Alarm in Karlsruhe: Zwei Omikron-Fälle gemeldet

Karlsruhe (BNN) – Nun ist sie in der Region angekommen: Die Mutante Omikron verlangt den Corona-Stäben jetzt sehr viel ab. Das Gesundheitsamt ist alarmiert.

Sorgen über neue Mutante: Die ersten Nachweise von Omikron zwingen dem Gesundheitsamt in Karlsruhe teils eine veränderte Arbeitsweise auf. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Sorgen über neue Mutante: Die ersten Nachweise von Omikron zwingen dem Gesundheitsamt in Karlsruhe teils eine veränderte Arbeitsweise auf. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Ruhe vor dem Sturm, sie hielt in der Region weniger als drei Wochen an. Es gebe in Karlsruhe und Rastatt „keinerlei Erfahrungen in Bezug auf die Virusvariante Omikron“, hieß es noch zum Monatsbeginn in den Gesundheitsämtern beider Landkreise. Nun ist die am 24. November in Südafrika erstmals gemeldete Mutante auch in der Region angekommen – sie verlangt den Corona-Stäben sehr viel ab.

Bis Dienstagabend wurden in Baden-Württemberg 35 bestätigte Fälle von Omikron-Infektionen gemeldet. Wie man jetzt weiß, sind mindestens zwei Menschen an der hochansteckenden Variante in Karlsruhe erkrankt. Das zuständige Gesundheitsamt ist alarmiert. „Wir werden jetzt eine sehr viel schnellere Abfolge von Omikron-Ansteckungen erleben“, befürchtet Amtsleiter Peter Friebel.

Verbreitungsweg unklar

Im ersten Fall handelt es sich um eine Teenagerin, die eine weiterführende Schule in Karlsruhe besucht. Das positive Omikron-Testergebnis wurde am vergangenen Samstag übermittelt. Wo sie sich angesteckt hat, sei nicht bekannt, heißt es im Gesundheitsamt: Das Mädchen wisse es nicht.

Laut Friebel ist es ungeimpft und hat bislang nur grippale Beschwerden. Sowohl die Familie, als auch die Freundinnen der Minderjährigen hätten sich am Wochenende in die sogenannte Absonderung begeben müssen. An diesem Dienstag wurde dann ihre komplette Schulklasse in Quarantäne geschickt.

Freitesten gilt nicht mehr

Auch beim zweiten Betroffenen gibt es noch Klärungsbedarf: Ein 31-jähriger Mann, derzeit ebenfalls unter Quarantäne, soll sich vor einigen Tagen auf einer Reise nach Nordrhein-Westfalen mit Omikron infiziert haben. „Der Mann ist zweimal geimpft. Er hat leichte Symptome“, sagt Friebel, der seit dem vergangenen Sonntag von dem Fall Kenntnis hat. Nach Angaben des Amtsleiters arbeitet der Karlsruher im Homeoffice, deshalb sei keine Quarantäne in seinem Betrieb angeordnet worden. Der Infizierte hat keine Verbindung zur erkrankten Schülerin.

Die Ausbreitung von Omikron in der Region bringt einige wichtige Änderungen bei den Pandemie-Regeln mit sich. So müssen die Betroffenen jetzt in jedem Fall in Quarantäne, selbst wenn sie mehrfach geimpft oder genesen sind. Die heimische Isolierung der Infizierten und Menschen in ihrem Umfeld kann nicht durch Freitestung beendet werden. „Alle, die wir jetzt anrufen, werden Weihnachten in Quarantäne verbringen müssen“, stellt Peter Friebel klar.

Wie zuvor angekündigt, setzt das Karlsruher Gesundheitsamt sein Corona-Management unter den neuen Bedingungen zurück auf die „intensive Ermittlung von Infektionsquellen und Kontaktpersonen“. Das bedeutet eine Wende weg von der Beobachtung von größeren Ausbrüchen, vor allem in Alten- und Pflegeheimen, Kitas und Schulen. Erst im November war das aus den vergangenen Wellen bekannte „individuelle Fallmanagement“ eingestellt worden, um Ressourcen und Zeit zu sparen.

„Eine neue Herausforderung“

Nach der erneuten Umstellung werde das Amt extrem eingespannt sein, schätzt Friebel. „Dies ist eine neue Herausforderung. Dabei sind wir schon längst am Rand der Belastbarkeit oder sogar darüber hinaus.“ In den vergangenen Wochen habe man sich auf eine neue Infektionslage vorbereitet, indem einige Dienstaufgaben zurückgefahren wurden.

Zum anderen sei Personal aus anderen Ämtern zur Unterbrechung von Infektionsketten umgeschichtet worden. „Wir haben schon länger mit Omikron bei uns gerechnet“, sagt Friebel. Er erklärt das auch damit, dass die Region durch ihre intensiven Reiseverbindungen im In- und Ausland stark vernetzt sei: „In jedem Jumbojet, der irgendwo in Deutschland landet, sitzen sicher ein paar Karlsruher.“

Der Fachmann glaubt, dass das Zeitfenster, in dem man die Ausbreitung der Mutante im Raum Karlsruhe zumindest verzögern könnte, relativ klein sein wird. „Nach allem, was wir wissen, wird es schnell gehen“, sagt er. Schon bald werde deswegen die Einzelfall-Verfolgung keinen Sinn mehr haben. „Wir werden also nach dieser kurzen Phase unsere Strategie wieder ändern müssen.“ Mitten in der vierten Welle macht sich Friebel Sorgen, ob und wie lange noch die Ämter mit ihren begrenzten Personalressourcen den Kampf gegen Corona führen können. „Wenn man den Motor ständig im roten Bereich drehen lässt“, sagt er, „geht der Motor irgendwann vielleicht kaputt“.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sind inzwischen auch im Landkreis Calw vier Personen mit Omikron infiziert. Im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden sind bislang keine Verdachtsfälle bekannt. Laut dem Landratsamt wurden hier mehrfach Sequenzierungen von Reiserückkehrern aus Südafrika vorgenommen, sie seien jedoch bislang alle negativ gewesen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Alexei Makartsev

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Erstellt:
14. Dezember 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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