Aktion Mensch fördert Projekt für Kinder

Baden-Baden (BT) – Künftig eine Auszeit für kleine Helden: Aktion Mensch fördert ein Projekt für die Kinder psychisch erkrankter Eltern, das am 25. Oktober starten wird.

Vanessa Ruppert (Mitte) wird mit Hilfe von Kristian Grgic und Jill Adelhütte ein ganz neues Angebot für Kinder von psychisch erkrankten Eltern anbieten. Foto: Bettina Ams/Caritasverband

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Vanessa Ruppert (Mitte) wird mit Hilfe von Kristian Grgic und Jill Adelhütte ein ganz neues Angebot für Kinder von psychisch erkrankten Eltern anbieten. Foto: Bettina Ams/Caritasverband

Sie sind echte kleine Helden. Der Nachwuchs von psychisch erkrankten Eltern ist im Alltag oft extrem gefordert. Mit einem ganz neuen Angebot für Teilnehmer von sechs bis zehn Jahre beziehungsweise von elf bis 14 Jahren möchte der Caritasverband Baden-Baden diese Kinder und Jugendlichen ab Oktober gezielt auffangen und entlasten.

„Wir möchten den ‚Kleinen Helden‘ helfen, die Erkrankung ihrer Eltern zu verstehen, um besser damit umgehen zu können“, erklärt Vanessa Ruppert, verantwortlich für die ambulanten psychiatrischen Dienste des Caritasverbandes. Und sie sagt: „Diese Kinder fallen im Hilfesystem oft hinten runter.“ Aushalten müssen sie aber extrem belastende Situationen, die obendrein schambehaftet sind.

Mit einem Angebot will man hier nun für Entlastung sorgen, das nicht nur kostenlos, sondern auch mit einem Fahrdienst verbunden ist, heißt es in einer Mitteilung. In den Räumlichkeiten der Brücke 99 kommen die Teilnehmer einmal in der Woche zusammen, reden, spielen, essen gemeinsam, werden obendrein – falls gewünscht – gebracht und später wieder nach Hause gefahren. Eine kleine Auszeit soll es sein, bei der Betroffene unter sich sind und ein klein wenig loslassen können, wieder ein bisschen Kind sein dürfen. In die Gespräche, die hier geführt werden, sollen begleitend auch die Eltern eingebunden werden.

„Die Kinder sollten mehr erfahren“

Um möglichst nachhaltig arbeiten zu können, wird hinter den Kulissen zwischen den verschiedenen Fachdiensten kooperiert. „Die Kinder sollen mehr über die Erkrankung ihrer Eltern oder Elternteile erfahren, um mit ihrer familiären Situation besser klar zu kommen.“ Der Erfahrungsaustausch, den man in der Gruppe anstoßen möchte, soll helfen Angst, Schuld und Scham abzubauen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Die Kinder lernen auch, wo sie im Krisenfall Hilfe bekommen.

Klein ist der Kreis der Betroffenen keineswegs, verweist Vanessa Ruppert auf die Statistik, gemäß der bundesweit jedes neunte Kind mindestens einen Elternteil hat, der psychisch erkrankt ist. Hochgerechnet auf Baden-Badener Verhältnisse, ist das eine erschreckende Zahl, heißt es weiter: „Mehr als 500 Kinder unter 14 Jahren leben in der Stadt, die mindestens einen psychisch erkrankten Elternteil haben.“

Dass dank der finanziellen Unterstützung durch die Aktion Mensch, die das Projekt „Kleine Helden“ fünf Jahre lang fördert, ein solches Angebot gemacht werden kann, sei immens wichtig. Denn neben den Belastungen, denen die Kinder ausgesetzt sind, tragen sie das Risiko in sich, selbst zu erkranken, macht sie am Beispiel der Schizophrenie deutlich: „Das Erkrankungsrisiko in der Allgemeinbevölkerung liegt hier bei einem Prozent. Er steigt auf zehn Prozent, wenn ein Elternteil betroffen ist, auf 40 Prozent, wenn Mutter und Vater an Schizophrenie leiden.“ Auch bei Depressionen und bipolaren Störungen nimmt die familiäre Situation Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Und das zeige sich oftmals schon im Kindergartenalter. „Die Kinder werden von ihren Müttern oft als schwierig wahrgenommen. Der sprachliche Austausch ist reduziert“, nennt Vanessa Ruppert nur zwei Aspekte. In den darauffolgenden Jahren wird es für die Kinder noch schlimmer. Sie werden oftmals in die elterlichen Konflikte einbezogen, sie übernehmen oft erwachsenentypische Aufgaben. Orientiert sich ein Kind obendrein an den Eltern als Vorbild, ist es noch schwieriger. Hierdurch steigt das Risiko, dass auch die Kinder selbst erkranken.

250.000 Euro von Aktion Mensch

Nun sollen sie eine Auszeit bekommen, eine Insel, die für Entlastung sorgt und sie mit ganz viel stärkendem Rüstzeug versieht, das ihnen im Alltag hilft. Ruppert: „Sehr gerne möchten wir auch Menschen dazu einladen, die uns bei diesem Projekt unterstützen möchten.“

Die Aktion Mensch unterstützt das Projekt „Kleine Helden“ der Caritas Baden-Baden mit rund 250.000 Euro bei dem Vorhaben. Möglich machen diese Förderung die rund vier Millionen Menschen, die an der Soziallotterie teilnehmen. Als größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland fördert die Aktion Mensch Projekte, die die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen, Kindern und Jugendlichen verbessern und das selbstverständliche Miteinander in der Gesellschaft fördern.

Am Montag, 25. Oktober, um 14 Uhr findet zum Projektstart eine Auftaktveranstaltung in der Brücke 99 (Schwarzwaldstraße 101; Baden-Baden) statt. Bei Interesse an der Auftaktveranstaltung und an dem Projekt kann man sich an Vanessa Ruppert unter (07221) 9239410 oder ruppert@caritas-baden-baden.de, oder an Jill Adelhütte, (07221) 9239455 oder adelhütte@caritas-baden-baden.de wenden.

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Erstellt:
21. Oktober 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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