Akkordeon verkauft, aber nicht verschickt

Rastatt/Gaggenau (up) – Ein Akkordeon über Ebay zu verkaufen, aber dann nicht zu verschicken, das ist Betrug. Dafür wurde ein Mann vom Amtsgericht Rastatt zu Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Akkordeon-Käufer wartete vergeblich auf sein Instrument. Foto: Archiv

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Der Akkordeon-Käufer wartete vergeblich auf sein Instrument. Foto: Archiv

Das Amtsgericht Rastatt hat am Mittwoch einen Mann aus Gaggenau wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten verurteilt. Die Strafe wurde drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der 33-Jährige muss außerdem eine Geldauflage von 500 Euro an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ überweisen.
Der Beschuldigte hatte zuvor gestanden, auf der Internet-Plattform Ebay ein Akkordeon für 400 Euro verkauft zu haben. Nachdem er das Geld erhalten hatte, verschickte er das Instrument der Marke Hohner jedoch nicht wie vereinbart zu dem Käufer in die Schweiz.

„Ja, es war so“, räumte der Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein. Unter Tränen gab er an, sich manchmal selbst nicht zu verstehen, dann fehle ihm einfach der Elan, Dinge zu Ende zu bringen, so der Mann. Offenbar leidet er seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2014 sowie seines Großvaters zwei Jahre später unter Depressionen. „Ich weiß, dass das völlig dumm war, aber ich kann mit Drucksituationen derzeit nicht umgehen“, erklärte er, deshalb befinde er sich in psychiatrischer Behandlung.

An den Geschädigten gewandt erklärte er im Gerichtssaal: „Es tut mir wirklich leid.“ Und gab ihm das Geld zurück. Mit einem Handschlag verabschiedeten sich die beiden später.

Ermahnung von der Verteidigerin


Verteidigerin Elisa Moch erklärte in ihrem Plädoyer, sie sei froh, dass ihr Mandant dazu bewegt werden konnte, dem Geschädigten und dem Gericht gegenüberzutreten. Sich aus Angst in Dinge zu verstricken, die alles noch viel schlimmer machten, sei der falsche Weg. „Nächstes Mal gibt es keine Bewährung mehr“, erklärte sie an ihren Mandanten gewandt. Richterin Angelika Binder betonte in ihrer Urteilsbegründung, das Geständnis des Angeklagten sei von Unrechtsbewusstsein getragen gewesen. Zudem habe er zum Tatzeitpunkt in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt. Es zeichne sich jedoch eine Stabilisierung bei dem Beschuldigten ab, sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht. So hat der Mann vor geraumer Zeit eine Ausbildung begonnen und hat eine neue Freundin.

Gegen den Angeklagten hätten allerdings seine drei einschlägigen Vorstrafen gesprochen, erklärte Binder in der Urteilsbegründung weiter.

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Erstellt:
28. Juni 2021, 07:00 Uhr
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