Affentaler Winzer starten Pilotprojekt

Bühl (jo) – Gemeinsam starten die Affentaler Winzer mit dem Naturpark und dem Imkerverband ein Pilotprojekt zur Förderung der Wildbiene. Dabei geht es um kontrollierten Wildwuchs in den Rebgassen.

Gemeinsam für Gras und Wildblumen in den Rebgassen: Naturpark-Managerin Lilli Wahli, Imker Manfred Kraft (Mitte), Winzer Berthold Falk. Foto: Joachim Eiermann

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Gemeinsam für Gras und Wildblumen in den Rebgassen: Naturpark-Managerin Lilli Wahli, Imker Manfred Kraft (Mitte), Winzer Berthold Falk. Foto: Joachim Eiermann

Rebberge müssen keine öden Monokulturen sein, die für die Natur verloren sind. Dass es auch anders geht, wollen die Affentaler Winzer, der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und der Landesverband Badischer Imker am Beispiel eines gemeinsamen Projekts zeigen, das im konventionellen Weinbau den Bestand von Wildbienen und anderen Insekten fördern soll.

Die Zeiten, in denen selbst der Graswuchs rigoros unterbunden wurde, sind lange vorbei, erinnert sich Berthold Falk, Aufsichtsratsmitglied und Nebenerwerbswinzer der Affentaler: „Wer früher Gras in den Reben hatte, galt als Faulenzer.“ Dann begann sich vor 40 Jahren der Grünstreifen durchzusetzen. Und jetzt? Da wuchert die Natur bis zu einen halben Meter hoch. Dazwischen blüht es vor allem blau und gelb.

Lebensraum im Weinberg bieten

Aber nicht überall, sondern nur auf etwa 100 Ar. Es handelt sich um die Versuchsflächen, die Falk zusammen mit Markus Graf aus der Vorstandschaft ins Leben gerufen hat. Dort im Betschgraben, wo der Riesling wächst, sprießt es jetzt in jeder zweiten Reihe kräftig, während die dazwischen liegenden Gassen kürzlich abgemäht wurden.

Der kontrollierte Wildwuchs hat seine Berechtigung, um Wildbienen und anderen Nützlingen einen Lebensraum im Weinberg zu bieten. Ein wechselseitiges Mulchen zwischen Gasse und Nachbargasse soll dafür sorgen, dass stets ein auskömmliches Nahrungsangebot vorhanden ist. Die Blütenpflanzen, erläutert Manfred Kraft vom Landesverband Badischer Imker, seien genau darauf abgestimmt. Das Saatgut habe eine Firma speziell für Rebflächen entwickelt, schildert der Obmann für Bienenweiden.

„Eine Blaupause für andere Winzer“

Was von den Affentalern in der Praxis erprobt werde, sei ein Pilotprojekt. „Vielleicht lässt sich daraus eine Blaupause für andere Winzer machen“, hofft Kraft. Im Herbst werde der Versuch ausgewertet.

Es sind mehrjährige Pflanzen mit zumeist unscheinbaren Blüten, die für Biodiversität sorgen sollen. Hahnenfuß, Ehrenpreis und Storchenschnabel, um nur drei Beispiele zu nennen. Über ein Dutzend Arten hat Falk bislang vor Ort ausgemacht. 20 bis 30 werden es insgesamt sein, bis Schluss ist mit dem grün-bunten Intermezzo. Im Juli muss das Gras runter, damit die sich ausbildenden Trauben frei hängen können, um nicht Pilz und Fäulnis anheimzufallen. Kraft erläutert, dass die überwiegend im Boden nistenden Wildbienen bis dahin ihre Brut fürs nächste Jahr versorgt haben und dann absterben.

„Die Akzeptanz ist da“

Nicole Kist, Weinguide der Affentaler, erinnerte darin, dass sich die Winzergenossenschaft schon länger am „Blühenden Naturpark“ beteilige: „Wir hatten 2016 zwei große Blumenwiesen rund ums Haus angelegt.“ Der Versuch in den Reben sei indes Neuland. Beim Projekt „Blühender Naturpark“ gehe es darum, vielerorts etwas für die Artenvielfalt zu tun, schilderte Lilli Wahli, die im gesamten Einzugsbereich des nördlichen und mittleren Schwarzwalds damit beschäftigt ist. In der näheren Umgebung hätten vor allem die Stadt Bühl und die Gemeinde Bühlertal sowie verschiedene Schulen, Vereine, Kindergärten und auch Unternehmen inzwischen eine ganze Menge „Blühwiesen“ angelegt.

Für Winzer Berthold Falk geht es neben dem Versuch und dem Austarieren optimaler Mulch-Zeiten auch darum, die Winzer ins Boot zu holen – und zwar auf freiwilliger Basis. Bisherige Gespräche in der Genossenschaft stimmen ihn zuversichtlich: „Die Akzeptanz ist da. Aber alle werden wir sicherlich nicht schaffen.“ Imker Manfred Kraft sieht es so: „Die Gesellschaft ist aufgerüttelt und hat mit dem Bienensterben die Not der Natur wahrgenommen.“

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Erstellt:
11. Juni 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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