Ältester Marathonläufer Deutschlands lebt in Baden-Baden

Baden-Baden (co) – Arne Haase ist der älteste Marathonläufer aus Deutschland und lebt in Baden-Baden. Mit über 90 läuft er noch Halbmarathon – zwei Mal pro Woche geht’s auf den Merkur.

In Aktion: Für Arne Haase gehört das Laufen einfach dazu. Foto: Conny Hecker-Stock/Archiv

© co

In Aktion: Für Arne Haase gehört das Laufen einfach dazu. Foto: Conny Hecker-Stock/Archiv

„Ich bin zwar schon über dem Verfallsdatum, aber ich laufe, bis ich umfalle“, sagt Arne Haase verschmitzt. Seit diesem Jahr tritt der älteste Marathonläufer Deutschlands in der Altersklasse M 90 an, und zwar immer noch im Halbmarathon.

Seine besondere Begabung wurde erst im Alter von Mitte 50 entdeckt. Ein Bekannter bat ihn um Begleitung beim Training aus Angst vor eventuellen Unfällen im Wald. Aus dem Probelauf wurde gleich sein erster Marathon, mit der klaren Vorgabe im Ziel, sich diese Strapaze nie wieder anzutun.

„Einen Tag später meldeten wir uns bereits für den nächsten Marathon an“, lacht der Sportsfreund, der zu den besonders charmanten Vertretern der Gentlemen alter Schule zählt. In seiner jeweiligen Altersklasse gebührte ihm meist der Siegertitel. Was den schmächtigen, aber immer noch drahtigen Sportler jedoch ärgert, war die häufige Herabstufung eine Klasse tiefer, also zu jüngeren Läufern, da in seiner jeweiligen Altersklasse schlicht die Konkurrenz fehlte. Dass die letzten „Marathonis“ immer noch später dran sind als er auf der Halbdistanz, freut ihn diebisch.

Geschwindigkeit spielt keine Rolle

Arne Haase hält nicht hinter dem Berg mit seinen Zeiten. Lief er seinen zweiten Marathon in Frankfurt noch in 3:06 Stunden, benötigte er bei seinem letzten Marathon 2018 fast die doppelte Zeit von 6:09 Stunden. Die Angst vor dem Altenheim und der Wunsch „beim Laufen hübsche Frauen kennenzulernen“ motivieren ihn ebenso wie der psychologische Vorteil. So bewähre es sich immer wieder, gegen Gefühle von Verlassenheit, Einsamkeit, Depressionen oder Schlappheit, einfach die Laufschuhe anzuziehen und loszurennen, wobei die Geschwindigkeit keine Rolle spiele, sagt der vielfach Prämierte aus Erfahrung. Rannte er früher bis zu vier Mal am Tag auf den Merkur, macht er das heute immer noch an zwei Tagen in der Woche.

Abwärts nimmt er die Bahn, um seine Gelenke zu schonen. Mit seinem Trainer Marcus Siegle vom SCL Heel, der sich intensiv um ihn kümmert, hat Arne Haase schon neue Ziele anvisiert. Gerade erst ist er im März und zwei Wochen später im April in Kandel und Freiburg Halbmarathon gelaufen, jetzt strebt er die Deutsche Meisterschaft in Plietz am siebten Mai an. Häufig sichert ihn jetzt ein Radler von hinten ab, „die haben wohl Angst, ich falle um“, entlockt ihm diese Fürsorge ein Schmunzeln.

Laufen geht in „jedem Alter“

Bei mehreren großen Läufen wird der Wahl-Kurstädter inzwischen wie ein Ehrengast behandelt und muss gar kein Startgeld mehr bezahlen, etwa in Frankfurt oder München. Seit 1964 ist Haase Vegetarier und schwört darauf, dass er mit fleischlicher Kost nicht so erfolgreich geworden wäre. Was dem Sportler zusätzlich viel Kraft gibt, ist sein Glaube. Arne Haase ist dankbar, bis ins hohe Alter laufen zu dürfen, und dieses Gefühl von Demut beschränkt sich nicht nur auf seinen Sport. Er war nie so ehrgeizig, unter „riesigen Kraftanstrengungen“ ein bestimmtes zeitliches Limit zu erreichen, und blieb wohl auch deshalb bisher von Verletzungen weitgehend verschont. „Wenn ich hinfalle, weil ich irgendwo hängenbleibe, was jetzt schon mal ab und zu vorkommt, stehe ich einfach auf laufe weiter“, verrät er das Konzept seiner Selbstdisziplin. Und da es weiter keiner Geräte bedarf als nur einem guten Paar Laufschuhe, könne man in jedem Alter und mit jeder Kondition einfach einsteigen, sagt der alte Hase unter den Läufern.

Zum Artikel

Erstellt:
11. April 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.