angaben auf der offiziellen Webseite sogar eine Platzierung in den deutschen Charts ein. Auch das bekannte Volkslied über die schwäbische Eisenbahn wurde in der tierischen Fassung zum Hit. Und der Ausspruch „‘s Äffle isch heid net dahoim“ wurde zum geflügelten Wort – weit über die Grenzen des Schwabenlands hinaus.

Eine weitere Ehre steht fürs Äffle und Pferdle laut Armin Lang jr. noch an: Nach langer Diskussion sollen im September in Stuttgart vier Ampeln mit ihrem Konterfei installiert werden. Wer ab da den Zebrastreifen zwischen Fußgängerzone und Bahnhof überquert, wird automatisch an die TV-Fernsehstars erinnert.

Alles andere als Engel: Äffle und Pferdle in der Ausstellung in Neuenbürg. Foto: Daniela Jörger

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Alles andere als Engel: Äffle und Pferdle in der Ausstellung in Neuenbürg. Foto: Daniela Jörger

Wandbilder erinnern an typische Dialoge der beiden. Foto: Daniela Jörger

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Wandbilder erinnern an typische Dialoge der beiden. Foto: Daniela Jörger


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