Alarmstufe II: Ein Land zwischen 2G, 2G plus und 3G

Stuttgart/Baden-Baden (fk/bjhw) – Alarmstufe II: Welche neuen Regularien und Vorschriften ab Mittwoch in Baden-Württemberg gelten.

Für den Besuch beim Friseur brauchen Geimpfte weiterhin keinen Test, Ungeimpfte hingegen einen PCR-Test.  Foto: Nicolas Maeterlinck/BELGA/dpa

© dpa

Für den Besuch beim Friseur brauchen Geimpfte weiterhin keinen Test, Ungeimpfte hingegen einen PCR-Test. Foto: Nicolas Maeterlinck/BELGA/dpa

Hans Schindler ist frustriert. Und ein bisschen verärgert. Der Baden-Badener Dehoga-Vorsitzende hatte sich eine klare Ansage der Landesregierung zu den Corona-Vorschriften gewünscht; eine Zielsetzung. „Irgendwas muss man tun, das ist klar, aber da blickt doch jetzt keiner mehr durch“, sagt er. So wie ihm geht es am Dienstag vielen. Wo gilt 2G, wo 2G plus, wo 3G. Was ist mit dem Friseur, dem Restaurantbesuch, was gilt im Amateurfußballbereich?

Aufklärung kann mitunter nicht mal die Pressestelle des Gesundheitsministeriums geben. Die Klärung von Detailfragen ist schwierig, aber immerhin verschickt das Ministerium um 15.30 Uhr eine Übersicht, über die Regeln, die ab Mittwoch gelten, die aber am Dienstag bis in den späten Abend hinein noch in der Kabinettsabstimmung sind.

Was gilt ab Mittwoch?

Die Belegungsrate der Intensivbetten bleibt hoch, deshalb wird die Alarmstufe II und 2G plus ausgelöst. Damit einher geht aus Gründen besonderer Vorsicht, dass auch Geimpfte und Genesene in Theater, Oper, Kino und Konzert, aber auch in Bars, Clubs und Discos einen gültigen Test vorlegen müssen. Wohlgemerkt einen aus einer Teststation, Selbsttests reichen nicht aus. In Discos ausgenommen sind allein Schüler unter 18. Auch bei Stadtführungen, Betriebs-, Vereins- und sogar Sportveranstaltungen reicht es nicht, geimpft oder genesen zu sein, dasselbe gilt für Kosmetik- oder Massagestudios und Bordelle. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hebt hervor, dass alle Vorgaben wie schon seit dem Ausbruch der Pandemie übersichtlich auf der Homepage seines Ministeriums dargestellt und auch nachvollziehbar sind. Kretschmann bedankt sich bei Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen. Immer sei „alles sehr gut und belastbar dargestellt worden – Lobpreis und Anerkennung dafür“.

Welche Besonderheiten gelten für Ungeimpfte?

Mit der Verhängung der Alarmstufe I vor einer Woche sind für Ungeimpfte weitgehende Einschränkungen am öffentlichen Leben wirksam geworden. Auch dürfen sie sich nur noch allein oder als Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Zu Verwirrung hat geführt, dass in Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 500 weitere Gebote gelten, vor allem dass Ungeimpfte zwischen 21 und fünf Uhr nicht mehr ohne triftigen Grund auf die Straße dürfen.

Was gilt für den Friseurbesuch?

Hier ist eine Sonderregelung in Kraft. Obwohl körpernahe Dienstleistung, reicht für Geimpfte ein 2G-Nachweis. Der Friseurbesuch bleibt zudem auch Ungeimpfen mit einem PCR-Test erlaubt.

Wie ist die Situation in der Gastronomie?

In der Gastronomie gilt ohnehin seit Alarmstufe I 2G im Inneren und 3G plus PCR-Test im Außenbereich. Diese Vorgaben werden nach BT-Informationen verlängert. Das dürfte bei Dehoga-Chef Schindler und bei vielen Gastronomen für Aufatmen sorgen. Schindler hätte sich bei einer 2G-plus-Regel vor allem um die kleinen Kaffees gesorgt, da „wo man mal auf die Schnelle spontan auf einen Kaffee hingeht. Das macht man natürlich eher weniger, wenn man vorher einen Test machen muss.“

Was gilt bei Veranstaltungen, etwa beim Fußball?

