Aktionstag zeigt Bedürfnisse von Migrantinnen

Baden-Baden (co) – Arbeitssuche, sprachlichen Hürden: Die Probleme für Frauen mit Migrationshintergrund sind vielfältiger Natur. Auf sie macht ein Aktionstag in der Trinkhalle aufmerksam.

Auch Adama Kande, alleinerziehende Mutte aus Guinea, schätzt die neue Freiheit.  Foto: Conny Hecker-Stock

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Auch Adama Kande, alleinerziehende Mutte aus Guinea, schätzt die neue Freiheit. Foto: Conny Hecker-Stock

„Mir ist es wichtig, frei zu leben und meine Meinung sagen zu dürfen.“ Dieser Wunsch ist einer von vielen, auf Wolken geschrieben, die beim gestrigen Aktionstag unter dem Motto „Wir sind Teil der Gesellschaft“ im Rahmen der Interkulturellen Woche in der Trinkhalle zu sehen waren.

Impulsgeber dieses bundesweiten Aktionstages ist IN VIA, Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Deutschland. Basis ist die Kritik des Verbandes, dass geflüchtete oder migrierte Frauen in der Öffentlichkeit kaum bewusst wahrgenommen werden und so ihre Kompetenzen, Talente und Potenziale häufig untergehen. Um diese soziale Benachteiligung ins Bewusstsein zu rücken und Teilhabe-Chancen für Migrantinnen zu erhöhen, hatte der IN VIA Diözesanverband Freiburg im Wandelgang der Trinkhalle zu dem Aktionstag geladen.

Mit vielfältigen Projekten in ganz Deutschland sollten Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dazu aufgefordert werden, Migrantinnen als Arbeitnehmer und Mitbürger besser wahrzunehmen. Befinden sie sich überhaupt in Beschäftigungsverhältnissen, hätten diese häufig einen prekären Hintergrund bis bin zur Ausbeutung. Besonders wenn der Aufenthaltsstatus noch unsicher ist, behauptete Sabine Lang von IN VIA Puella Baden-Baden.

„Wichtig, Meinung sagen zu dürfen“

Um im Bildungsbereich Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht und Herkunft abzubauen, wird ein flächendeckender Ausbau von Sprachangeboten und Bildungsmaßnahmen gefordert, die unter anderem auf Bedürfnisse der Mütter zugeschnitten sein sollten. Sabine Lang ist Projektleiterin von „DOUNIA – Begegnung und Orientierung für geflüchtete Frauen“. Rund 18 Migrantinnen aus Eritrea, Syrien, Afghanistan, Marokko, Kamerun und Togo gehören ihrer Gruppe an, von denen sich elf an dem Aktionstag beteiligt haben. Einzeln oder in sehr kleinen Gruppen erstellten die Frauen weibliche Figuren aus Pappe und bemalten diese mit Kleidung, die sie selbst gerne tragen. An den Pappdamen wurden Wolken befestigt, in denen sehr eindringliche persönliche Wünsche formuliert waren. „Arbeit finden“, „Ausbildung in der Altenpflege“, „Besser Deutsch lernen, um die Prüfung zu bestehen“ oder „Frieden auf der ganzen Welt“ war da zu lesen.

Wünsche wie dieser machen deutlich, was Amena aus Afghanistan in ihrer Heimat vermisst hat. Foto: Conny Hecker-Stock

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Wünsche wie dieser machen deutlich, was Amena aus Afghanistan in ihrer Heimat vermisst hat. Foto: Conny Hecker-Stock

Eine der Migrantinnen hatte auch formuliert, warum sie sich an dem Aktionstag beteiligt: „Weil es mir sehr wichtig ist, frei zu leben und meine Meinung sagen zu dürfen.“ Amena aus Afghanistan betonte, wie gerne sie in Deutschland lebt, da sie hier auch als Frau allein in die Öffentlichkeit darf. Adama Kande aus Guinea hatte wegen ihres fünf Monate alten Söhnchens Mamadu keine Zeit für die Ausarbeitung der Wolke, da sie sich allein um den Kleinen kümmern muss. Dafür erzählte sie den recht zahlreichen Besuchern der Trinkhalle auf Französisch, wie sehr sie bei der IN VIA-Gruppe den persönlichen Kontakt untereinander schätzt und wie viel Freude es ihr bereitet, gemeinsam mit den anderen Frauen etwas zu gestalten, so wie jetzt für diese Ausstellung.

Für die Herstellung der Pappfrauen wurden Fotos gemacht, per Powerpoint an die Wand geworfen, die Umrisse mit Bleistift nachgezeichnet und dann viel experimentiert mit Acrylfarben, Kreide und Klebestift. „Es war besonders schwierig für die Frauen, für eine dunkle Hautfarbe die Töne entsprechend zu mischen“, erzählte Sabine Lang. Es gab jedoch noch eine weitere interessante Variante, eigene Wunschträume, Werte oder Zukunftsideen auszudrücken, und zwar in Form von Bildcollagen. Diese Aktion wurde betreut von Sabrina Volz, Projektverantwortliche bei IN VIA Puella für „MilA.B – Migrantinnen lernen für den Arbeitsmarkt“. Sie legte großen Wert darauf, die beteiligten Frauen selbst in gebrochenem Deutsch erzählen zu lassen, warum sie welche Bilder ausgewählt haben für ihre Collagen. Sabriye Tokak träumt von einer Couch, nachdem sie ihre kaputte bereits genäht hat, von einem Auto, da sie außerhalb von Bühl lebt und von einem Leben mit Blick aufs Meer und in die Berge, wie sie es in ihrer türkischen Heimat kannte.

Ebtissem Almosafa, die aus einer gebildeten syrischen Familie stammt, möchte so gerne wieder als Apothekerin arbeiten und zeigte auf das Bild einer Pillenschachtel. Zusätzlich waren sehr persönlich gehaltene Texte ausgestellt, in denen die Frauen über kleine Erlebnisse berichteten, die sie sehr berührt haben.

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