Ärzte in Mittelbaden raten zur Grippeschutzimpfung

Rastatt/Baden-Baden (for) – Weil die Grippewelle im vergangenen Winter quasi ausgefallen ist, könnten Influenzaviren diese Saison umso stärker zuschlagen. Ärzte raten zu einer Grippeschutzimpfung.

Wer sich mit Influenzaviren infiziert, liegt oftmals bis zu zwei Wochen flach. Eine Grippeschutzimpfung kann den Krankheitsverlauf abschwächen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

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Wer sich mit Influenzaviren infiziert, liegt oftmals bis zu zwei Wochen flach. Eine Grippeschutzimpfung kann den Krankheitsverlauf abschwächen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Abstand halten, Maske tragen, Kontakte meiden: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben im vergangenen Herbst und Winter auch dafür gesorgt, dass die Menschen weitestgehend von der Grippe verschont geblieben sind. Im Gegenzug dazu könnten die Influenzaviren in dieser Saison umso mehr zuschlagen. Zwar ist das nur eine Vermutung, Ärzte aus Mittelbaden raten aber dennoch zur Grippeschutzimpfung.

Deutlich weniger Infekte im vergangenen Winter

„Im vergangenen Jahr hat es aufgrund des Lockdowns und der Hygienemaßnahmen deutlich weniger grippale Infekte gegeben als sonst“, bilanziert etwa Dr. Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt. „Deshalb könnte das Immunsystem bei den Menschen durchaus weniger trainiert sein und folglich der Effekt in dieser Saison stärker ausfallen – das muss aber nicht so sein.“ Erst recht nicht, „wenn weiter an den Schutzmechanismen gegen das Coronavirus festgehalten wird“, ist sich Dr. Patrick Fischer, Vorsitzender der Ärzteschaft Baden-Baden, sicher.

Sollten die Abstands- und Hygienemaßnahmen aber gelockert werden, könne eine stärkere Grippewelle schon möglich sein. „Bei Leuten, die jedes Jahr gegen das Grippevirus geimpft werden, erwarte ich aber keine schwereren Verläufe“, gibt Schönit Entwarnung. Im Normalfall bauen sie über die Jahre hinweg eine gute Immunität auf.“

Schönit rät deshalb allen Risikopatienten, dazu gehören unter anderem Menschen über 60 Jahren, sich jährlich gegen Influenza impfen zu lassen. Fischer sieht das ähnlich: „Vor allem bei Risikopatienten ist die Gefahr für bleibende Schäden nach der Grippeerkrankung und leider auch die Mortalitätsrate hoch. Ich rate aber ausdrücklich jedem zu einer Grippeschutzimpfung“, betont er. Denn auch gesunde junge Menschen fielen während einer Grippe oft bis zu zwei Wochen aus.

Hohe Nachfrage in der Grippesaison 2020/21

„Die Erfahrung zeigt, dass der Krankheitsverlauf bei Geimpften in aller Regel deutlich kürzer ist und die Schwere der Erkrankung deutlich geringer“, merkt der Rastatter Kinder- und Jugendarzt Dr. Ralf Spahn an. Somit profitierten nicht nur die Geimpften, sondern auch die, die nicht geimpft werden können. „Ich finde, den Aspekt der Herdenimmunität darf man auch bei der Influenza nicht außer Acht lassen. Geimpfte schützen auch Ungeimpfte“, betont der Arzt. Deshalb hat er in seiner Praxis die Empfehlung für die Influenza-Impfung großzügig ausgelegt – also auch für gesunde Kinder und Jugendliche. „Wer den Kindergarten oder die Schule besucht, kann sich eher infizieren und die Infektion dann ja auch mit nach Hause tragen und dort wiederum Großeltern oder andere vulnerable Personen anstecken“, begründet Spahn seine Entscheidung.

Grippeschutzimpfung ab September möglich

Der beste Zeitpunkt, sich den Piks geben zu lassen, sei ab Ende September bis in den November hinein, so Fischer gegenüber dem BT. Er selbst habe seit vergangenen Freitag bereits 30 Personen gegen Influenza geimpft. Das Interesse für eine Grippeschutzimpfung sei auf jeden Fall da. Insbesondere in der vergangenen Saison hätten sich deutlich mehr Menschen als sonst gegen Influenza impfen lassen, bilanzieren sowohl Fischer als auch Schönit. „Ich glaube, durch das Coronavirus ist vielen erst jetzt richtig bewusst geworden, dass wir immer mehr schwerwiegenden Krankheiten ausgesetzt sind, die im schlimmsten Fall auch tödlich enden können“, vermutet Fischer. Für diese Saison erwartet Schönit aber wieder eine etwas geringere Nachfrage. „Man darf nicht vergessen, dass gerade Risikopatienten, also viele Menschen über 60, mittlerweile schon ihre Corona-Auffrischimpfung bekommen“, sagt er. Viele hätten in diesem Jahr also schon zwei oder sogar drei Corona-Impfungen hinter sich – das Vakzin gegen Influenza wäre dann für einige die vierte Impfung innerhalb eines Jahres. „Das schreckt natürlich viele ab“, weiß Schönit aus Erfahrung.

Corona- und Grippe-Impfung: Ist beides zusammen möglich?

Laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) seien diese Ängste aber unbegründet. Eine Impfung gegen Corona und eine Grippeschutzimpfung stünden sich nicht im Weg. Mittlerweile könnten beide Vakzine sogar gleichzeitig, aber an zwei verschiedenen Körperstellen gespritzt werden. Ein anfangs empfohlener Impfabstand von 14 Tagen zwischen den beiden Vakzinen muss also nicht mehr eingehalten werden. Schönit hält allerdings weiterhin an dem Abstand fest. „Einfach aus Sicherheitsgründen. Man weiß ja nie, wie schwer eine Person auf eine Impfung reagiert“, meint er.

Unsicherheiten bei seinen Patienten könne er zwar nachvollziehen, einen Grund, wegen der Corona-Impfung auf die Grippeschutzimpfung zu verzichten, sieht er aber nicht. Ähnlich wie Fischer und Spahn rät er seinen Patienten – insbesondere denen mit erhöhtem Risiko – auf jeden Fall zu der Spritze gegen Influenza.


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