Wirbel um Kai Whittaker

Baden-Baden/Berlin (kli) – Die Ereignisse rund um Kai Whittaker haben sich am Montag überschlagen: Am Ende steht ein zunächst beschädigter, dann rehabilitierter Bundestagsabgeordneter.

In einer im Namen der Jungen Union (JU) verschickten Pressemitteilung wird Kai Whittaker aufgefordert, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Später rudert die JU zurück. Foto: Büro Whittaker

In einer im Namen der Jungen Union (JU) verschickten Pressemitteilung wird Kai Whittaker aufgefordert, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Später rudert die JU zurück. Foto: Büro Whittaker

Der 35-jährige Bundestagsabgeordnete nahm am Samstag auf einer Anti-Rassismus-Demo in Berlin teil und verletzte dabei augenscheinlich die zum Schutz vor Corona verlangten Mindestabstandsregeln. Die Junge Union (JU) im Kreisverband Rastatt zweifelte in einer Pressemitteilung seine Eignung als Abgeordneter an und forderte ihn dazu auf, sich sofort für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben und auf die angestrebte erneute Kandidatur für den Bundestag zu verzichten. Whittaker lehnte das ab.

Die Junge Union im Kreisverband stehe geschlossen hinter der Bürgerrechtsbewegung, rügte allerdings die „massive Verantwortungslosigkeit“ Whittakers bei der Demo. Die JU forderte, dass er sich „umgehend für die kommenden 14 Tage in häusliche Quarantäne begibt, um einer möglichen Ausbreitung des Corona-Virus durch seine Handlungen vorzubeugen“.

Der Ehrenvorsitzende der Jungen Union Rastatt, Thorsten Trey, monierte in der Pressemitteilung, Whittaker habe „vorsätzlich gegen seine grundsätzlichen Pflichten zum Schutz vor der Verbreitung des Virus verstoßen“. Von einem Bundestagsabgeordneten könne man mehr erwarten. „Deswegen zweifeln wir, auch auf Basis unserer eigenen Erfahrungen mit ihm, seine Eignung für das Amt des Bundestagsabgeordneten an und fordern, dass dieser von einer erneuten Kandidatur für dieses Amt auf der Nominierungsveranstaltung in zwei Wochen Abstand nimmt“, so Trey.

Trey: Wo bleibt hier der Schutz des Lebens?

Es sei unbegreiflich, wie man den Bürgern die Einschränkungen ihres täglichen Lebens durch solche Vorbilder noch glaubhaft vermitteln solle. „Es ist schön zu sehen, dass sich Kai Whittaker in Solidarität mit der ,Black Lives Matters‘-Bewegung zeigt, aber zugleich empfinden wir es als blanken Hohn und Spott für all diejenigen, die sich täglich an die Corona-Regeln halten, ihr Leben auch schmerzhaft einschränken müssen oder bereits Angehörige verloren haben. Wo bleibt hier der Schutz des Lebens?“, fragt Trey.

Eine erneute Kandidatur Whittaker „ist für uns nun endgültig absolut ausgeschlossen, das sollte auch die CDU in unserem Wahlkreis endlich begreifen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Whittaker hielt dagegen an seiner Kandidatur fest, wie er gestern dem BT bestätigte. Er werde am 25. Juni bei der Nominierungsveranstaltung teilnehmen. „Ja, Sicherheitsabstände wurden leider größtenteils unterschritten“, bedauerte er den Verlauf der Demo am Samstag in Berlin. Die Veranstalter und auch er selbst hätten mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet. „Wie die meisten anderen habe ich einen Mund-Nasen-Schutz getragen und darauf geachtet, so gut es ging, Abstand zu halten. Leider war dies nicht immer optimal möglich“, so Whittaker. Er habe diese Risikoabwägung aber sehr bewusst vorgenommen, „weil das Thema mir wichtig ist“. Es sei jetzt genau die richtige Zeit, um seine Stimme gegen Rassismus zu erheben. „Denn dieses Thema ist nicht nur in den USA aktuell.“ Mit Blick auf die AfD meint der Abgeordnete: „Wir haben seit sieben Jahren eine Partei in unseren Parlamenten sitzen, die ganz bewusst Menschen aufgrund ihrer Identität ausgrenzt. Zu welchem Elend diese Politik führt, haben wir als Deutsche bitter gelernt.“

Er verstehe aber die Kritik daran, dass er die Abstandsregeln „nicht diszipliniert genug“ eingehalten habe. „Deshalb möchte ich mich entschuldigen und für die Zukunft lernen.“

Der Forderung, sich in häusliche Quarantäne zu begeben, kommt er nicht nach. „Sich in Quarantäne zu begeben ist dann der Fall, wenn es nachgewiesenen engen Kontakt zu einer infizierten Person gab. Dies ist nicht der Fall“, stellte er gegenüber dem BT fest.

Schäuble: Whittaker wird antreten

Die Vorsitzende der Kreis-CDU, Brigitte Schäuble, sagte dem BT am Montag: „Whittaker wird antreten, der gesamte Kreisvorstand steht unisono hinter ihm. Er macht gute Arbeit und ist sehr engagiert.“ Es sei auch in Corona-Zeiten erlaubt zu demonstrieren. Persönlich hätte sie nicht an der Demo teilgenommen, weil nicht zu garantieren gewesen sei, die Abstandsregeln einzuhalten. Aber „ihm war die Sache wichtig“. Nun so ein Spektakel daraus zu machen, sei überzogen. In der Pressemitteilung würden alte Animositäten ausgetragen. Es gehe um eine persönliche Retourkutsche und alte Rechnungen Treys, die auf dem Rücken der Partei ausgetragen würden. Aus Rachegründen sei die Partei beschädigt worden.

Junge Union entschuldigt sich

Die Junge Union nahm daraufhin am Nachmittag ihre erste Pressemitteilung prompt zurück und distanzierte sich davon. „Bei der gestrigen Pressemitteilung haben wir uns von einer einzelnen Person instrumentalisieren lassen, ihre persönliche Meinung, die sonst von keiner anderen Person geteilt wird, kundzutun“, heißt es nun. „Dies war ein großer Fehler, für den wir uns entschuldigen.“ Die JU sei nun auf Distanz zu Trey, „der die Reichweite der Jungen Union für seine persönlichen Befindlichkeiten benutzt hat“. Man unterstütze ausdrücklich die „Black-Lives-Matter-Bewegung. Trey habe die erste Mitteilung für „völlig überzogene und persönliche Kritik an Herrn Whittaker missbraucht“, heißt es in der zweiten Mitteilung. Man habe die Veröffentlichung leider nicht verhindern können. JU-Kreisvorsitzender Elias Heid: „Wir entschuldigen uns aufrichtig, diese emotionale und voreilige Pressemitteilung veröffentlicht zu haben.“ Man wolle als JU trotzdem weiterhin der Stachel im Fleisch der CDU bleiben.

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Erstellt:
8. Juni 2020, 14:51 Uhr
Aktualisiert:
8. Juni 2020, 16:24 Uhr
Lesedauer:
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