Alarmstufe: Sportbetrieb (noch) nicht gefährdet

Baden-Baden (rap/moe) – Seit Mittwoch greift in Baden-Württemberg die Alarmstufe – auch für den Sport bringt das Einschnitte mit sich, vor allem für Hallensportarten.

Sportevents unterm Hallendach sind – bis auf einige Ausnahmefälle – nun reine Immunisierten-Veranstaltungen. Foto: Hans Punz/APA/dpa

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Sportevents unterm Hallendach sind – bis auf einige Ausnahmefälle – nun reine Immunisierten-Veranstaltungen. Foto: Hans Punz/APA/dpa

Mit einer derartigen Rasanz haben die wenigsten Verantwortlichen wirklich gerechnet. Oder zumindest insgeheim gehofft, dass die vergleichsweise moderaten Einschränkungen der Corona-Warnstufe noch eine ganze Weile anhalten würden. Indes: Es kam anders. Nicht einmal zwei Wochen nach der für den Sportbetrieb modifizierten Corona-Verordnung gilt seit dem gestrigen Mittwoch in Baden-Württemberg die Alarmstufe. Und damit auch neue Einschränkungen für Sportler, Funktionäre und Zuschauer.

„Dass es so schnell geht, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt beispielsweise Nina Ernst, Jugendleiterin bei Phönix Sinzheim und selbst aktive Handballerin, über die nun anstehende Anwendung der 2G-Regel. Unabhängig von der Schnelligkeit, unvorbereitet sind die Sportler mit einem Dach über dem Kopf, die im Gegensatz zu den Freiluftakteuren – zu dieser Jahreszeit hauptsächlich die Fußballer – besonders von den Verschärfungen betroffen sind, freilich nicht.

Manz: „Man muss reagieren“

„Es war uns immer bewusst, dass wir mit weiteren schärferen Maßnahmen rechnen müssen. Bereits mit der Umstellung auf die Hospitalisierungsinzidenz und der dreistufigen Betrachtung der Pandemielage haben wir unser Hygienekonzept umgestellt“, sagt Oliver Stolle, Abteilungsleiter der Bühler Drittliga-Volleyballer. „Wir haben ein gutes Konzept“, lässt sich Fabian Hochstuhl, Handball-Abteilungsleiter des mittelbadischen (männlichen) Branchenführers TVS Baden-Baden, nicht kirre machen. In der Herangehensweise habe sich in den verschiedenen Stufen für die Sandweierer „nicht viel verändert“.

Die Tatsache, dass nur noch Geimpfte oder Genesene am Spielbetrieb in der Halle teilnehmen können, treibt den Protagonisten aus dem hiesigen Handball, Volleyball oder Eishockey keine Schweißperlen auf die Stirn. Das lässt zumindest eine stichprobenartige Umfrage des BT vermuten. „Unsere Spieler sind alle 2G“, versichert Volleyball-Funktionär Stolle. Ganz ähnlich ist die Lage bei den Handballern: In der ersten Männermannschaft der Sinzheimer Feuervögel sind alle Spieler entweder geimpft oder genesen, wie Funktionärin Ernst bestätigt. „Bei uns sind alle geimpft“, sagt auch Hochstuhl mit Blick auf sein Oberliga-Team. Auch beim weiblichen Aushängeschild, Drittligist SG Steinbach/Kappelwindeck, gibt es in Sachen Spielbetrieb so gut wie keine Einschränkungen: „Stand heute können wir fast komplett spielen“, sagt Arnold Manz, Trainer und sportlicher Leiter in Personalunion. Verschärfte Maßnahmen hält er indes prinzipiell für richtig: Angesichts der aktuellen Corona-Lage „muss man reagieren“.

