Ärger über süße Wahlwerbung in Baden-Baden

Baden-Baden (hol) – Weil OB-Kandidat Dietmar Späth Donuts vor einer Schule verteilt hat, gibt es nun Ärger. Einige Mütter und Väter kritisieren die Aktion als geschmacklos und gefährlich.

Süße Kringel lösen Ärger aus: Donuts wie diese verteilte Dietmar Späth vor Schulen. Foto: whitestorm/stock.adobe.com

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Süße Kringel lösen Ärger aus: Donuts wie diese verteilte Dietmar Späth vor Schulen. Foto: whitestorm/stock.adobe.com

Bunte Zuckerperlen, eine dicke Glasur – das alles auf einem Kringel aus Hefeteig. Lecker! Ein Donut. OB-Kandidat Dietmar Späth, der bekanntlich einen aufwendigen Wahlkampf führt, hat kürzlich welche verteilt – und sich prompt Ärger eingehandelt. Das Problem: Seine Aktion startete er ausgerechnet vor einer Schule.

Doch der Reihe nach: Am Dienstagfrüh mitten im Schülerstrom stand der Muggensturmer Bürgermeister, der am kommenden Sonntag Oberbürgermeister in der Kurstadt werden möchte, mit seinen Wahlkampf-Helfern in der Vincentistraße und verteilte kleine, mit Slogans bedruckte Bäckertüten. Darin: ein süßer Kringel und ein Prospekt, der sich an Erstwähler ab 16 Jahren richtet mit der Aufforderung, dem Kandidaten per Foto oder Video mitzuteilen, was er in Baden-Baden verändern soll, falls er OB wird. Preise für die besten Vorschläge gibt es auch: elektronische Geräte und Tickets für den Europapark.

Was der Kandidat bei alledem nicht bedacht hat: Seine Kampagne, die offensichtlich in erster Linie auf die Oberstufenschüler des talseits der Straße gelegenen Gymnasiums Hohenbaden gezielt hat, weckte auch Begehrlichkeiten bei den Grundschülern von gegenüber. Und das wiederum regt nun deren Eltern auf. In offenen Briefen wehren sich Mütter und Väter der Vincentischule seit Dienstag gegen den kalorienreichen Angriff des Kandidaten auf die Zahngesundheit ihres Nachwuchses. Kinder mit überzuckerten Lebensmittel vor Schulen zu ködern, sei eine „Form der Werbung, die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten ist“, schreibt beispielsweise Ralf Legroux. Zudem gefährde die Aktion die Sicherheit der Kinder, heißt es in anderen Briefen, die der Redaktion vorliegen. Und zwar ausdrücklich nicht nur, weil manche Kinder die Fahrbahn überquerten, um an die begehrte Leckerei zu kommen. „Wir bringen unseren Kindern bei, dass sie nie Süßigkeiten von Fremden annehmen sollen, und dann stehen Sie morgens vor einer Grundschule und verteilen Donuts“, regen sich Kathrin Tiefenthaler und Sophia Zimmer in einem Brief auf, den sie an Späth direkt gerichtet haben.

Kandidat bittet um Nachsicht

Wahlkampf im Umfeld von Schulen ist eine schwierige Angelegenheit. Das Verteilen von Wahlwerbung auf dem Schulhof ist tabu. Auf der Straße vor der Schule jedoch gilt kein Verbot. Wie das kurstädtische Ordnungsamt, an das sich Leser Ralf Legroux auch gewandt hat, feststellt, gibt es keinerlei Handhabe gegen die Donut-Aktion. Der Kandidat selbst gibt sich auf Nachfrage dieser Zeitung zerknirscht und bittet um Nachsicht.

Das habe er nicht gewollt, beteuert er. Die Aktion habe sich an ältere Schüler gerichtet. Dann seien die Kleinen aufmerksam geworden darauf, dass da Süßigkeiten verteilt würden. „Denen kann ich dann doch nicht sagen, dass sie keine Donuts bekommen“, sagt Späth und merkt an, dass die Aktion dann schnell beendet worden sei.

Grundsätzlich aber habe er an diesem Morgen „viele leuchtende Kinderaugen gesehen“, betont er auch. Überhaupt wolle er im Wahlkampf „innovativ unterwegs sein“ auch bei der Motivation von Jungwählern und habe die Sache „ein bisschen spannend machen“ wollen, verteidigt er sein Vorgehen gegenüber dieser Zeitung.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
23. März 2022, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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