Air Hamburg vermietet Privatjets

Rheinmünster (sre) – Kostbare Fracht vom Haustier bis zum Sarg: Air Hamburg vermietet Privatjets und hat vielfältige Aufträge: Nicht immer sind dabei Prominente an Bord.

Jost Hofmann, Daniel Hohlfeld, Ingo Wiggering und Daniel Farid Sahli (von links) vor einem der Jets, die am Airpark überholt werden. Foto: Sarah Reith

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Jost Hofmann, Daniel Hohlfeld, Ingo Wiggering und Daniel Farid Sahli (von links) vor einem der Jets, die am Airpark überholt werden. Foto: Sarah Reith

Ein „Taxiunternehmen“ der etwas anderen Art ist seit 2016 am Baden-Airpark angesiedelt: Die Air Hamburg transportiert Kunden nicht etwa im Auto, sondern im Privatjet. Der Wartungsbetrieb des Unternehmens sitzt in Söllingen – und ist in den vergangenen Jahren ebenso schnell gewachsen wie die Luftverkehrsgesellschaft selbst.

Hauptstandort der Gesellschaft ist Hamburg. Doch für die Air Hamburg Technik, den Wartungsbetrieb des Unternehmens, wurde bereits bei der Gründung 2016 der Baden-Airpark als Firmensitz gewählt. 2017 habe man mit fünf Festangestellten angefangen, berichtet Betriebsleiter Daniel Hohlfeld im BT-Gespräch. Inzwischen beschäftigt die Air Hamburg Technik 40 Mitarbeiter. Und es sollen noch mehr werden: Das Team werde auf rund 70 Personen anwachsen, kündigt Geschäftsführer Jost Hofmann an. Deshalb suche man derzeit intensiv nach qualifizierten Mitarbeitern.

Schauspieler, Politiker und DJs als Kunden

Laut Ingo Wiggering, Leiter der Wartung, ist das Unternehmen auch Ausbildungsbetrieb: Eine junge Frau werde momentan zur Fluggerätemechanikerin ausgebildet, zwei Quereinsteiger machten eine Weiterbildung. Insgesamt verfüge man über ein bunt gemischtes Team, ergänzt Hohlfeld: Nicht nur Mitarbeiter aus der Region, sondern insgesamt 13 Nationalitäten seien mit an Bord. Im Hangar werde deshalb in der Regel Englisch gesprochen.

Die Vielfalt der Arbeiten, die von dem Unternehmen am Airpark erledigt werden, ist groß. Neben lizenziertem Personal für die Wartung der Jets sind auch die unterschiedlichsten Handwerker gefragt. So gebe es zum Beispiel eine Reifenwerkstatt, aber auch einen Sattler und eine Näherei, erläutert Wiggering. Denn wenn die Jets alle drei Jahre zum großen Check-up nach Söllingen kommen, wird nicht nur die Technik auf den Prüfstand gestellt, sondern auch das Interieur der Flieger neu gestaltet. Für die wohlhabenden Kunden, die einen Privatjet buchen, soll schließlich alles perfekt aussehen.

Auch das Innenleben der Flieger wird aufpoliert. Foto: Sarah Reith

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Auch das Innenleben der Flieger wird aufpoliert. Foto: Sarah Reith

Interessenten für diese spezielle Dienstleistung gibt es viele. „Wir haben alles von Schauspielern über Unternehmer, Politiker, Sportler, Musiker oder DJs“, zählt Geschäftsführer Hofmann auf. Zum Teil transportiere man aber auch eilige Fracht, ergänzt Hohlfeld: So würden Medizingerätschaften ebenso geflogen wie Ersatzteile für die Autoindustrie. Wenn bei einem großen Unternehmen ein Band stillstehe, entstünden rasch immense Kosten – da sei der Einsatz des Jets günstiger. Auch Hunde habe man schon im Auftrag ihrer solventen Besitzer transportiert. Manchmal stehe ein Sarg im Flieger: Man verfüge über das einzige Flugzeugmuster im Privatjetbereich, in dem dieser waagrecht transportiert werden kann. Die weiteste Überführung sei bislang von Japan zurück nach England erfolgt.

Doch egal, welcher Auftrag und welche Strecke: Die Ansprüche der Kunden sind hoch. „Jeder Flug, der nicht stattfindet, ist eine mittlere Katastrophe“, macht Hohlfeld klar. Ziel sei es zudem, dass die Flugzeuge möglichst immer in Bewegung sind, sich die Buchungen möglichst nahtlos aneinanderreihen. Deshalb ist der eigene Wartungsbetrieb von so großer Bedeutung, wie Daniel Farid Sahli, operativer Leiter, ausführt: So sei ein Höchstmaß an Flexibilität gewährleistet.

Das ist auch notwendig, weil viele Buchungen laut Hofmann kurzfristig erfolgen. Das ist ebenfalls eine Besonderheit der Air Hamburg, erläutert der Geschäftsführer: Man habe kein anderes Unternehmen am Markt gefunden, das rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche zur Verfügung stehe.

Im Hangar überprüfen Mitarbeiter die Technik der Air-Hamburg-Maschinen. Foto: Sarah Reith

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Im Hangar überprüfen Mitarbeiter die Technik der Air-Hamburg-Maschinen. Foto: Sarah Reith

Die Reise im Privatjet hat allerdings ihren Preis: 30.000 bis 35.000 Euro kostet es Hofmann zufolge zum Beispiel, einen Jet zu buchen, mit dem bis zu sieben Personen nach Mallorca und zurück fliegen können. Für einen Urlaubsflug sei das natürlich teuer, meint Hohlfeld. „Aber wenn man es effektiv nutzt, relativieren sich die Kosten schnell wieder“, sagt er und verweist zum Beispiel auf hoch bezahlte Geschäftsleute, die schneller am Ziel sind und die Reisezeit zum Arbeiten nutzen.

Die Dienstleistung ist jedenfalls stark nachgefragt – erst Recht in Pandemie-Zeiten. „Im März und April 2020 war es auch bei uns schlechter“, führt Hofmann aus. Danach habe man sogar etwas mehr fliegen können als früher. Viele, die es sich leisten können, hätten den Privatjet gebucht.

Das Unternehmen Air Hamburg wächst vor diesem Hintergrund stetig. „Ende des Jahres werden wir 44 Jets haben“, sagt Hofmann. Auch in den Wartungsbetrieb wird kräftig investiert. Wie berichtet, lässt Air Hamburg Technik derzeit im Sektor A des Airparks einen eigenen Hangar bauen. 11 bis 12 Millionen Euro werden investiert. Wenn alles klappt, will man im Mai 2022 von den derzeit angemieteten Hallen in den Neubau umziehen. Dabei soll es einen fließenden Übergang geben, die Wartung der Jets darf nicht unterbrochen werden. Auch da wird also Organisationstalent und Flexibilität gefragt sein.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
7. Oktober 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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