Volle Stadien sind wieder Geschichte. Die Besucherzahlen bei Großveranstaltungen werden erneut beschränkt. Die Vereine dürfen nur die Hälfte ihrer Kapazität nutzen, die Obergrenze liegt bei 25.000 Zuschauern. Auch hier gilt 2G plus, Geimpfte und Genesene brauchen also zusätzlich einen Test (siehe gesonderter Bericht im Sportteil).

Was ist mit dem Amateursport?

Für den Sport in Sportstätten und auf Sportanlagen gelten die gleichen Regelungen wie schon in der ersten Alarmstufe. In geschlossenen Räumen gilt 2G, im freien dürfen hingegen auch Ungeimpfte am Vereins- und Mannschaftssport teilhaben, allerdings nur, wenn sie einen negativen PCR-Test vorweisen können.

Wie geht es weiter?

Die Aussichten auf die nächsten vier Wochen sind getrübt. Lucha hofft, dass bis Weihnachten „der Plafond der Zahlen“ erreicht sei, also die Steigerungsraten auf einem Niveau bleiben oder sogar sinken. Absehbar ist deshalb, dass immer mehr Stadt- und Landkreise zu Hotspot-Regionen werden und die damit verbundenen Maßnahmen verhängen müssen. Kretschmann will nicht von einem neuerlichen Lockdown sprechen, ihn aber auch nicht ausschließen. Zudem legt er Wert auf die Feststellung, er habe schon im Sommer genau diese Formulierung auch im Zusammenhang mit einer gesetzlichen Impfpflicht verwendet.

Was bedeutet das für die Testzentren in Mittelbaden?

Die größeren mittelbadischen Kommunen rechnen allesamt mit einem verstärkten Anstieg der Testnachfrage, sehen sich aber aktuell alle gut aufgestellt. Bühl hat seit Montag neben stationären Testzentren beispielsweise wieder ein Drive-in-Testzentrum bei Schaeffler in Betrieb, Baden-Baden will, genauso wie Rastatt vorerst kein kommunales Testzentrum aufbauen, da das Angebot an privaten Testzentren gut sei und man – im Falle der Barockstadt – auch mit zusätzlichen Anbietern in Kontakt stehe. Die Stadt Gaggenau bittet derweil darum, für die Schnelltests im Testzentrum in der Jahnhalle Termine zu vereinbaren. Die Buchung ist unter www.vitalapo.de möglich.

Und was ist mit den Weihnachtsmärkten in der Region?

Für den Besuch von Weihnachtsmärkten gilt die 2G plus Regel. Um das kontrollieren zu können, wird Bühl den Markt, der am Freitag um 15 Uhr seine Tore öffnet, einzäunen. Auch Rastatt und Baden-Baden werden die Konzepte auf entsprechende Einlasskontrollen anpassen. Das bedeutet etwa in der Kurstadt – wo der Markt am Donnerstag startet – allerdings einen erheblichen Mehraufwand. Denn wo vorher bei vielen Besuchern das Scannen des QR-Codes auf dem Handy genügt hätte, muss jetzt von zusätzlichem Personal händisch auch ein entsprechender Testnachweis kontrolliert werden, wie Kur- und Tourismuschefin Nora Waggershauser am Dienstag erklärt.

Warum könnte eine Impfpflicht vor Gerichten als verhältnismäßig beurteilt und damit bestätigt werden?

Der Ministerpräsident befürchtet eine immer schärfere Spaltung der Gesellschaft in den deutlich größeren Teil der Impfbefürworter auf der einen und den Impfgegnern auf der anderen Seite. „Der Spaltpilz ist schon tief drin“, so Kretschmann. Deshalb müsse der Staat „durch tätiges Handeln den Konflikt aus der Gesellschaft heraus und an sich ziehen“. Andernfalls werde die Pandemie in Endlosschleifen weitergehen, was weder Geimpften und Genesenen noch dem Gesundheitssystem zuzumuten sei. Obwohl das Infektionsschutzgesetz so interpretiert werden könnte, dass ein Alleingang bei der Impfpflicht möglich ist, setzt die grün-schwarze Landesregierung dennoch auf eine bundesweit einheitliche Lösung.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.