Personell ohnehin durch Verletzungen gebeutelt, muss Eishockey-Regionalligist ESC Hügelsheim nach aktuellem Stand auf einige wenige Akteure verzichten: Der sportliche Leiter Pascal Winkel räumt ein, dass im Kader der Rhinos derzeit drei Cracks noch nicht geimpft sind. „Ich übe keinen Druck auf sie aus, da diese Entscheidung jeder für sich treffen und abwägen muss.“

Spielbetrieb in Sachsen eingestellt

Während die Hallensportarten mit dem Inkrafttreten der Alarmstufe für Spieler und Zuschauer zu reinen Immunisierten-Veranstaltungen werden – Ausnahmen gelten laut Verordnung für „beschäftigte Personen“, also für Trainer, Hausmeister, sogar Vertragsspieler; für sie reicht ein Antigen-Testnachweis an jedem Präsenztag – gilt für Sport im Freien weiterhin das 3G-Modell, nun aber ist ein negativer PCR-Test für Ungeimpfte erforderlich, um gegen das runde Leder treten zu dürfen. Zumindest für die beiden mittelbadischen Fußball-Schwergewichte, den SV Bühlertal und den SV 08 Kuppenheim, bringt die Alarmstufe keine wirklichen Einschränkungen – was das Treiben auf dem Sportplatz anbelangt – mit sich. „Wir sind seit dem vergangenen Wochenende vollständig geimpft“, sagt Sportvorstand Thorsten Werner über den SVB-Verbandsligakader. Ein Spieler stand noch auf der Warteliste für eine Impfung, die er nun aber bekommen habe. „Da können wir schon etwas beruhigt sein. Einschnitte in den Spielbetrieb haben wir dadurch nicht zu befürchten“, findet Werner. Und auch sonst lautet die Devise am Mittelberg: „Vor- ist besser als Nachsicht“. So habe sich der Verein etwa entschlossen, das Clubhaus bei der derzeitigen Infektionslage wieder zu schließen. „Das ist im Moment einfach nicht zu verantworten, ein voll besetztes Clubhaus wäre ein falsches Signal“, findet Werner. Auch beim Sportlichen überlässt der Verbandsligist nichts dem Zufall. „Wenn sich ein Spieler unwohl fühlt, soll er daheimbleiben. Außerdem appellieren wir weiter an die Jungs, dass sie sich vor den Trainingseinheiten und Spielen selbst testen“, sagt der Funktionär, der weiterhin auf eine halbwegs normale Saison hofft: „Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Runde unterbrochen wird. Die Lage ist noch relativ ruhig. Auch gab es bisher kaum Spielabsagen.“

Ähnlich wie auf dem Mittelberg sieht die Lage im Kuppenheimer Wörtel aus. „Zwei Spieler warten noch auf ihren zweiten Piks, dann ist unser Kader vollständig geimpft“, erklärt der sportliche Leiter Ralf Balzer: „Für die beiden war schon auch mit ausschlaggebend, dass sie jetzt nur noch mit einem PCR-Test hätten spielen dürfen. Warum sich jemand impft, ist aber letztlich egal. Hauptsache man macht es, nur so schützt man sich und seine Mitmenschen“, findet Balzer. Denn durch eine hohe Impfquote erhöhe sich auch die Chance auf einen geregelten Spielbetrieb. Wenngleich Balzer dem Braten noch nicht ganz traut: „Natürlich hoffe ich, dass wir ohne weitere Einschränkungen weiterspielen können, aber bei den derzeitigen Corona-Zahlen ist nichts auszuschließen“, so der 08-Verantwortliche: „Daher sollten wir zum Ende der Hinrunde sicherheitshalber über dem Strich stehen.“

Manz: Erneuter Abbruch wäre „ein Totalschaden“

Angesichts der rasant steigenden Corona-Zahlen sowie der Intensivbettenbelegung erscheint es nicht abwegig, dass demnächst auch wieder noch drastischere Maßnahmen aufs Tapet kommen. Der Handball-Verband Sachsen etwa hat den Spielbetrieb aufgrund der hohen Inzidenzen im Freistaat bereits ausgesetzt. „Ich glaube, dass das tatsächlich passieren kann“, sagt Handball-Funktionär Hochstuhl auch mit Blick auf das hiesige Geschehen. Kollegin Ernst kann sich derweil „nicht vorstellen, dass der Spielbetrieb nochmals komplett eingestellt wird“. Das hofft auch SG-Macher Manz, der bei einem erneuten Lockdown „langfristig schlimme Folgen“ fürchtet. Für TVB-Funktionär Stolle wären Geisterspiele oder gar ein vorzeitiger Abbruch nichts weniger als „ein Totalschaden“.

Ihr Autor

den BT-Redakteuren Christian Rapp und Moritz Hirn

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Erstellt:
17. November 2021, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 55sec

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